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Gnadenhochzeit in Elmshorn : Eine Liebe in Zeiten des Krieges

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Antonie und Ernst Behnke lernten sich 1943 in Innsbruck kennen. 1947 wurde in Bayern geheiratet.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Es gibt Ehrentage, die sind so selten, dass sie kaum ein Mensch jemals erlebt. Die Gnadenhochzeit gehört dazu. 70 Jahre verheiratet zu sein, ist den wenigsten Paaren vergönnt. Zu den Glücklichen gehören Antonie (92) und Ernst Behnke (96). Die Elmshorner feierten gestern ihre Gnadenhochzeit, zu der auch Elmshorns stellvertretender Bürgervorsteher Siegfried Golz vorbeischaute. Mitgebracht hatte er gleich drei Ehrenurkunden. Eine von der Stadt, eine vom Kreis und eine vom Land Schleswig-Holstein, unterzeichnet von Ministerpräsident Daniel Günther.

70 Jahre verheiratet zu sein, sei eine wirkliche Gnade und „etwas ganz Besonderes“, betonte Golz. Antonie und Ernst Behnke lernten sich mitten im Krieg kennen. Wobei sich der Anfang ihrer Liebe wie ein Roman liest. Antonie Behnke stammt aus Oberbayern, ihr Mann aus Pinneberg. „Im August 1943 wollte ich meine Tante bei Kufstein besuchen“, erinnert sich die Jubilarin. Von dort sollte es weiter nach Innsbruck gehen. Mitten auf der Strecke hielt der Zug an, und auf dem Nebengleis stoppte ein entgegenkommender Zug. Antonie stieg aus. Aus dem anderen Zug schaute ein Soldat aus dem Fenster und schenkte ihr eine Tüte Bonbons.

Anschließend setzten sich die Züge wieder in Bewegung. In Innsbruck angekommen, sah Antonie eine Wehrmachts-Lastwagenkolonne, die auf ihrem Weg nach Italien einen Stopp einlegte. Antonie guckte sich einen Soldaten aus, dem sie ihre Bonbontüte schenken wollte. Doch zuvor schrieb sie noch ihre Adresse auf und legte den Zettel mit in die Tüte.

Dann verging die Zeit, ohne dass etwas passierte. Erst nach vier Wochen kam der erste Brief bei ihr zu Hause an. Der Soldat hatte ihr geschrieben - und es war Ernst, Antonies heutiger Mann. Da die Zeiten hart waren, dauerte es, bis der frisch erwachten Liebe freier Lauf gelassen werden konnte. Ein Jahr später war Ernst Behnke in Norwegen stationiert. Im Urlaub besuchte er seine Antonie. Gerade einmal drei Tage blieb dem Paar. Doch die Zeit reichte aus, um die Weichen für eine gemeinsame Zukunft zu stellen.

Doch noch mussten einige Hürden überwunden werden. Im März wurde das bayerische Heim von Antonie Behnke ausgebombt. „Dann herrschte Funkstille bis Weihnachten 1946“, erzählt die 92-Jährige. Pünktlich am Heiligen Abend traf ein Telegramm ihres zukünftigen Mannes ein. Er sei nun wieder in seiner norddeutschen Heimat und würde sich freuen, wenn sie vorbeischauen würde.

Antonie wollte, doch der Weg von der amerikanischen Zone in Bayern ins englisch besetzte Schleswig-Holstein musste erstmal rein rechtlich freigeräumt werden. Doch wo die Liebe ist, gibt es bekanntlich auch einen Weg. Und so feierte das Paar schon Silvester 1946 Verlobung. Im Juli 1947 fuhr Ernst Behnke runter nach Oberbayern, um die Hochzeit zu besprechen. In Bayern wurde dann auch geheiratet. Auch das ein schwieriges Unterfangen, schließlich war Antonie Katholikin und Ernst evangelischen Glaubens. „Aber der Pastor hat das ganz wunderbar gemacht“, erinnert sich Antonie Behnke an ihre ganz persönliche Art von früher ökomenischer Hochzeit.

Anschließend siedelte das Paar in den hohen Norden um. Seither wohnen die beiden in Elmshorn. Ernst Behnke arbeitete als Mechaniker, seine Frau bei der Sparkasse. Das rüstige Paar hat zwei Töchter und zwei Enkelkinder.

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