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Elmshorner Nachrichten

23. September 2017 | 02:31 Uhr

„Ein Verlust für seine Heimat“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Trauerfeier Etwa 500 Gäste bei Gottesdienst für Hans Heinrich Driftmann / Ministerpräsident Torsten Albig hält Trauerrede

Wenn jemand gestorben ist, werden die Menschen zu Erzählern. Dann erinnert man sich an die vielen Ereignisse, an große und kleine Taten, die einen Menschen, der nun fehlen wird, so besonders gemacht haben. Davon erzählt auch die Bibelstelle aus Lukas 24, die der Theologe Stefan Geiser zu Beginn der Trauerfeier gewählt hat. Jünger beklagen darin den Tod von Jesus Christus. „Und sie redeten miteinander von all diesen Geschichten“, heißt es dort. Geschichten sind es auch, die bei der Trauerfeier in der Nikolaikirche erzählt werden. Von Ereignissen, den großen und kleinen Taten der Elmshorner Unternehmergröße Hans Heinrich Driftmann.

Zur Trauerfeier waren rund 500 Gäste gekommen, darunter hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Die erste Trauerrede hielt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig. „Sein Tod ist ein großer Verlust für das Land Schleswig-Holstein, ein großer Verlust für seine Heimat.“ Albig stellte Driftmann als Mann mit klarer Haltung vor, der sich so manches Mal auch mahnend zu Wort meldete. „Die Wahrheit ist, nicht immer haben wir auf ihn gehört“, sagte der Politiker und erzählte von einer Situation, als Driftmann ihm widersprach. „Da sagte er sinngemäß: ‚Herr Albig, ich verstehe ihre Motive. Aber das, was Sie vorhaben, ist völlig falsch!‘ Er hielt das für kompletten Unsinn.“ Menschen mit klaren Kompass seien selten, so Albig. „Es ist viel leichter, seine Fahne in den Wind zu halten.“

Auch Uli Wachholtz, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein, ging auf die Haltung des Verstorbenen ein. „Er war ein großer Stratege, weniger ein Taktiker“, so Wachholtz, der an Driftmanns Karriere beim Militär erinnerte und ihn einen „edlen Kameraden“ nannte.

Eine andere Facette von Driftmanns Persönlichkeit zeigte Hubertus Graf von Luckner, Kommandator der Schleswig-Holsteiner Genossenschaft des Johanniterordens, auf. Religiöser Glaube und Einsatz für andere, habe sein Engagement bei den Johannitern gezeigt.

Der Trauergottesdienst war geprägt von den vielen unterschiedlichen Aufgaben, Positionen und Ehrenämtern, die Driftmann während seines Lebens bekleidet hatte. Sichtbares Zeichen seines Verdienstes sei auch ein nach ihm benannter Hörsaal in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, von dem der ehemalige Universitätspräsident Gerhard Fouquet berichtete. Musikalisch begleiteten der Landesjugendchor und Konstanze Kuß an der Harfe die Trauerfeier. Beide mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach. An der Orgel saß Kristian Schneider. Auch der Dudelsackspieler Jürgen Turkowski trat auf, was einige Gäste zunächst irritierte.

Auf den Privatmensch Driftmann ging der letzte Redner der Trauerfeier ein. Christian von Boetticher, Geschäftsführer von Peter Kölln und damit Driftmanns Nachfolger bei dem Müslihersteller, erzählte vom Kennenlernen des Ehepaars Driftmann. Bei einer Tanzveranstaltung während seiner Militärzeit hatten die beiden sich kennengelernt. „Erst auf der Rückfahrt haben seine Kameraden ihm erzählt, aus welcher Elmshorner Familie Du stammst, Gesche. Er wusste das gar nicht.“ Von Boettichers Rede war ergreifend. „In den letzten Jahren ist er wie ein Vater für mich geworden“, erzählte der Redner. Seine Stimme schwächelte und einen kurzen Moment musste er sich sammeln. Dann erzählte er von gemeinsamen Urlauben und davon, was der so plötzlich Verstorbene noch alles geplant hatte. „Mit mir wollte er nach Schottland“, sagte von Boetticher und erklärte, dass deshalb ein Dudelsackspieler bei dem Gottesdienst spielte. Erneut zitterte seine Stimme, als von Boetticher seine Rede abschloss: „Ich werde nach Schottland fahren, lieber Hans. Und bei jedem Whisky, den ich trinke, wirst du da sein. In meinem Herzen.“

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