Drei Kugeln für die Kümmerin

Zum 25. Jubiläum schenkte die Gemeinde Ulrike Weers Keramikkugeln für den Garten.
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Zum 25. Jubiläum schenkte die Gemeinde Ulrike Weers Keramikkugeln für den Garten.

Mit Herzblut, Zeit und Kontakten hält Ulrike Weers seit 25 Jahren die Fäden in Kultur und Soziales ihrees Heimatorts Klein Nordende in der Hand

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15. Juni 2019, 15:25 Uhr

Klein Nordende | Stationen einer überzeugten Dorfbewohnerin: Mit 24 Jahren als bürgerliches Mitglied in den örtlichen Ausschuss für Familie, Jugend und Schule einziehen; vier Jahre später in den Kulturausschuss, weitere vier Jahre später in die Gemeindevertretung. Danach heiraten und zwei Kinder kriegen. Arbeiten in Hamburg – okay, aber wegziehen aus Klein Nordende war nie eine Option für Ulrike Weers.

Ihr Mann Ralf Weers führt eine Tischlerei in Elmshorn, sie arbeitet dort vormittags im Büro. Wenigstens dorthin umsiedeln, in die Stadt gleich hinter der Ortsgrenze? Nein, lieber ein Haus auf dem Grundstück bauen, das schon der Oma gehörte. Dort hat Ulrike Weers einen Arbeitsplatz „oben im Giebel“ mit großem Fenster, das einen Ausblick bietet an den Häusern vorbei auf die Felder. Auf die schöne Seite des Dorfes, in dem sie geboren wurde.

Seit 25 Jahren engagiert sich Ulrike Weers, 57, in Klein Nordende als Gemeindevertreterin. „Ich habe ja nun schon den vierten Bürgermeister“, blickt sie zurück. Bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung gratulierte ihr der aktuelle, Adolf Luitjens, im Namen der Gemeinde: „Alle sind aufgestanden und haben applaudiert, das war schon ein bisschen Gänsehaut“.

Ihre politischen Schwerpunkte kann Weers mit vier Wörtern zusammenfassen: „Immer was mit Menschen“. Sie saß in ihrer langen Laufbahn auch im Amts- und im Finanzausschuss und im Schulverband, aber „aktiv und mit Herzblut“ erzählt sie von ihrem sozialen Engagement. Sie war dabei, als die Partnerschaft Klein Nordendes mit Zempin auf Usedom vor 26  Jahren begründet wurde und begleitet noch heute die zweijährlichen Reisen Klein Nordender Senioren auf die Insel. Weers ist auch eine der „Gründungsmütter“ des Veranstaltungszentrums „Töverhuus“, das die Gemeinde seit 1996 gemeinsam mit Familie Hamke betreibt.

Als Ulrike Weers 2003 den Vorsitz im Ausschuss für Familie, Jugend und Sport übernahm, baute sie gemeinsam mit Vereinen das örtliche Ferienprogramm auf. Einen Bus mieten und irgendwo hinfahren, das kam ihr als Kinderprogramm nicht in den Sinn; lieber organisierte sie einen Schnuppertag auf dem Tennisplatz oder Spiele bei der Feuerwehr. 2013 übernahm Weers den Vorsitz im Sozialausschuss, zwei Jahre später kamen die Flüchtlinge und sie rief den Integrationstreff ins Leben: „Einer muss sich ja kümmern“. Woher sie ihre Helfer nahm? „Wenn man Leute kennt, weiß man, wen man ansprechen muss.“ Und dass die Angesprochenen dann zusagen, dafür baut Ulrike Weers täglich vor: „Ich helfe, wo es gebraucht wird.“ Wenn sie dann jemanden auffordert, hat sie gute Chancen.

„Ganz viel Herzblut“ sieht sie als Voraussetzung für ihr Engagement in der Gemeindevertretung. Darum hat es sie auch nie gereizt, etwa auf Kreisebene aktiv zu werden. Ihre Leidenschaft gilt Klein Nordende. „Wir verreisen auch nicht großartig“, sagt Weers. Ihr Programm, wenn sie tatsächlich mal nichts zu erledigen hat: „Gartenstuhl, Füße hoch, Buch vor die Nase“.

Zu ihrer Überraschung wurde sie 2008 zur zweiten Stellvertreterin des Bürgermeisters, weil ihre Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl so viele Stimmen bekommen hatte. Höhere Posten strebt sie nicht an: „Weil ich das viel zu sehr mit nach Hause nehme.“ Lieber engagiert sie sich noch im Schützenverein und beim DRK.

Zweite Voraussetzung: „Auf alle Fälle viel Zeit“. Im Schnitt investiert Weers mindestens 15 Stunden pro Woche in ihr Engagement. Als es darum ging, den Integrationstreff zu organisieren, wurde es zum „Halbtagsjob“ – da meldete sich irgendwann die Familie, erzählt sie.

Das Ehrenamt hat in ihrer Familie einen hohen Stellenwert: Ehemann Ralf engagiert sich im Innungsvorstand, die beiden Söhne machen in der Feuerwehr mit. Ulrike Weers’ Vater, Erich Wittern, saß selbst lange Jahre im Gemeinderat, zeitweise leitete er den Sozialausschuss, in dem seine Tochter Mitglied war. Sie verstanden sich zwar gut, erinnert sich Weers, aber: „Wir haben uns manchmal zu Hause … mit Volldampf...“, sie lässt ihre Fäuste vor der Brust kollidieren. „Dann taten mir mein Mann und meine Mutter Leid.“ Auch Ex-Bürgermeister Günther Hell, ein Urgestein des Dorfes, gehört zu ihrer weiteren Familie.

Sonst noch etwas? „Es macht Spaß, das Organisieren.“ Bevor sie mit Besuchern aus Zempin und Klein Nordender Senioren verreist, fährt sie alle Stationen ab: Stört irgendwo Kopfsteinpflaster, gibt es behindertengerechte Toiletten? Ihre Belohnung: „Wenn die Leute zusammenkommen“, wenn ältere Dörfler Kontakte gegen die Vereinsamung knüpfen, wenn Ulrike Weers „so ein Wir-Gefühl“ spürt wie neulich beim ersten Kalkgrubenlauf.

„Ich möchte irgendwann länger verheiratet sein als im Gemeinderat“, hat sich Weers vorgenommen. Darum will sie nach dem Ende der laufenden Wahlperiode nicht wieder für die Gemeindevertretung kandidieren. Bis dahin sind es allerdings noch vier Jahre, darum sagt sie lieber „wahrscheinlich“.

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