Jugendprojekt : Eine Stadt aus 150.000 Legosteinen in Elmshorn

Chiara Geolgieva (8)  und Pelle Schröder (9) bauen ein buntes Haus für die Lego-Stadt.
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Chiara Geolgieva (8) und Pelle Schröder (9) bauen ein buntes Haus für die Lego-Stadt.

Kirche „Zum guten Hirten“ veranstaltet Legoprojekt mit 75 Teilnehmern.

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05. März 2018, 12:30 Uhr

Elmshorn | Patrizia Krödel und Katharina Kast wuchten mit vereinten Kräften ein mehrstöckiges Haus auf die große Platte. Es ist blau mit roten Streifen: „Da wohnt Deborah drin“, erklären die Neunjährigen; blau und rot zählten zu Deborahs Lieblingsfarben. Deborah ist eine Mitarbeiterin in der Elmshorner Kirchengemeinde „Zum guten Hirten“, wo die beiden Mädchen am Wochenende mit Bauen beschäftigt sind: Die Gemeinde veranstaltet „Legotage“. Krödel und Kast müssen auch gleich wieder los, das nächste Haus bauen: „Da wohnen wir drin“, erklärt Katharina Kast.

Ein großer Raum im Gemeindezentrum ist als „elternfreie Zone“ gekennzeichnet. Dort entsteht die Stadt, die insgesamt 75 Kinder zwischen fünf und zwölf aus 150.000 Legosteinen bauen, am Freitagnachmittag und den ganzen Samstag hindurch. Ein Riesenrad, Polizeiwache, Flugzeuge, Lkw. Gabelstapler, Windrad, Garage – vieles steht schon auf der großen Platte, noch mehr wird in der Kirche selbst gerade gebaut. Die Erwachsenen dürfen sich die fertige Stadt erst am Sonntag nach dem Familiengottesdienst angucken.

Steine gemietet

„Als Gemeinde mit viel Kinder- und Jugendarbeit suchen wir immer wieder Kontakt zu neuen Menschen“, erklärt Pastor Hartmuth Wahnung den Hintergrund der Legotage. Vertreten sind verschieden schwierige Modelle, die nach Anleitung zusammengesetzt werden, und Steine zum freien Bauen. Die vielen Steine hat die Gemeinde gemietet, sie wurden in einem Transporter angeliefert. Jetzt liegen sie in Kisten in der Kirche, immer wieder umlagert von Kindern mit Schalen, die bestimmte Farben oder Formate suchen. „Hast du noch einen Dreier von den Roten?“, fragt Julian Hegeler seinen Zwillingsbruder Niklas. Die beiden Achtjährigen bauen gleich zwei Häuser parallel. Seit dem Vortag haben sie schon ein Rennauto samt Station fertiggestellt, einen Abschleppdienst, eine Polizeiwache, einen Lkw und ein Quad.

Baumeister: Die Zwillinge Julian und Niklas Hegeler (8).
Jann Roolfs
Baumeister: Die Zwillinge Julian und Niklas Hegeler (8).
 

Alle zwei-bis dreiköpfigen Kinderteams können schon viele Bauwerke aufzählen, die sie geschaffen haben. Fine Kerkamm, 10, und Stina Sophie Henningsen, 9, haben schon eine Schule, Raumschiffe und eine Ferienwohnung gebaut. Jetzt sitzen sie an einer Luxusvilla, Kerkamm erklärt die Einrichtung mit Tisch und Bank, Treppe ins obere Stockwerk und zwei Balkonen.

Am Tisch nebenan entsteht ein HSV-Fanklub samt eingleisiger Schienenbahn ins Fußballstadion. Ein Stück weiter erklärt der neunjährige Edgar Lohmann: „Wir bauen die Klostersande“. Dafür hat er viele blaue Steine vor sich liegen, die er zunächst zu Bordwandsegmenten zusammensetzt. Warum ausgerechnet die Klostersande? „Das ist halt Elmshorn und ein Schiff.“ Für Pastor Wahnung sind die Legotage ein voller Erfolg mit zahlreichen neuen Gesichtern: „Zwei Drittel der Kinder habe ich noch nie gesehen“. Verpflegung gibt es von morgens bis abends, das Religiöse beschränkt sich auf eine kurze Andacht zum Abschluss. In der Lego-Stadt ist noch nicht einmal eine Kirche vorgesehen, fällt Wahnung auf. Aber nebenan, in seiner Kirche, bauen schon drei Jungs an einem Haus mit kreuzförmigem Grundriss und gelbem Kreuz auf dem Dach.

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