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Neu Wochenserie : Eine Geschichte der Inklusion

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Im ersten Beitrag zum Thema der Woche geht es um die Entstehung der Paul-Dohrmann-Schule und eine kleine Revolution.

Elmshorn | Wie sich Zeiten ändern, erkennt man manchmal an veränderten Namen: Hilfsschule, Sonderschule, Förderschule, Förderzentrum: So wurden Schulen, die sich um Kinder mit Entwicklungs- oder Lernstörungen kümmern, schon genannt. Jeder Name steht dabei für ein anderes Konzept – und für ein anderes Bild vom Schüler.

„In meiner Schulzeit saßen diese Kinder in der Ecke und wurden still beschäftigt. Nach dem Ende der Schulpflicht wurden sie einfach entlassen“, sagt Uta Bortz, die den Umgang mit Kindern, die Lernprobleme haben, in den vergangenen Jahren gut beobachtet hat. Bortz arbeitet seit 1988 als Lehrerin an der Paul-Dohrmann-Schule und ist mittlerweile stellvertretende Schulleiterin.

Der Gedanke, dass Kinder mit Lern- und Entwicklungsstörungen eine besondere Schule brauchen, hatte sich in den 1920er-Jahren durchgesetzt. Der Schulleiter Paul Dohrmann aus Hannover, Namenspate der Elmshorner Schule, hatte heilpädagogische Konzepte entwickelt und eine Lernfibel geschrieben. Nach seinem Modell wurden spezielle Hilfsschulen entwickelt, die in ganz Deutschland gegründet wurden.

In Elmshorn wurde die Paul-Dohrmann-Schule 1920 als Hilfsschule gegründet. Heute nennt sie sich Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Lernen. Den Namen Paul-Dohrmann-Schule erhielt sie 1958. In den 1960er- und 1970er-Jahren herrschte in der Pädagogik ein großes Umdenken, berichten der Schulleiter der Paul-Dohrmann-Schule Volker Hintsch und seine Kollegin Bortz. Es habe sich ein eigenständiger Pädagogikstudiengang etabliert, der Kinder mit besonderem Förderbedarf in den Fokus setzte. „Mein Kind hat ein Recht auf Bildung“, sei eine Parole gewesen, die man von Eltern in den 1980er und 1990er Jahren oft gehört habe. Man wehrte sich dagegen, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht ausreichend unterstützt wurden. „Es haben sich durchaus nicht nur betroffene Eltern zu dem Thema zu Wort gemeldet. Viele haben sich solidarisch gezeigt“, sagt Hintsch. Kinder, die mehr Hilfe beim Lernen brauchten, sollten nun besser gefördert werden, diese Meinung setzte sich durch. In Elmshorn wurden die Kinder in ihren jeweiligen Problemfeldern besonders unterstützt. So gab es etwa Sprachheilklassen, Leseintensivkurse oder Langzeitklassen, bei denen der Unterrichtsstoff in geringerem Tempo gelehrt wurde.

 

In den 1990er-Jahren etablierte sich in Schleswig-Holstein das Recht der Eltern, die Schule ihrer Kinder frei wählen zu

Volker Hintsch

Volker Hintsch

dürfen. „In meiner Anfangszeit wurde diese Frage gar nicht gestellt“, sagt Bortz. Immer mehr Eltern entschieden damals, dass ihre Kinder eine Integrationsklasse besuchen sollen. Kinder mit Lernproblemen wurden hier zusammen mit Kindern ohne Einschränkungen unterrichtet. Dahinter steckt die Idee, dass Kinder mit Einschränkungen nicht separiert werden, sondern als normaler Teil der Gesellschaft verstanden werden sollten. In Elmshorn wurde in der Grundschule Klein Nordende-Lieth eine erste Integrationsklasse aufgebaut. Unterrichtet wurde hier auch von Lehrern der Paul-Dohrmann-Schule.

2009 unterzeichnete Schleswig-Holstein die UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte von Behinderten. Darin wurde das Ziel einer inklusiven Gesellschaft festgelegt. „Ich erinnere mich, wie ich das gehört habe und dachte: Das ist jetzt eine kleine Revolution“, sagt Bortz. Für die Paul-Dohrmann-Schule sollte sich danach einiges ändern.

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erstellt am 11.Apr.2016 | 13:00 Uhr

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