Elmshorn : Ein „anderer Gottesdienst“ in der Ansgarkirche

Zur Vorbereitung des Abendmahls betet Pastor Burkhard Friedrich mit den Gottesdienstbesuchern in der Ansgarkirche.
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Zur Vorbereitung des Abendmahls betet Pastor Burkhard Friedrich mit den Gottesdienstbesuchern in der Ansgarkirche.

Liturgie lautet der Fachbegriff für den Ablauf des Gottesdienstes, und den gestaltet Pastor Burkhard Friedrich gern anders als gewohnt.

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08. Januar 2015, 12:00 Uhr

Elmshorn | „Wie Kinder spielen, so muss Liturgie laufen“, findet Burkhard Friedrich. Liturgie lautet der Fachbegriff für den Ablauf des Gottesdienstes, und den gestaltet Burkhard Friedrich gern anders als gewohnt: Für ihn ist es ein „großes, göttliches Spiel“. Dabei meint er den Begriff Spiel als ernstzunehmende Beschäftigung; so wie sein Enkel mit seiner Eisenbahn spiele, ganz und gar versunken in diese Aufgabe und mit einer Ernsthaftigkeit, an die die Deutsche Bahn AG nicht heranreiche, erklärt sein Großvater.

Friedrichs Spielwiese ist der Gottesdienst in der Elmshorner Ansgarkirche an jedem Dienstag: der „andere Gottesdienst“. Dann baut er gern mal Elemente aus anderen Traditionen als der gewohnten, eher kargen norddeutsch-lutherischen ein. „Wir haben den Psalm gebetet wie in Klöstern üblich“, beschreibt er ein Beispiel aus dieser Woche. Zum Abschluss klangen slawische Kirchengesänge durch die Ansgarkirche; aufgelegt von Kirchenvorsteher Christian Brandt, aber ganz im Sinne Friedrichs: „Etwas ganz Fremdes“, das findet er gut. Der Gesang im Gottesdienst bekam ohne Orgel eine ganz eigene Note: Christian Brandt gab den Vorsänger.

Der vergangene Dienstagsgottesdienst fiel auf den Dreikönigstag, in der kirchlichen Fachsprache Epiphanias genannt; der Tag, an dem die drei Weisen aus dem Morgenland dem gerade geborenen Jesus ihre Aufwartung machen. Von Königen ist in der Bibel nicht die Rede, aber in den vergangenen zwei Jahrtausenden nahm die Erzählung verschiedene Ausprägungen an bis zur heute gängigen Version mit Caspar, Melchior und Balthasar. Dass einer von ihnen dunkelhäutig sein soll, beruht auf einem Übersetzungsfehler, erklärte Burkhard Friedrich in seiner Predigt, ursprünglich sei von einem Mann mit schwarzem Vollbart die Rede gewesen. Und ob da nun drei, vier oder zwölf Weise, Magier oder Sterndeuter am Kindbett standen, da gehen die Überlieferungen auseinander.

Für das Fremde, „das Bezaubernde“, das Friedrich so begeistert, stehen bei ihm auch die drei Könige. Bei diesem Thema wird er in seiner Predigt auch tagespolitisch: „Die würden bei Pegida nicht durchkommen“, keilt er gegen die Montagsdemonstranten aus. „Weise aus fernen Ländern“, die sind für ihn „etwas Tolles“ erzählt er nach dem Gottesdienst. „Das ganze Orientalische ist schon schön“, sagt er und berichtet, dass er mit 20 Jahren zum ersten Mal in Jerusalem war und sich dort gut auskenne.

Nicht nur predigen

„Dass die evangelische Kirche der Welt außer Predigen nichts bietet“, das bedauert er. In seiner Ansgarkirche arbeitet er dagegen an: „Wir wollen Kirche zum Mitmachen.“ Die Krippe aus der Kirche werden seine Konfirmanden nach Lichtmess – das ist am 2. Februar – einpacken; die Figuren von Maria und Josef wandern vor Weihnachten durch die Gemeinde, am Karfreitag tragen sie gemeinsam ein Kreuz durch die Stadt: „All das soll man sehen“, findet Friedrich.

Der Ansgar-Pastor, ein gebürtiger Elmshorner, attestiert sich „ganz viel Sinn für Tradition, auch für fremde Tradition.“ Aber dabei vergisst er das Spiel nicht: „Wir machen es hier mit viel Spaß.“

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