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Im Gespräch : Dr. Peter Thomsen, Chef des Stadttheaters: „Elmshorn steht ganz weit oben“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Im kommenden Jahr sollen die Renovierungsarbeiten am Stadttheater abgeschlossen sein. Konkurrenz der Knechtschen Hallen im Blick.

Elmshorn | Seit 18 Jahren ist der promovierte Historiker Dr. Peter Thomsen (55) Geschäftsführer der Theatergemeinschaft. Auf diesem Posten ist er Nachfolger des Elmshorner Ehrenbürgers Boje C. Steffen. Als Chef des Stadttheaters hat Thomsen das Programm erfolgreich reformiert, neue Akzente gesetzt: das Haus ist in der Region beliebter denn je. Jetzt sind auch die erheblichen baulichen Mängel am Theater behoben. Der Förderverein hat mit viel Geld kräftig geholfen. Die aktuelle Spielzeit läuft gut. Peter Thomsen ist sehr zufrieden. Dennoch, er muss immer am Ball bleiben, um seine Bühne fit für die Zukunft zu machen.

Herr Thomsen, die Hälfte der aktuellen Spielzeit 2015/16 ist vorbei. Halbzeit. Wie läuft die Saison?
Peter Thomsen:
Bislang ist die Spielzeit sehr gut gelaufen. Viele Veranstaltungen waren ausverkauft. Wir hoffen, dass es so weitergeht. Dann wird s eine sehr erfolgreiche Saison 2015/16.

Seit einigen Jahren gibt es den Verein der Freunde und Förderer des Stadttheaters unter der Leitung von Professor Klaus Pannen. Die Mitglieder hatten großen Anteil daran, dass das Theater renoviert werden konnte. Wie wichtig ist für sie dieser Rückhalt?
Auf jeden Fall ausgesprochen wichtig. Wir haben vom Verein eine Anschubfinanzierung von 500.000 Euro bekommen. Die Politik hat 2013 beschlossen, diesen Betrag aufzustocken und das Theater zu sanieren. Der erste Bauabschnitt ist fertig. Das Dach wurde neu gedeckt und die Fassade auf der Rückseite renoviert. Der Bühnenturm wurde renoviert und man ist jetzt dabei, die Seite zur Hafenstraße instand zu setzen. 2016 sollen wir fertig sein. Ob das so sein wird, ist nicht ganz klar. Im Mai 2016 soll damit angefangen werden die historische Fassade zu renovieren. Instand gesetzt werden dann auch die Sanitären Anlagen im Haus, das ist ganz wichtig. Dieser letzte Bauabschnitt hat ein Volumen von rund 800.000 Euro. Bisher wurden rund 1,2 Millionen Euro verbaut. Darin eingeschlossen sind die 500.000 Euro des Fördervereins, so dass wir insgesamt auf ein Volumen von rund zwei Millionen Euro kommen. Das wird man voraussichtlich so auch einhalten können.

Demnach bekommt Elmshorn für zwei Millionen Euro ein schönes runderneuertes Theater. Für diesen Preis hätte man in keinem Fall etwas Neues bauen können.
Ja, das wäre utopisch gewesen. Denken Sie an die Situation in Schleswig, wo das Theater abgerissen werden musste, weil es baufällig war. Es ist geplant ein neues Theater zu bauen, da spricht man aber über 20 Millionen Euro. Das wäre in Elmshorn undenkbar. In Schleswig – wie es jetzt aussieht – wohl auch.

Das Elmshorner Stadttheater ist jetzt also baulich für die nächsten Jahrzehnte gerüstet?
Das kann man sagen. Ich will mich da jetzt nicht festlegen, aber für die nächsten vier Jahrzehnte sollte das Theater auf jeden Fall gerüstet sein.

In den kommenden Jahren wird sich die Elmshorner Innenstadt stark verändern. Der Bereich Krückau/Vormstegen wird ein neues Gesicht bekommen. Dort ist mit den Knechtschen Hallen auch ein Kulturbetrieb geplant. Wird die Planung die Arbeit des Stadttheaters berühren?
Ich denke nicht entscheidend. Zumal die Knechtschen Hallen bestimmte Veranstaltungen gar nicht durchführen können oder wollen. Ich denke da an den Bereich Schauspiel. Ich weiß nicht, was der Förderverein der Knechtschen Hallen plant. Hier und da könnte es unter Umständen Überschneidungen geben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in den Knechtschen Hallen musikalische Veranstaltungen und Kabarett gibt, aber man muss einfach abwarten, in welcher Größenordnung Veranstaltungen stattfinden werden. Das ist nicht unproblematisch für uns oder die Kleinkunstbühne Haus 13, mit der wir kooperieren. Aber die Macher der Knechtschen Hallen halten sich noch ein wenig bedeckt. Es gab schon Gespräche zwischen uns, dem Förderverein Knechtsche Hallen und anderen Einrichtungen. Es wurde beschlossen, dass wir uns nicht gegenseitig Konkurrenz machen wollen. Ich habe aber meine Zweifel, dass sich der Förderverein an diese Absprachen, die vor rund zwei Jahren getroffen wurden, halten wird. Das Projekt nimmt, so wie es jetzt aussieht, professionellere Züge an. Wir müssen aufpassen und unter Umständen Gespräche führen.

