Vortrag in Elmshorn : Ein Betrüger als Ein-Mann-Show

Josef Müller erzählte aus seinem bewegten Leben.
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Josef Müller erzählte aus seinem bewegten Leben.

Josef Müller fesselt Zuhörer in Elmshorn mit seiner spannenden Lebensgeschichte. Im Gefängnis fand er zum Glauben.

shz.de von
16. Juli 2015, 14:00 Uhr

Elmshorn | „So bin i halt.“ Der Müller Josef ist bayerisch, laut, raumgreifend, ein Show-Mann, der sich gern öffentlich entblößt und eine Botschaft unters Volk bringen will: „Lesen Sie jeden Tag in der Bibel! Kommen Sie sonntags zum Gottesdienst!“ Dafür siezt er sein Publikum sogar, ansonsten spricht er seine rund 70 Zuhörer mit „ihr“ an. Nachdruck für seinen Appell holt Müller aus seiner Lebensgeschichte: seit dem 17. Lebensjahr im Rollstuhl, Geldwäscher für Drogenhändler, verurteilter Millionen-Betrüger, der im Gefängnis zum christlichen Glauben findet: „Ich habe gelesen, was mich total verändert hat: dass Gott mich liebt.“

In der Elmshorner Kirche „Zum Guten Hirten“ traf er auf ein dankbares Publikum. Applaus und Zustimmung bekam er dort für sein Diktum: „Es geht einzig und allein um eine brennende Beziehung zu Jesus.“ In der Kirche im Nordwesten Elmshorns sangen die Besucher bei den einleitenden Liedern text- und melodiesicher mit, und sie lösten das logistische Problem, das eine Bühne ohne Rampe für einen Rollstuhlfahrer darstellt, handfest: Vier Männer packten an und hoben Gefährt samt Referent aufs Podest.

Dort präsentierte sich der Macher Josef Müller. Er könnte auch eine Verkaufsshow moderieren; auf seiner Homepage jesus-saved-my-life.de gibt es T-Shirts und Aufkleber zu kaufen, direkt vor der Kirche parkte sein Mercedes-Kombi mit springendem Löwen in rot auf der Seite neben großem „Jesus“-Schriftzug. Ein Publikum zwei Stunden lang zu fesseln, bereitet dem Mann kein Problem. Er hat eine fantastische Story, und das weiß er auch: „Das ist ein Film, das wird spannend“, kündigt er an. Zwischendurch und vor allem zum Schluss schlägt er den Bogen zu Jesus, er beginnt mit einem lauten Gebet und er fordert seine Zuhörer auf: „Mach’ mer a bissel die Herzel auf, ok?“ Das nachgestellte „ok“ gehört zu seinem Stil.

Mit 17 baute Josef Müller einen Autounfall, seitdem sitzt er im Rollstuhl. Er wurde Steuerberater und laut seiner Darstellung aus Naivität zum Geldwäscher für ein amerikanisches Gangstersyndikat. Das ihm anvertraute Geld ging verloren, Müller lieh sich Geld von seinen Klienten, spekulierte später mit fremdem Geld in hochriskanten Börsenpapieren und landete schließlich im Gefängnis. Dort stieß er auf eine Ausgabe des Neuen Testaments und fühlte sich als verlorener Sohn, der vom Vater, also Gott, wieder aufgenommen wird.

„Gott liebt jeden einzelnen, egal, wie du aussiehst.“

Müller nimmt einen abgewetzten, kleinen Teddy vom Tisch, der neben ihm auf der Bühne steht, setzt ihn sich in den Schoß und sagt: „Gott liebt jeden einzelnen, egal, wie du aussiehst. Genauso, wie ich meinen Bären liebe.“

Vielleicht kann ein Mann nicht ohne großen Auftritt, der Sylvester Stallone zum Verlobungszeugen hatte und erzählt, wie viel Spaß es gemacht habe, mit Queen Mum im Buckingham Palast Tee zu trinken. Der betont, dass er als erster Rollstuhlfahrer in Deutschland seinen Sportbootführerschein gemacht und samt Stuhl schon einen Bungee-Sprung absolviert habe. Der berichtet, dass eine 40-köpfige Sonderermittlungsgruppe beim bayerischen LKA ihn gejagt habe und wie froh er war, im Gefängnis zu sitzen, als der amerikanische Drogenboss ihn in München gesucht habe. „Heute fühle ich mich durch Gott geschützt“, sagt er und verweist auf Psalm 91; dessen elfter Vers lautet: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen .“ Josef Müller ist von seiner Geschichte selbst „so ergriffen, dass ich baff bin“.

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