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Konzerterlebnis in Elmshorn : Eine Explosion mit kleinen Schwächen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Concerto Elmshorn und Kirchenkreis-Orchesterprojekt überzeugen mit buntem Programm. Patzer bei „Fluch der Karibik“.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Die Elmshorner Thomaskirche wurde am Sonntagabend zum Piratenschiff umfunktioniert. Anlass war ein besonderes Konzertereignis. Unter der Leitung von Isolde Kittel-Zerer und Jürgen Groß boten das Concerto Elmshorn und Mitwirkende des Orchesterprojekts des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf ein interessantes Programm. So wurde unter anderem die bekannte Filmmusik „Pirates of the carribean“ aus dem Film „Fluch der Karibik“ gespielt.

Dieses imposante Orchesterwerk reihte sich zusammen mit Werken unter anderem von Vivali, Bach und Brahms in das bunt gestaltete Programm ein. Dieses war genauso vielfältig und bunt wie die zahlreich mitwirkenden Musiker. Von Jung bis Alt, vom Anfänger zum Profi, vom Klassikliebhaber zum Popfan. Ein jeder konnte wohl in dem vielfältigen Repertoire ein Lieblingsstück entdecken und spielen, und jeder Zuhörer konnte dabei zu andächtiger Barockmusik oder berauschender Filmmusik mitwippen. Zum Beispiel wie bei „Fluch der Karibik“: das ist Musik, die förmlich explodiert.

Aus jeder Ecke kocht und brodelt es, das Thema schwingt sich durch alle Stimmen, die Tempiwechsel sind alles andere als einfach und die Dynamik reißt einen buchstäblich von der Kirchenbank. Das ist einfach toll und das macht vor allem Spaß. Aber es ist nicht der Hochgenuss, der Zauber, den man in anderen Werken an diesem Abend findet. Denn neben allem Bums und Braus, verlieren sich hier und dort auch mal wieder ein paar Instrumente, da spielen die Streicher die Flöten gegen die Wand, das tiefe Blech zögert in den Solopassagen.

Präzision und Eleganz bei Vivaldi-Werk

Der Zauber, der liegt ganz woanders. Er liegt in den zarten Melodien des Concerto con quattro violini obligati in D-Dur von Antonio Vivaldi. Das ist ein Hochgenuss feinster ausgearbeiteter Musik. Da passt einfach alles. Wie sich die Soloviolinen die Sogetti hin-und herschieben, wie das Orchester die Sologruppe wieder ablöst, alles interpretiert mit einer Präzision und Eleganz, die bei einem derartig anspruchsvollen Werk keinesfalls selbstverständlich ist.

Oft fragen sich doch manche Elmshorner, warum sie für gute Konzerte in Elmshorn bleiben sollen und nicht einfach nach Hamburg in die Laeiszhalle fahren können. Das Concerto Elmshorn hat am Sonntagabend die Antwort darauf gegeben: Einen so wundervoll, zart und präzise gespielten Vivaldi oder die ebenfalls hervorragend dargebotene Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ mit den Solisten Hanna Zumsande und Hans-Jörg Packeiser, hört man nicht alle Tage und vor allem nicht auf dem hohen Niveau. Und wenn man dann in der Thomaskirche in den Genuss kommt, dem Concerto Elmshorn dabei zuzuhören, dann zucken wahrlich alle Fingerspitzen und das Ohr kann sich gar nicht satt hören an diesen perlenden Melodien, an dieser wunderschönen Musik.

Mit großer musikalischer Exzellenz und viel intensiver und konzentrierter Arbeit, ein so umfangreiches und vielfältiges Programm auszuarbeiten und darzubieten, verlangte dem Concerto Elmshorn und den Mitwirkenden des Orchesterprojekts des Kirchenkreises viel ab. Aber an diesem Sonntagabend ließen sie wohl jeden Zuhörer in eine eigene musikalische Welt eintauchen – egal ob Jung oder Alt, Musikkenner oder Laie, Spontanbesucher oder treuer Fan, egal ob Filmmusikhörer oder Barockliebhaber.

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