Ernst-Gerhardt Scholz : Ein Leben mit der Kamera

November 1969: Der Fotograf der Elmshorner Nachrichten, Ernst-Gerhardt Scholz, in der Redaktion seiner Heimatzeitung.
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November 1969: Der Fotograf der Elmshorner Nachrichten, Ernst-Gerhardt Scholz, in der Redaktion seiner Heimatzeitung.

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30. Januar 2015, 09:53 Uhr

Elmshorn | Es nützt nichts: Die Lambretta muss weg! Ernst-Gerhardt Scholz hat Feuer gefangen, aber kein Geld. Er verkauft seinen Motorroller, den Stolz eines jeden jungen Mannes während der wilden 1960er-Jahre, steckt das Geld ein und fährt nach Hamburg. Mit einer gebrauchten Leica M3 für 750 Mark kehrt er in seine Heimatstadt Elmshorn zurück, um in seinem Leben einen neuen Weg einzuschlagen. Der gelernte Kaufmann will Fotograf werden – und er wird es.

Heute, ein gutes halbes Jahrhundert später, ist Ernst-Gerhardt Scholz noch immer mit der Kamera unterwegs. Er macht sich beständig ein neues Bild von seiner Stadt und der Welt, von Bekannten und Fremden. „Über den Daumen 100.000 Negative“, so schätzt der Elmshorner selbst, habe er in den vergangenen Jahrzehnten belichtet. Heute nimmt er statt der Leica und Schwarzweiß-Filmen seine digitale Spiegelreflexkamera zur Hand, hat aber auch  immer und überall eine flache, leichtere Ausführung – seine „Fitschelkamera“ – dabei. Scholz weiß nur zu gut: Es zählt der Augenblick.

Am 30. November 1936 wird Scholz in Elmshorn geboren und wächst gemeinsam mit seiner Schwester Dorle in der Königstraße auf. Hier, genauer im Haus Nummer 3, betreibt sein Vater Gerhard Scholz in dritter Generation eine Gastwirtschaft, die heute ein Irischer Pub ist. Der Junge, benannt nach seinem Urgroßvater Ernst Gerhardt, kommt Mitten im Zweiten Weltkrieg zur Blauen Schule und absolviert nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre in Hamburg. „Das hat mich aber letztlich nicht befriedigt“, erinnert sich Scholz. Und er steht damals mit dieser Auffassung nicht allein da: Auch sein Freund Dierk Wulf ist schnell des Kaufmannsseins müde.

Scholz und Wulf machen sich gemeinsam auf, um neue Ufer zu entdecken. Sie bieten ihrer Heimatzeitung, den Elmshorner Nachrichten, Reportagen an. Wulf schreibt, Scholz fotografiert. Mit nachhaltigem Erfolg. Wulf, der spätere Redaktionsleiter der Elmshorner Tageszeitung,  kann ein Volontariat antreten und Scholz wird Anfang 1964 der erste festangestellte Fotograf in der Geschichte des 1851 gegründeten Lokalblatts.

Fortan ist Scholz der Mann mit der Kamera in Elmshorn und Umgebung. Er kauft sich bei Foto-Kraft in der Marktstraße eine modernere Leica M2 mit einem 35-Millimeter-Objektiv; später kommen ein größeres Weitwinkel (21 Millimeter Brennweite) und Teleobjektive hinzu. 80 Prozent aller Aufnahmen, die in diesem Buch zu sehen sind, hat er mit dieser Kamera gemacht.

Von Anfang an entwickelt der junge Mann seine Filme selbst, stellt zudem die Positivabzüge her und fertigt die Druckvorlagen an. Nach ein paar Jahren bei den Elmshorner Nachrichten verfasst der Fotograf auch zunehmend die Berichte zu seinen Bildern selbst. Deshalb kann der Vater zweier Söhne die Elmshorner Nachrichten verlassen, nachdem im April 1971 Axel Springer die Zeitung von der Verlegerfamilie Koch übernommen hat. Scholz wird Redakteur bei der Hamburger Morgenpost, fängt dann – nach deren Besitzerwechsel im Jahre 1980 – beim Hamburger Abendblatt an. Dort ist der Elmshorner bis zu seiner Pensionierung Anfang 2002 unter anderem für die Berichterstattung aus dem Rathaus der Hansestadt verantwortlich.

Auch als Redakteur und in seiner Freizeit hat Scholz die ganzen Jahre lang weiter  fotografiert. Daran hat der Ruhestand nichts geändert. Im Gegenteil: Zahlreiche Reportagen und Serien, sowohl mit historischen als auch mit aktuellen Scholz-Fotos, sind seitdem in den Elmshorner Nachrichten erschienen. Unter anderem eine große Stadtteil-Serie im Jahre 2008 und eine umfangreiche Dokumentation über die Krückau 2011. Zudem fasziniert  Scholz 2010 die Betrachter  mit einer Ausstellung seiner Bilder in der Sparkasse Elmshorn.

Und sein erstes Buch? Das hat der Fotograf Scholz bereits 1972 vorgelegt. Es heißt „Zum Beispiel Elmshorn – Eine ganz normale Stadt“ und ist – wen wundert’s? – bereits seit Jahrzehnten vergriffen. Nach zwei Beiträgen zur Elmshorner Geschichte, gefertigt in Zusammenarbeit mit seinem Freund Hinrich Köhncke, sowie vielen Fotos und Artikeln in anderen Folgen dieser Reihe, hat Scholz jetzt seinen eigenen Bildband beigetragen: „Leben in Schwarzweiß – Eine Stadt und ihre Menschen in den Sechzigern“ beleuchtet mit etwa 250 seiner Zeitungsbilder Elmshorn und Umgebung vor einem halben Jahrhundert – eine fesselnde Bildergalerie in Grautönen. Des Sehens wert und wunderbar bunt.

Dieser Text ist dem 26. Band der Beiträge zur Elmshorner Geschichte entnommen.
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