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Weiße Villa in Elmshorn : Ein Schmuckstück wird aufpoliert

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Stiftungsrat beschließt die Modernisierung der Weißen Villa für 836.000 Euro. Mansardendach und Gauben sollen erhalten bleiben.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Überaus lebhaft ging es während der Sondersitzung des Stiftungsrates der Stadt Elmshorn zum Thema Weiße Villa am Donnerstagabend zu. Gut 75 Minuten drehte sich im Kollegiumssaal des Rathauses alles um die geplante Modernisierung des architektonischen Schmuckstücks der Krückaustadt in der Schulstraße 36. Das 1895 erbaute Gebäude, das vielfach von der Stadt zu Repräsentationszwecken genutzt wird und unter anderem das Standesamt und Stadtarchiv beherbergt, weist in diversen Bereichen großen Sanierungsbedarf auf, was bereits seit einigen Jahren bekannt ist.

Der Stiftungsrat hatte in seiner Sitzung am 12. Dezember 2013 der Beauftragung eines Sanierungsgutachtens zugestimmt und am 9. Juli 2015 einen entsprechenden Projektbeschluss zur Sanierung des historischen Kulturdenkmals gefasst mit der Maßgabe, diese möglichst in einem Bauabschnitt durchzuführen. Geplanter Baubeginn: Frühjahr 2016.

Am Donnerstag ging es nun eigentlich nur noch darum, den entsprechenden Beschluss zu fassen, damit das Lübecker Architektenbüro Riemann zeitnah mit der Sanierung starten kann. Doch es gab offensichtlich noch viel Gesprächsbedarf – sowohl hinsichtlich einiger Details des Gutachtens als auch im Hinblick auf die Finanzierung der Maßnahme. Nachdem Architekt Helmut Riemann noch einige Anmerkungen zu dem Sanierungskonzept gegeben hatte, meldete sich Stiftungsrat-Mitglied Andreas Hahn (CDU) zu Wort und skizzierte einen „Entscheidungsnotstand“. Er unterstrich, dass man hinsichtlich der Punkte „denkmalgetreue Modernisierung“, „Barrierefreier Zugang“ und „Energieversorgung“ das Thema noch mehr in den Fokus nehmen müsste. Es sei darüber hinaus auch nahezu „skurril“, über die durchaus erforderliche Sanierung eines Gebäudes zu debattieren, wo noch gar nicht feststehe, wie es in Zukunft genutzt werden soll. Eigentlich müsste man dieses Thema im Zusammenhang mit dem Projekt Rathausneubau klären.

Architekt für Abriss der Gauben

In der Folgezeit wurde dann unter anderem die Frage diskutiert, ob bauliche Modifizierungen, die lange nach der Errichtung des Gebäudes entstanden, entfernt werden sollten. Das beträfe die Gauben des Hauses beziehungsweise ein Mansardendach auf der Rückseite. Architekt Riemann betonte, dass diese Eingriffe in den 1960er-Jahren „nicht sehr sensibel“ gewesen seien und plädierte für eine Entfernung. Auch stemmte er sich gegen die Anbringung einer größeren Rampe für mehr Barrierefreiheit auf der Vorderseite des Hauses, weil dort gerade die Terrasse mit ihren Treppen eine optisch sehr schöne architektonische Kostbarkeit sei. Er schlug die Anbringung einer Hub-Bühne an der Rückseite des Gebäudes vor, die allerdings nur den Zugang zum Erdgeschoss für behinderte Menschen ermögliche.

Schnell wurde deutlich, dass das gemeinsame Ziel, die Sanierung der „Weißen Villa“ nur möglich sein kann, wenn Abstriche an den unterschiedlich gelagerten Vorstellungen gemacht würden. Stiftungsratsmitglied Ulli Lenk (SPD) bat daher sogar um eine zehnminütige Sitzungsunterbrechung zwecks Beratung, der im Anschluss noch einige Meinungsäußerungen folgten, die die Sachlage auf den Punkt brachten. Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) erklärte in puncto „Barrierefreiheit“, dass man nicht vergessen dürfe, dass die „Weiße Villa“ ein historisches Gebäude sei, wo man in dieser Hinsicht eine „halbe Lösung“ („Hub-Bühne im Erdgeschoss) akzeptieren sollte. Immo Neufeldt (CDU) plädierte dafür, bauliche Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte komplett zu akzeptieren und daher die Gauben zu erhalten. Das Antlitz der Vorderfront sei für ihn entscheidend.

Das Gremium fasste daraufhin einstimmig den Beschluss, das Büro Riemann mit der Sanierung zu beauftragen. Allerdings sollen die Gauben und das Mansardendach erhalten bleiben. Die Frage nach der bestmöglichen Lösung für die Barrierefreiheit soll geprüft und weitere Finanzierungsaspekte – beispielsweise über die KfW-Bank – ausgelotet werden. Die gesamte Modernisierung soll nach den jetzigen Planungen etwa 836.000 Euro kosten. Aus dem Eigenkapital der Stiftung können 100.000 Euro eingebracht werden. Die Kreditaufnahme der Stadt soll somit auf maximal 736.000 Euro beschränkt werden.

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