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Ingo Appelt in Elmshorn : Ein Pimmel macht noch keine Pointe

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Unsere Autorin hat die Show von Ingo Appelt besucht. Danach hat sie ehrliche Worte gefunden.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2017 | 10:44 Uhr

Elmshorn | Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende lang galt der rüde, grobe, abgestumpfte Mann als Archetyp der Männlichkeit überhaupt. Dabei haben Männer auch Gefühle. Etwa das Gefühl, wenn nach dem Begattungsvorgang das Ejakulat Richtung Hintern läuft, dort antrocknet und übel anfängt zu jucken. Eine lustige Situation? Vielleicht. Zumindest können sich die über 400 Zuschauer im ausverkauften Stadttheater vor Lachen kaum einkriegen, als der Kabarettist Ingo Appelt über diese Unannehmlichkeit amouröser Verrichtungen klagt. Sperma, Pimmel, Geschlechtsaktverwirrungen – das sind die vorherrschenden Themen bei der Show, mit der Appelt unter dem Namen „Besser ... ist Besser!“ seit 2015 unterwegs ist. „Wir sind Dienstleister“, ist darin Appelts viel wiederholter Leitspruch. Gemeint sind die Männer, die es Frauen mit allen Kräften recht machen müssen. „Frauen wollen einen Macho und ein Weichei. Eine gute Mischung. Ein Matsch-Ei.“ Appelt haut damit in die gleiche Kerbe, die ganze  Heerscharen von Kabarettisten nach Mario Bath gleichermaßen beackern. Witzig ist das nur, wenn man die vergangenen 15 Jahre keinen Fernseher eingeschaltet hat. Deshalb legt Appelt eine Schippe drauf und greift an beim anzüglich Zotigem – beim Schulhofhumor, der unter Fünftklässlern sicher gut ankommt. Er hat Schwanz gesagt. Hihi.

Merkels Raute wird zur Bundesmuschi und Jogi Löw zum Homosexuellen, der sich beim Sprechen das Sperma aus den Zähnen zieht. Appelt witzelt grob. Dabei kann er auch anders. Spitzer, kritischer, mit weniger Pimmelgaudi. Etwa wenn er die unverhältnismäßigen Körperformen in der Modeindustrie anspricht. „Wer hungern will, soll nach Äthiopien ziehen“, wettert der Künstler und schlägt vor, dass man die leeren Boote der Flüchtlinge doch mit den hungernden Models auffüllen und wieder gen Afrika schicken könnte. „So haben die Schlepper auch keine Leerfahrt.“

Auch den schwierigen Umgang mit Menschen unterschiedlicher Kulturkreise thematisiert Appelt. „Hör zu, Frauen anzünden ist in Deutschland nicht so schön. Dann kommt ein Katholik vorbei und fragt, wieso denn nicht?“ Auch wird Appelt gelegentlich weihevoll und prangert, ganz ohne Witz, an, dass Kirchenvertreter einst die Homoehe als Niederlage für die Menschheit bezeichnet haben.

Mit solchen Texten beweist Appelt, das er die vielleicht beste Form des Kabaretts beherrscht.  Kritisch sein, Missverhältnisse aufzeigen, das Lachen im Halse steckenbleiben lassen, den Finger in die Wunde legen. Leider krault sich Appelt, metaphorisch gesehen, mit den Fingern lieber die Eier und setzt auf plumpen, wenig durchdachten, pubertären Humor. Ach, und die Reporterin hat Ejakulat geschrieben. Hihi.

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