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„Ich wusste: Da war einer im Haus“ : Ehepaar in Horst wird Opfer von Einbrechern

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Täter stehlen Schmuck, Geld und Münzen. Trug der Täter eine rote Jacke?

shz.de von
erstellt am 05.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Horst | Langsam kehrt im Haus des Horster Ehepaars Gisela und Michael T. wieder Normalität ein. Dennoch werden sie das, was ihnen passiert ist, niemals wieder ganz vergessen. Sie sind Opfer von Einbrechern geworden. Der Albtraum eines jeden Hausbesitzers.

Es war der 5. Februar, ein Donnerstag. Gisela T. kam von der Arbeit nach Hause. Wie immer. Doch es war nicht wie immer. Schon an der Haustür bemerkte sie, dass irgendetwas nicht stimmte. Alle Türen im Haus standen offen, im Flur war Sand auf dem Boden. „Ich wusste im Prinzip sofort: Da war einer im Haus gewesen.“ Sie sagt aber auch: „Man will es nicht wahrhaben.“ Und deshalb tat sie etwas, was eigentlich unvernünftig ist: Sie betrat ihr Haus.

Die Täter hatten sich zum Glück schon aus dem Staub gemacht. Und dann musste auch Gisela T. schließlich einsehen, dass tatsächlich bei ihr im Haus Fremde gewesen waren. Sie rief die Polizei.

Offensichtlich hatten die Täter sich nicht viel Zeit genommen. In einigen Zimmern gab es keine Anzeichen, dass sie dort nach Beute gesucht hatten. Im oberen Stockwerk war das allerdings anders. Vor allem im Schlafzimmer und im Arbeitszimmer waren Gegenstände der Hausbesitzer auf dem Boden verteilt worden. Und die Diebe waren fündig geworden. „Sie haben Uhren, Schmuck und Münzen mitgenommen“, sagt Michael T. Etwas mehr als 6000 Euro beträgt der Schaden. Größere Gegenstände, beispielsweise elektrische Geräte wie Fernseher, ließen die Einbrecher stehen.

Badfenster mit Stein eingeschlagen

Zerstört haben die Einbrecher im Haus nichts – bis auf das Badfenster. Das haben sie mit einem Stein eingeschlagen, um sich Zutritt zu verschaffen. Der Sand, den Gisela T. im Flur gesehen hatte, stammt aus dem Garten des Ehepaars, war an den Schuhen der Einbrecher hängengeblieben.

Offensichtlich hatten die Kriminellen Handschuhe getragen. Fingerabdrücke entdeckten die Fahnder nicht. Der Stein, mit dem das Fenster eingeschlagen worden war, wurde allerdings zwecks kriminaltechnischer Untersuchung mitgenommen.

„Bislang haben wir hier recht sorglos gelebt. Alle haben immer gesagt: hier ist noch nie was passiert“, sagt Michael T. Das war nach dem Einbruch vorbei. Er informierte die Nachbarn, um sie zu sensibilisieren. Und er erfuhr Erstaunliches. Eine Nachbarin hatte wahrscheinlich die Täter gesehen. Und zwar gleich nach der Tat. Gegen 9.30 Uhr seien zwei junge Männer vom Haus der Familie T. zu einem silbernen Mercedes mit ausländischem Kennzeichen gegangen. Das Auto habe rund 80 Meter vom Tatort entfernt in einer Feldauffahrt gestanden. Am Lenkrad habe ein älter Mann gesessen. Die Drei seien dann weggefahren. Einer der jungen Männer, daran habe sich die Nachbarin erinnert, habe eine auffällige rote Jacke mit schwarzen Applikationen getragen.

Wurde Haus von Tätern ausspioniert?

Die Polizei gehe davon aus, dass die Täter ihre späteren Opfer ausspioniert hätten, berichtet Michael T.. Das sei nicht unüblich. Gisela T. hatte tatsächlich während der Sperrmüllabfuhr, einige Tage vor dem Einbruch, ein Auto extrem langsam an ihrem Haus vorbeifahren sehen. Und auch einen Mann mit einer roten Jacke hatte sie in der Nähe ihres Hauses gesehen. „Damals habe ich mir nichts weiter dabei gedacht“, sagt sie. Das wird künftig vermutlich anders werden.

Das Schicksal der Familie T. ist alles andere als ein Einzelfall. Erst am Wochenende wurde in Klein Nordende in drei Einfamilienhäuser eingebrochen. Mindestens drei Täter sollen es gewesen sein. Sie hatten es, wie beim Ehepaar T. auf Bargeld und Schmuck abgesehen.

Seit Jahren geht die Zahl der Einbrüche im Kreis Pinneberg nach oben. Waren es im Jahr 2007 noch 529 Taten, stieg die Zahl kontinuierlich auf 841 Fälle im Jahr 2013 an. Statistisch gesehen, stiegen Kriminelle mehr als zweimal an jedem Tag des Jahres in ein Haus im Kreis Pinneberg ein. Im Kreis Steinburg waren es 2013 „nur“ 330 Taten.

Niedrige Aufklärungsquote im Kreisgebiet

Die Aufklärungsquote steigt zwar kontinuierlich an, lag im Jahr 2013 aber gerade einmal bei zehn Prozent im Kreis Pinneberg. Deshalb widmet sich die Polizei verstärkt dem Problem der Einbrüche. „Wir haben eine Fahndungsgruppe, die sich ausschließlich damit beschäftigt“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Sie bittet die Bürger um Wachsamkeit. „Wenn jemandem Personen verdächtig vorkommen, immer sofort 110 wählen“, rät sie.

Für viele Einbruchsopfer ist das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein, häufig viel schlimmer als der materielle Schaden. „Vor allem in den ersten Tagen nach dem Einbruch war es ein komisches Gefühl, nachmittags nach Hause zu kommen“, sagt auch Gisela T.

Mittlerweile ist es besser geworden. Und die Eheleute haben dafür gesorgt, dass Kriminelle sich nicht wieder so leicht Zutritt zu ihrem Haus verschaffen können. Sie haben sich eine Alarmanlage angeschafft.

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