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Elmshorner Nachrichten

17. August 2017 | 18:15 Uhr

Elmshorn : Eine Inszenierung mit viel Tiefgang

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Premiere am „Forum Baltikum – Dittchenbühne“: Der Hauptmanns von Köpenick. Viel Beifall der Zuschauer im Theatersaal.

Elmshorn | Die Premiere musste aufgrund der Wetterlage vom Freilichttheater in den Theatersaal der Dittchenbühne verlegt werden, doch das tat am Freitagabend der prächtigen Spiellaune der Darsteller und dem großen Vergnügen des Publikums keinen Abbruch. Unter anderen mit dabei: der Hamburger Literaturpreisträger Arno Surminski, Kreispräsident Burkhard Tiemann, der Elmshorner Bürgervorsteher Karl Holbach und sein Kollege aus Barmstedt, Christian Kahns. Mit einem Riesenbeifall feierten die Zuschauer die neue Inszenierung des „Hauptmanns von Köpenick“ und die Schauspielerinnen und Schauspieler des Ensembles.

Im „Hauptmann von Köpenick“ schildert Zuckmayer die Wirkung einer Hauptmannsuniform im wilhelminischen Deutschland. Der Uniformrock ermöglicht es dem verzweifelten Schuster Wilhelm Voigt, einen Trupp Soldaten unter seinen Befehl zu stellen und mit ihnen das Rathaus von Köpenick zu besetzen – auf der Suche nach Ausweispapieren, die dem ehemaligen Strafgefangenen ein bürgerliches Leben ermöglichen würden. Um Bürokratismus geht es Zuckmayer also in dem Stück, um Obrigkeitsdenken und um Militarismus. Doch nicht Preußen hatte Zuckmayer im Visier, sondern er wollte zu Beginn der 30er-Jahre auch und gerade vor dem Hintergrund des erstarkenden Nationalsozialismus vor den Folgen von Militarismus und Kadavergehorsam warnen. Die Nazis verboten Theaterstück und Film dann auch gleich 1933.

Durchaus aktuelle und ernste Themen also, die Zuckmayer in seinem Stück und die Dittchenbühne in der neuen Inszenierung satirisch leicht, aber mit viel Tiefgang aufgreifen. Dittchenbühnen-Chef Reimar Neufeldt hat die Komödie in einem minimalistischen Bühnenbild inszeniert und so von Anfang an dafür gesorgt, dass der Vergleich mit bekannten „Hauptmann“-Versionen in den Hintergrund tritt und eine ganz neue, einzigartige Fassung entsteht. Interessanter Regieeinfall: Um dem Publikum bei der sparsamen Bühnenausstattung eine Orientierung zu bieten, gibt es auf moritatenhafte Art immer wieder ein Update von Ort und Zeit.Glänzend dabei und immer wieder mit Zwischenapplaus bedacht: die beiden Mädchen Wiebke Kahns und Dorothee Neufeldt.

Am Entstehen einer eigenen „Hauptmann“-Version wirken auch die Darsteller nachhaltig mit: Ralf Skala etwa, der die Titelrolle prächtig ausfüllt ohne Rühmann oder Junke vermissen zu lassen, Katrin Oder als Frau Hobrecht und Frau Obermüller, oder Ulrich Dreßel als Hauptmann von Schlottow – um nur drei Beteiligte hervorzuheben. Auch die anderen 19 Darsteller hätten es eigentlich verdient – ebenso wie die Techniker im Hintergrund oder die Kostümbildner.

Wer noch kein Ticket für eine der verbleibenden acht Aufführungen hat, muss sich beeilen – die Nachfrage ist stark. Aber vielleicht gibt es ja noch ein paar zusätzliche Aufführungen. Auch einige Schulen haben schon um Sondervorführungen gebeten.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 10:10 Uhr

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