Mit Video : Ein zweites Leben für Weinfässer in Bokholt-Hanredder

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Florian Wieberneit baut in Bokholt-Hanredder Möbel aus alten Weinfässern. Der 22-jährige Tischler hat sich mit seiner Firma „Urmodern“ selbstständig gemacht.

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15. Februar 2018, 12:00 Uhr

In der Produktionshalle von Florian Wieberneit duftet es nach Holz. An der Wand stapeln sich alte Weinfässer in Regalen, davor stehen einige fertige Produkte: Weinfässer mit integrierten Weinregalen, Weinfässer als Stehtische, Stühle und Pflanzenkübel. Früher lagerten in den Eichenfässern mal edle Tropfen in den Kellern altehrwürdiger Weingüter in Südfrankreich und Spanien. Florian Wieberneit schenkt ihnen ein zweites Leben als Möbelstück.

Der gelernte Tischler ist erst 22 Jahre alt. Trotzdem hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und führt seit zwei Jahren seine eigene Firma unter dem Namen „Urmodern“. In einer Produktions- und Lagerhalle im Gewerbegebiet Offenau in Bokholt-Hanredder baut Florian Wieberneit zusammen mit seinem alten Schulfreund Thore Ingwersen die Fässer nach eigenem Design. „Im Urlaub habe ich vor fünf Jahren zum ersten Mal ein Weinfass als Stehtisch gesehen“, erzählt der Jungunternehmer. „Damals gab es so etwas noch nicht auf jedem Weihnachtsmarkt. Ich fand die Idee witzig und habe mein erstes Fass Zuhause nachgebaut.“

Zwei Jahre lang entwickelte und baute der gelernte Tischler die Weinfass-Möbel in seiner Freizeit neben der Schule – bis er das Projekt dann endlich auf eigene Füße stellte. Denn die Weinfass-Möbel kamen gut an: „Die Leute mögen den Gedanken, dass in den Fässern tatsächlich Rotwein gelagert hat“, sagt Wieberneit. „Diese Fässer haben Geschichte und Charakter – und das sieht man auch.“ Vintage und Upcycling sind voll im Trend. Mittlerweile verkauft die Firma Urmodern 400 bis 500 Weinfässer pro Jahr – egal ob „pur“ oder zum Möbelstück umgebaut. Am besten verkauft sich ein zum Weinregal umgebautes Weinfass mit Platz für neun Flaschen.

Die Weinfässer bezieht Florian Wieberneit von einem Fassmacher, einem sogenannten Küfer, aus der Nähe von Frankfurt. Nach sechs bis acht Jahren geben die Eichenfässer ihren typischen Holzgeschmack nicht mehr an den in ihnen lagernden Rotwein ab. Dann kauft der Winzer neue Fässer für seinen guten Barrique-Wein und die alten Fässer werden beim Küfer in Zahlung gegeben. 800 bis 900 Euro kostet ein neues Fass, für 150 Euro verkauft Wieberneit die alten Fässer weiter an seine Kunden. Immer mehr wünschen sich von ihm aber die selbst entwickelten Möbel, wie Wieberneit und sein Kollege Thore Ingwersen sie auf den Messen in ganz Norddeutschland vorstellen. Die meisten Produkte bauen die beiden Tischler nach Kundenwunsch – im Zweifel wird dann ein rundes Fass auch mal so umgebaut, dass es perfekt in eine Ecke passt. Die Meisten suchen sich ihr Fass auch selbst im Lager in Bokholt-Hanredder aus. Schließlich ist kein Fass wie das andere.

In ein Weinfass ein Fach und Regalböden einzubauen ist komplizierter als es klingt. Das Problem sind vor allem die Metallringe, denn wenn diese aufgeschnitten werden, „zerfällt das ganze Fass in ein riesiges 3-D-Puzzle“, wie Wieberneit sagt. Jedes Brett, eine sogenannte Daube, ist unterschiedlich und genau an ihren Platz angepasst. Damit also nicht alles zusammenfällt, muss Wieberneit das fragile System mit Klemmen, Zwingen und Schrauben fixieren. Und die Ringe müssen später wieder so angesetzt werden wie vorher, damit der Flugrost, der sich während der Lagerung gebildet hat, später nicht zu sehen ist. Wie das alles geht, hat Wieberneit durch stundenlanges Experimentieren und Ausprobieren herausgefunden. Die meisten Arbeiten gehen ihm inzwischen schnell von der Hand, einen Barschrank baut er in drei Stunden. Deutlich aufwändiger ist ein Esstisch aus Dauben. Jedes Stück Holz muss einzeln gepresst, geschleift und zusammengefügt werden. „Das dauert sicherlich 20 Stunden“, sagt der junge Tischler.

In Elmshorn hat er sich übrigens schon verewigt: Seine Stehtisch-Weinfässer stehen seit drei Jahren als originelle Stehtische auf dem Weihnachtsmarkt.

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