Zwischen Eisschollen und Walen : Ein Elmshorner auf großer Fahrt im Eis

Die Grönland-Segler:  Walter Dölling (r.) und Jens Nieswandt.
Die Grönland-Segler: Walter Dölling (r.) und Jens Nieswandt.

Sein 70. Sommer – im eisigen Norden - Walter Dölling berichtet von einem sehr bewegten Jahr mit einem außergewöhnlichen Geburtstag.

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29. Januar 2015, 12:00 Uhr

Elmshorn/Grönland | Der 70. Geburtstag steht an. Der Elmshorner Walter Dölling will seinen Ehrentag – wie andere Rentner auch – fern der Heimat verbringen. Allerdings: Er geht nicht auf Busreise in den Schwarzwald, auf eine Flusskreuzfahrt entlang der Donau oder eine Wohnmobiltour durch Südfrankreich. Nein. Walter Dölling segelt ins Eis, will seinen 70. Geburtstag mit einem gewagten Törn bis zum 70. Breitengrad feiern. Die große gemeinsame 130-Jahr-Party mit seiner Lebenspartnerin und vielen Freunden kommt später.

„Die Reise ist nicht ganz ungefährlich“, gesteht der Segler. Doch er kann auf viel Erfahrungen zurückgreifen: Seit 1967 betreibt er diese Leidenschaft und bereits zwei größere Segeltörns in den eisigen Norden haben ihn zum sturmerprobten Kapitän gemacht. Außerdem besitzt er mit der 10,80 Meter langen, 34 Jahre alte Aluminium-Yacht „Falado“ ein „solide gebautes Schiff“.

Eineinhalb Jahre lang hat sich Dölling auf die Nordtour vorbereitet und zudem mit Jens Nieswandt aus Thüringen im Internet einen Mitstreiter gefunden. Der 45-jährige Ostsee-Segler musste sich zwar auf dem Nordatlantik oft der Seekrankheit ergeben, doch „wir sind auch heute noch befreundet“, sagt Dölling nach der Reise schmunzelnd. Sein Partner, aus dem während des fünfmonatigen Törns ein Freund wurde, war auch der Crew-Fotograf, hat mehr als 13.000 Aufnahmen gemacht, während der Elmshorner Schiffsführer mehr für das Filmen verantwortlich war.

Insgesamt 5900 Seemeilen war das Duo unterwegs, 148 Tage , davon 89 auf See. Über die Elbe und die Nordsee ging es zuerst nach Helgoland, dann weiter über Schottland, die Färöer-Inseln und Island bis zum Ziel, Grönland. „Wir hatten vom Wetter her Glück“, berichtet Dölling. Es habe nur Windstärken von höchstens acht bis neun gegeben. Bei seinem letzten Trip zur größten Insel der Welt war Dölling 2011 mehrfach in Orkane geraten und fast durchgekentert.

Packendes Naturerlebnis im Eis. Der Elmshorner hat seinen  Segler unfallfrei durch die Kälte und die Schollen gesteuert. (Foto: Dölling/Nieswandt)
Packendes Naturerlebnis im Eis. Der Elmshorner hat seinen Segler unfallfrei durch die Kälte und die Schollen gesteuert. (Foto: Dölling/Nieswandt)
 

„Diesmal haben wir viel gefroren – aber die Feuchtigkeit ist noch schlimmer. 70 bis 80 Prozent der Zeit war Nebel und dann das Eis...“, berichtet Dölling. Und: 14 Tage lang lief die Heizung nicht , weil ein Ersatzteil beschafft werden musste.

Doch der Elmshorner Segler erzählt lieber von der grandiosen Landschaft des Nordens jenseits des Polarkreises und der Faszination Meer: „50 bis 60 Grindwale haben uns zweieinhalb Tage auf dem Weg von Grönland nach Island begleitet. Ich habe sie vom Boot aus streicheln können. Ein einmaliges Erlebnis.“ Nicht weniger beeindruckend war das Ziel der Reise, der nach der Stadt Ilulissat benannte Eisfjord, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises an der Westküste Grönlands.

Viele Fotos hat die Zwei-Mann-Crew während ihrer Fahrt aufgenommen, aber auch ein Logbuch geschrieben, das Interessierte im Internet lesen können. Ein typischer Eintrag sei zum Schluss wiedergegeben: „92. Tag - Sonntag - 27. 07. 2014: Dicker Nebel, Eisberge, die mit einem gewaltigen Knall auseinander geborsten sind und eine Flutwelle erzeugten, Wind aus der richtigen Richtung, nur so schwach, dass kein Segel sich richtig aufblähte und ein großer Wal in Schiffsnähe, der beim Wegtauchen seine weiße untere Flosse zeigte...“

Eine Präsentation der Reise wird es im März in Elmshorn geben. Der Termin für den Vortragsabend wird noch bekanntgegeben. Mehr Infos auf www.falado.info
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