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„Elmshorn liest“ : Ein Schiff und seine (Welt)Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Es gibt ein vier Tage andauerndes Programm in Veranstaltungszentren, Kirchen und Museen.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 16:15 Uhr

Elmshorn | Eine Stadt beschäftigt sich mit Literatur: Das ist der Grundgedanke der hinter der Reihe „Elmshorn liest“ steckt. Die Sache funktioniert, in den vergangenen Jahren hatte das Kultur-Festival viele Freunde. 2014 gibt es „Elmshorn liest“ zum fünften Mal und zwar vom 29. Oktober bis 1. November. Im Mittelpunkt steht der Roman „Eine Frage der Zeit“ des schweizer Autoren Alex Capus. Das Beste: Der gefragte Schriftsteller kommt am 1. November zu einer Lesung nach Elmshorn.

„Wir sind froh mit Alex Capus einen so bekannten Autor bei uns zu haben“, sagt Peter Köhnke vom Kulturamt“. Er gehört zum Organisationsteam der Kulturtage. Mit dabei sind neben der Stadt die Bücherei, die Buchhandlung Heymann, der Kunstverein, der Börsenverein des Buchhandels und die Elmshorner Nachrichten. Sponsor ist die Sparkasse Elmshorn.

Zu dem Buch von Alex Capus wird es an verschieden Orten in der Stadt Veranstaltungen geben: Lesungen, literarisch-kulinarische Abende, Konzerte, Filmvorführungen und Ausstellungen. Die Flyer mit den Programmen liegen seit dieser Woche in vielen öffentlichen Einrichtungen, In Buchhandlungen und Vorverkaufszentren aus. Informationen im Internet unter der Adresse www.elmshorn-liest.de

Für seinen viel gelobten Roman „Eine Frage der Zeit“ (2009), der im Mittelpunkt der Reihe „Elmshorn liest“ steht, hat der Schweizer Alex Capus ein Thema gewählt, bei dem der Norden Deutschlands eine entscheidende Rolle spielt.

Die Story: Kaiser Wilhelm II. beauftragt 1913 drei norddeutsche Werftarbeiter ein Dampfschiff – die „Graf Goetzen“ – zu zerlegen und am Tanganjikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Wilhelm will seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika.

Dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Nachbarn werden zu Feinden und Gegner zu Freunden. Keiner will, aber jeder muss vor der Kulisse des tropischen Sees Krieg führen. Und jeder versucht, in einer aus den Fugen geratenen Welt, davon zu kommen.

In Alex Capus’ Buch spielt der Dampfer „Graf Goetzen“ eine besondere Rolle. Das Schiff wurde auf der Meyer Werft in Papenburg gebaut. Dorthin führt am 26. Oktober – noch vor dem offiziellen Programm – die „Elmshorn liest“ – Busausfahrt. Die Reisegruppe aus Elmshorn folgt den Spuren des legendären Schiffs. Der Ausflug ist längst ausverkauft.

Die „Goetzen“, die heute noch als „Liemba“ auf dem Tanganjikasee verkehrt, erlangte auch Berühmtheit durch den Hollywoodklassiker „African Queen“ mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn. Der Film ist als Auftakt zu „Elmshorn liest“ am 29. Oktober im Kranhaus zu sehen. Dann gibt Bürgermeister Volker Hatje als Schirmherr den Startschuss für die Veranstaltungsreihe.

Beliebte Programmpunkte der Lesetage in Elmshorn sind die beiden literarischen Abendessen, diesmal in der Kantine (30. Oktober) an der Lornsenstraße und in der Margarethenklause an der Margarethenstraße (31. Oktober). Mitglieder des literarischen Quartetts der Elmshorner Nachrichten stellen Bücher zum Themenschwerpunkt Erster Weltkrieg vor. Dazu gib es diesmal Kulinarisches aus Afrika. Voranmeldungen in den Lokalen sind ratsam, die Plätze sind erfahrungsgemäß rasch belegt.

Ein spezielles Angebot ist diesmal die Kooperation mit dem Thalia-Theater in Hamburg. „Elmshorn-liest“-Besucher haben die Möglichkeit am 30. Oktober das Programm „Front – Im Westen nichts Neues“ zu erleben. Das Stück schlägt thematisch einen Bogen zum Buch „Eine Frage der Zeit“. Karten gibt es bis 8. Oktober im Kulturamt (siehe links).

Ein Kernpunkt des Programms sind die Lesungen aus dem Roman (31. Oktober). Im Roten Pavillon lesen Silke Cords, Holger Niemann und Matthias Wichmann und in der Stiftskirche Helmut Heyen. In der Kirche gibt es auch eine fantasievolle Raumgestaltung und Musik von der Schlagwerk-Gruppe „Gruufbaxx“ (Djembés, Cajones).

Abschluss und Höhepunkt der Lesetage ist der Besuch des Autors Alex Capus am 1. November. Im Foyer der Sparkasse an der Königstraße liest er aus seinem Roman. „Eine Frage der Zeit“ und spricht mit Moderator Knuth Penaranda (EN) über seine Arbeit. Dazu gibt es Musik mit Matthias Wichmann und jungen Musikern der Bismarckschule. Dazu zeigt das Stadtarchiv historische Bilder über die Elmshorner Kremer-Werft.

„Wir sind bereit, jetzt hoffen wir auf viele Besucher. Das attraktive Programm bietet für jeden Gechmack das Richtige“, sagt Peter Köhnke vom Kulturamt.

Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 veröffentlichte Alex Capus seinen ersten Erzählband ("Diese verfluchte Schwerkraft"), dem seitdem neun weitere Bücher mit Kurzgeschichten, historischen Reportagen und Romane folgten. Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise. Daneben hat Capus auch als kongenialer Übersetzer von Romanen des US-amerikanischen Autors John Fante gewirkt. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten/Schweiz. Bei Hanser erschienen  unter anderem die Romane „Léon und Louise“ (2011), „Fast ein bisschen Frühling (2012) und „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013)“. Capus wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
In seinem Roman schildert der Autor eine groteske Episode aus dem Ersten Weltkrieg. Die deutsche Marine lässt in Papenburg einen für die Kolonie Deutsch-Ostafrika bestimmten Dampfer bauen. Für den Transport wird die „Goetzen“ gleich nach der Schiffstaufe zerlegt und in 5000 Kisten verpackt. Drei Männer transportieren für Kaiser Wilhelm das Dampfschiff nach Afrika, um es am Tanganjikasee wieder zusammenzubauen. Zu Beginn der Odysee sind die drei norddeutschen Werftarbeiter fasziniert vom kolonialen Charme Deutsch-Ostafrikas, aber dann bricht der Erste Weltkrieg aus...
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