"Du, die Helga ist weg"

Feuerwehr-Einsatzleiter Sven Stade kontrolliert die Lage des Ölschlengels an der Einfahrt zum WSE-Hafen.
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Feuerwehr-Einsatzleiter Sven Stade kontrolliert die Lage des Ölschlengels an der Einfahrt zum WSE-Hafen.

Dreiste Diebe fahren Boot quer durchs Hafenbecken, um Außenbordmotor zu stehlen / vier Fälle beim WSE

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23. Juni 2011, 06:22 Uhr

ELMSHORN | Es war gegen 4.20 Uhr gestern in aller Frühe als Jan Reeckmann von seiner Frau Ines geweckt wurde: "Du, die "Helga" ist weg." Schlaftrunken mochte er das nicht glauben, doch nach einem Blick auf das Hafenbecken des Wasser-Sportvereins Elmshorn (WSE) musste Reeckmann seiner Frau Recht geben. Das Motorboot mit dem Frauennamen lag nicht an seinem Platz neben der eigenen Yacht, auf der das Ehepaar geschlafen hatte.

Zwei Stunden später: Am Kai stehen um Hafenmeister Eiko Behrens der ehemalige Vereinsvorsitzende Manfred Mickel und einige Bootseigner - und sind stinksauer: Unbekannte Täter haben in der Nacht zu gestern von vier Booten die Außenbordmotoren gestohlen. Der Schaden beläuft sich auf mehr als 10 000 Euro. Die Flüche, welche die Skipper ausstoßen sind nicht druckreif, aber verständlich. Der Diebstahl ist kein Einzelfall. "Letztes und vorletztes Jahr sind jeweils ein Motor aus dem Hafen gestohlen worden", berichtet Behrens, der selbst betroffen ist. Seine "Big Fun" liegt ebenfalls ohne Motor am Kai. Damals wie gestern haben die Täter einen Zaun durchschnitten, um auf das abseits an der Straße Wisch gelegene Vereinsgelände zu gelangen.

Dort, verborgen vom Deich, fühlten sich die Unbekannten offenbar sicher, denn ihr Vorgehen war dreist. Drei kleinere, fünf PS starke Motoren von der "Big Fun" und zwei Schlauchbooten, haben die Diebe schnell abmontiert. Für den 60 PS starken Mercury-Motor der "Helga" sind sie dreist vorgegangen. Die Yacht lag mit dem Bug zum Ufer auf der südliche Seite des Hafens. Die Diebe haben das Boot losgemacht und mit Paddeln, die noch im Schiff lagen, auf die Nordseite gepaddelt, um das Heck am Ufer zu haben. So ließ sich der Außenborder samt der Hydrauliksteuerung leichter abbauen und wegschaffen.

Nach Meinung von Eiko Behrens wussten die Täter ganz genau, welche Motoren sie haben wollten. Sie hätten mit einer Ausnahme nur neuwertige Maschinen entwendet, sagte er. Abwegig ist Behrens Annahme nicht. Die Fachzeitschrift "Boot" hatte in ihrer April-Ausgabe eine entsprechende Statistik veröffentlicht. Demnach wurden im vergangenen Jahr bundesweit 1141 Bootsmotoren gestohlen, eine Steigerung von 2,5 Prozent im Vergleich zu 2009. In Schleswig-Holstein entwendeten Diebe 116 (2009: 136) Außenborder. Bereits vor zehn Jahren wurde in Konstanz am Bodensee von der dortigen Wasserschutzpolizei zur Bekämpfung der organisierten Strukturen das Kompetenzzentrum Bootskriminalität (KZK) ins Leben gerufen.

Zusätzlich zum Sachschaden haben die Motorsportler auch noch mit einem Umweltschaden zu kämpfen. Die Diebe haben beim Abbauen Hydrauliköl ins Wasser laufen lassen. Ein bunt schillernder Film liegt seither auf der Oberfläche. Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Elmshorn legten eine Ölsperre quer über die Hafenausfahrt, damit das Öl nicht den eigentlichen Flusslauf der Krückau verschmutzt. Einsatzleiter Sven Stade sagte: "Es ist vermutlich nur eine geringe Menge, die wir nicht aufnehmen können. Wir hoffen, dass sich das Öl mit der wechselnden Tide im gelegten Schlengel verfängt."

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