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Elmshorner Nachrichten

22. August 2017 | 01:53 Uhr

Badepark Elmshorn : Ein „herber Verlust“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Kiosk Seepferdchen schließt am Sonntag für immer: Ein Nachfolgelösung ist noch nicht in Sicht. Auch Automaten sind im Gespräch.

Ach, wie war das doch schön damals – Feierabend, Schulfrei, Ferien und ab ins Hallen- oder im Sommer ab ins Freibad. Schwimmen, tauchen, Pommes essen. Nirgends gab es so leckere Pommes wie im Schwimmbad. Gab? Ja. Die kleine Belohnung nach dem anstrengenden Vergnügen ist Geschichte. Denn: Der Schwimmbad-Kiosk „Seepferdchen“ im Elmshorner Badepark schließt am Sonntag komplett. Damit können Badefreunde ab Montag dort nicht mehr Essen, Getränke oder Süßwaren kaufen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Besucher sprechen von einem „herben Verlust“.

Noch-Wirt Meftun Bozkurt gibt nach nur einem Jahr als Betreiber der Gastronomie im Badepark enttäuscht auf. „Der Betrieb ist einfach unrentabel“, sagt der erfahrene Wirt. Das Saisongeschäft im Freibad-Sommer sei einfach zu schwach, um das anschließende Wintergeschäft zu tragen. Der Kiosk im Hallenbad ist deshalb bereits geschlossen. Mit dem letzten Öffnungstag der Freiluftsaison am Sonntag, 1. September, beerdigt Bozkurt dann auch das „Seepferdchen“ im Freibad.

„Ich habe letztes Jahr den Versuch gewagt, und den Stadtwerken aus der Patsche geholfen“, sagt Bozkurt. Anfang 2012 zogen sich die ehemaligen Betreiber nach mehr als einem Jahrzehnt überraschend aus der Badepark-Gastronomie zurück. Auch sie führten geringe Umsätze als Grund für die Aufgabe an. „Das ist ein schwieriges Geschäft“, sagt Bozkurt. Das hatte er sich nicht so vorgestellt. Bozkurt: „Sportschwimmer kaufen kaum, Familien bringen sich zum Badeausflug oft selbst etwas Proviant mit. An Pommes oder Eis wird letztlich gespart.“ Oft säße er stundenlang allein im Pavillon, während vor der Tür die Gäste vorbeigehen. Auch im Hallenbad sei dies ähnlich. Die Umsätze reichen nicht, um davon leben zu können. Bozkurt möchte so nicht mehr weitermachen. Mit den Stadtwerken habe er sich auf eine Auflösung des Pachtvertrags geeinigt.

Schwimmen, plantschen, Pommes essen – der Heißhunger nach dem Badevergnügen wird ab Montag nicht mehr gestillt. Schwimmerin Renate Möller ist enttäuscht: „Das ist blöd.“ Mit Tochter Alexandra hätte sie stets eine Kleinigkeit genascht nach dem Badespaß. „Schade“, sagt Möller.

Stadtwerkechef Sören Schuhknecht ist sich der Situation bewusst. Auch für ihn sind die Pommes nach dem Schwimmen ein gern zelebriertes Ritual. Er möchte deshalb schnellst möglich einen neuen Wirt für die Badepark-Gastronomie finden. „Wir führen zurzeit mit Interessenten Gespräche“, sagt Schuhknecht. Man entwickle parallel dazu gezielt Konzepte, um „vielleicht auch eine Bewirtung im Nebengewerbe“ und nicht in Vollzeit zu ermöglichen. Damit reagiere man auf die bisher niedrigen Umsätze aus der Bewirtung.

Auch eine Versorgung der Badegäste mit Snacks aus Automaten heraus sei eine Idee. „Diese ist aber nicht so charmant“, lenkt Schuhknecht ein. Entscheidungen seien bisher allerdings noch nicht getroffen.

Fest steht: Meftun Bozkurt frittiert am Sonntag letztmals Pommes im Freibad. Danach konzentriert er sich auf eine neue Herausforderung. „Ich werde demnächst hier in der Region ein türkisch-mediteranes Restaurant eröffnen“, sagt er. Seinen treuen Kunden im Badepark dankt er für die Unterstützung und resümiert: „Ich war gern hier. Ein schöner Arbeitsplatz, aber man verdient nichts.“

Zufrieden mit den zurückliegenden Sommermonaten dürften hingegen die Stadtwerke sein. Denn mit erfreulichen Zahlen endet die diesjährige Freibadsaison. Gestern registrierte das Bad den 80 000. Besucher. Die Besucherzahl stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um knapp 11 000 Badegäste.

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