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Tamoil nach Hamburg : Eine finanzielle Katastrophe für Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mit dem Umzug des Ölkonzerns Tamoil verliert Elmshorn Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Der Bürgermeister fordert ein schnelles Gegensteuern.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Bürgermeister Volker Hatje fühlt sich zurückversetzt ins Jahr 2008, als der Mobilfunkriese Freenet bekannt gab, seinen Standort Elmshorn zu schließen. 650 Mitarbeiter verloren damals ihren Job. Der Stadtverwaltung schmerzte der Verlust von mehreren Millionen Euro Gewerbesteuern nachhaltig. Sechs Jahre später: Einer der größten Steuerzahler der Gemeinde wird Elmshorn den Rücken kehren. Der Mineralölkonzern Deutsche Tamoil zieht an eine prestigeträchtige Adresse an der Hamburger Alster. Mitarbeiter werden nicht entlassen, aber wieder einmal blutet die Stadtkasse – wieder sind Millionen futsch. Bürgermeister Hatje muss sparen und gleichzeitig auch investieren, um Elmshorn attraktiv zu machen für neue Firmen.

Es gelte nun schnell zu handeln und nicht zu warten, „bis wir weitere Firmen verlieren“, sagt Hatje. Der Wegzug des Unternehmens Tamoil sei eine finanzielle Katastrophe. „Ein Schlag ins Kontor“, fügt Wirtschaftsförderer Thomas Becken hinzu. Hatje wie auch Becken wollen „die Flinte nicht ins Korn werfen“. Doch ihnen ist bewusst, dass die Stadt Elmshorn einer Metropole wie der Hansestadt Hamburg mit Hafencity, Elbe und Alster nicht das Wasser reichen könne. Im Wettbewerb gegen die Hansestadt könne Elmshorn nicht bestehen, wenn es um die Frage der Adresse gehe. „Wir möchten unseren Mitarbeitern einen modernen Arbeitsplatz in einem attraktiven Umfeld mit sehr guter ÖPNV-Anbindung bieten und sind davon überzeugt, dass unser neuer Firmensitz im Herzen von Hamburg diese Voraussetzungen am besten erfüllt“, äußert sich der Geschäftsführer der Deutschen Tamoil GmbH, Carsten Pohl. An der Hamburger Außenalster habe Tamoil einen Standort gefunden, der maßgeschneidert zum Unternehmen passe, fügt Pohl hinzu.

„Wir sind halt eine Mittelstadt“, verzagt Bürgermeister Hatje angesichts der Entscheidung der Deutschen Tamoil. Stadt und Politik müssten nach vorne schauen, der Bereich der Wirtschaftsförderung besser aufgestellt und schnellstens mehr Gewerbeflächen entstehen.

Thema Gewerbeflächen: Elmshorn in diesem Bereich ein attraktives Angebot zu bescheinigen ist weit hergeholt. So hat die Stadt neben Tamoil zwei weitere Prestigeunternehmen an andere Gemeinden verloren. Dr. Peter Hartig zieht mit seinen erfolgreichen Algen-Produkten nach Kaltenkirchen und das weltweit führende Medizinunternehmen in der Endoskopie „endochoice“ hat Elmshorn Ende Juli mit 110 Mitarbeitern an Halstenbek abgegeben. Die Stadt verliert auf einen Schlag mehr als zehn Prozent ihrer Gewerbesteuereinnahmen. Fatal.

Die Alarmglocken klingeln im Rathaus. Elmshorn muss sparen. 24,7 Millionen Euro Gewerbesteuer sind im Haushalt 2014 angesetzt. Die Umsiedlung der Unternehmen werde im kommenden Haushalt 2015 zu deutlichen Einschnitten führen. „Es kommen einige Dinge auf den Prüfstand“, sagt Hatje. Wo genau der Rotstift angesetzt werde, wird sich in den zurzeit beginnenden Haushaltsberatungen zeigen. Den Verlust eines weiteren Großbetriebes kann sich Elmshorn nicht leisten. „Wir müssen jetzt Gas geben und uns für die Zukunft besser aufstellen“, so Wirtschaftsförderer Becken. Die Frage, nur wie?

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