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Elmshorner Nachrichten

22. November 2017 | 04:55 Uhr

Eine Eselsbrücke für Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Projekt Eine ganze Herde lebensgroßer Langohren aus Fiberglas hat die Wirtschaftsgemeinschaft „Grauer Esel“ in die Stadt geholt

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Freundlich blickt Emil in die Welt hinaus. Das Maul ist wie zu einem Lächeln leicht geöffnet, die langen Ohren hat er zurückgelegt. Von seinem provisorischen Stall im Sitzungszimmer des Bauzentrums Lüchau aus hat der Esel aus Fiberglas einen guten Blick auf seinen Zwillingsbruder auf der anderen Seite des Raums. Sechs Schüler wuseln mit Lack und Pinsel um diesen herum, malen hier ein Mosaik-Feld am rechten Vorderbein aus, zeichnen da eine rote Dachschindel auf seinen Rücken. So bunt wäre Emil auch gerne mal.

Die Chancen stehen gut für Emil – ebenso wie für die anderen 15 Esel, die die Wirtschaftsgemeinschaft Grauer Esel im Auftrag ihrer Mitglieder nach Elmshorn geholt hat. Unter der Überschrift „Der graue Esel soll bunt werden“ plant der Vorsitzende Ralf Götzenberger (Modern Music School) mit seinen Vereinskollegen ein Skulpturenprojekt, das der ganzen Krückaustadt zugute kommen soll. Das Gewerbegebiet Süd wollen sie zum Eselpark machen, ab Juni will sich jedes der teilnehmenden Unternehmen mit einem eigenen, individuell bemalten Vierbeiner schmücken. Einige werden direkt vor der eigenen Haustür platziert, für andere Esel wird noch eine Weide gesucht. Zum Beispiel für den Esel der Wirtschaftsgemeinschaft – oder auch für Emil, den Esel der Elmshorner Nachrichten.

„Als Unternehmer verzichten wir gänzlich auf Werbung. Es wird keine Firmen-Logos auf den Eseln geben“, erklärt Götzenberger das Projekt. „Sie sollen Kunst sein, die der ganzen Stadt zugute kommt. So ein Esel ist schließlich ein echter Sympathieträger.“

Dafür, dass die Esel auch wirklich bunt werden – und nicht ihre eintönig weiße Farbe behalten – sorgen verschiedene Künstler, aber auch Schulklassen und Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen. Ralf Götzenberger plant einen Wettbewerb unter seinen Musikschülern – einzige Vorgabe: „Der Esel soll als Star dargestellt werden“ und die VGR hat einen Grafittikünstler engagiert. Emil und sein Zwillingsbruder, das Langohr des Bauzentrums Lüchau, werden von Abiturienten der EBS bemalt.

„Für uns ist das eine Ehre“, sagt Lehrer Dieter Staack. „Das passiert nicht häufig, dass Schüler die Gelegenheit haben, Kunst für den öffentlichen Raum zu gestalten.“ Die 19-jährigen Schüler Michael Eckert und Daria Zaiets beugen sich schon konzentriert über die Skizzen für den Lüchau-Esel. Die Baumaterialien, mit denen das Unternehmen handelt, sollen sich später auf der Skulptur wiederfinden. Ein Bein bekommt eine Holz-Maserung, ein anderes gestalten die Schüler als buntes Mosaik. Der Rücken soll einen Blick in das Büro eines Bauzentrums-Leiters gewähren.

„Uns macht diese Aufgabe hier viel Spaß“, erzählt Michael Eckert. „Das ist eine tolle Abwechslung. So etwas macht man ja nicht alle Tage. Und wir können uns kreativ richtig ausleben.“ Für Emil hat er auch schon eine Idee – „vielleicht bemalen wir ihn mit Origami-Vögeln, gefaltet aus Zeitungspapier“, verrät er. Das sei aber nur ein Konzept von mehreren – es bleibt also spannend.

Die Idee mit den Eseln kam von Manuela Kase vom Stadtmarketing, um das „graue Image des grauen Esels aufzupolieren“, wie es Ralf Götzenberger ausdrückt. Die Künstlerin Sylvia Wiedemann aus Lindau am Bodensee hat sich an der Esel-Bronzeskulptur orientiert, die bereits im Gewerbegebiet steht. „Es war uns aber wichtig, dass unser Esel nicht wütend brüllt, sondern freundlich ist. Wir wollten ein Tier zum Liebhaben“, sagt Götzenberger. Die Mitglieder der Wirtschaftsgemeinschaft hätten sich nicht lange bitten lassen. Auch Matthias Kurowitsch vom Bauzentrum Lüchau fiel die Entscheidung leicht: „Das ist einfach eine witzige Idee.“

Sogenannte Tierparaden sind in Deutschland weit verbreitet: Berlin hat seine Bären, München seine Löwen – und Elmshorn jetzt eben die Esel. Denn eigentlich wollen Ralf Götzenberger und seine Kollegen von der Wirtschaftsgemeinschaft eine „Eselsbrücke“ in die Innenstadt bauen. „Im zweiten Schritt kann jeder einen Esel haben, der einen haben möchte – egal ob Geschäftsleute oder Privatmenschen“, erklärt er. „Einzige Voraussetzung ist, dass die Tiere in Elmshorn und Umgebung bleiben.“

Emil kann also beruhigt sein – auch er wird bald stolz ein buntes Fell tragen und zusammen mit seinen 15 Geschwistern dem grauen Esel ein paar bunte Farbtupfer verleihen. Und wenn es nach Ralf Götzenberger geht, wird Emil auch immer wieder mal Gesellschaft haben – denn der Esel soll den Elmshornern ans Herz wachsen. Und wer weiß – vielleicht strickt ihm ja sogar mal jemand einen warmen Schal für den Winter.

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