Baulich ist das Stadttheater bald fit für die Zukunft. Wie sieht es Inhaltlich aus, wie locken Sie das Publikum zukünftig ins Haus?
Es ist vieles im Fluss und man kann jetzt noch nicht sagen, was in zehn Jahren aktuell sein wird. Nach wie vor sind jetzt Kabarett und Comedy eine sehr starke Sparte, die ich in den vergangenen Jahren sehr intensiv ausgebaut habe. Das Schauspiel wird immer einen großen Stellenwert einnehmen, da bin ich mir sicher. Zumal unsere Abonnentenzahlen in den vergangenen zwei Jahren um 15 Prozent gestiegen sind – entgegen dem Trend. Das ist gewaltig. Das Interesse am Schauspiel ist nach wie vor sehr groß. Wir haben Auslastungszahlen von im Schnitt 80 Prozent je Vorstellung. Schauspiel ist zentraler Bestandteil unseres kulturellen Auftrages. Dafür werden wir subventioniert. Aber die Veranstaltungen im Bereich Kabarett und Comedy stopfen die finanziellen Löcher, die das Schauspiel reißt. Die Schauspielvorstellungen mit Stars sind teuer und werden immer ein Zusatzgeschäft bleiben.

Mit Ihrer Programmgestaltung locken Sie auch vermehrt junges Publikum ins Theater. Was nicht immer so gewesen ist.
Auf jeden Fall. Kabarett und Comedy sprechen eher das jüngere Publikum an. Aber wir bemerken auch im Bereich Schauspiel, dass sich das Publikum verjüngt. Wobei das nicht heißt, dass wir jetzt von 20- oder 30-Jährigen sprechen. Es kommen immer wieder neue Abonnenten nach, viele entdecken mit 40-Plus ihr Interesse für das Schauspiel. Also: Eine Vergreisung findet im Bereich Schauspiel nicht statt. Das stellen wir aber im Bereich Operette fest und auch im Bereich Jazz. Dort haben wir zum Teil ein Publikum, das sich um die 70-Plus bewegt. Zum Teil trifft das auch auf den plattdeutschen Bereich zu.

Beim Schauspiel ist die Auswahl an Tourneebühnen deutlich geschrumpft. Es gibt viel weniger Anbieter. Das macht die Programmzusammenstellung nicht einfacher?
Ja, das Angebot ist geschrumpft. Viele Tourneetheater gibt es nicht mehr. Der Markt ist schwierig geworden. Vor 20 Jahren konnte eine Tourneebühne eine Produktion 100-120 Mal in der Saison verkaufen. Heute ist das anders. Die Anbieter freuen sich, wenn sie eine Produktion 40-50 Mal verkaufen können. Doch dann sind sie gezwungen, im nächsten Jahr in die Wiederholung zu gehen, damit sich die Sache lohnt. Das schmälert das Angebot für die Theater. Was festzustellen ist: Die Tourneebühnen kooperieren mit Hamburger, Berliner oder Münchner Theatern. Dort können sie ihre Produktion im festen Haus 40 Mal abspielen und dann auf Tournee in die Provinz gehen. Das ist viel weniger risikoreich.

Kooperationen mit Hamburger Bühnen spielen auch für das Elmshorner Stadttheater eine Rolle?
Auf jeden Fall. Wir arbeiten sehr intensiv mit den Hamburger Kammerspielen und mit dem Altonaer Theater zusammen. Thema für uns ist auch das Ernst-Deutsch-Theater und die Komödie im Winterhuder Fährhaus, Ohnsorg natürlich auch. Wir arbeiten sehr vertrauensvoll mit den Hamburger Privattheatern zusammen. Darüber hinaus kooperieren wir bundesweit mit renommierten Bühnen.

Wenn sie auf die Region blicken und den Vergleich zu anderen Bühnen ziehen. Wo steht das Elmshorner Stadttheater als Kulturdienstleister?
Ich denke, Elmshorn steht ganz weit oben. Ich wüsste keine vergleichbare Bühne, die ein vielfältigeres Programm anbietet als wir. Auch vom Umfang her. Wir haben 120-130 Vorstellungen in der Saison. Itzehoe, beispielsweise, hat weniger Veranstaltungen, Norderstedt macht auch um einiges weniger. Neumünster, eine Stadt, die fast doppelt so groß ist wie Elmshorn, hat 50-60 Veranstaltungen. Insofern sind wir in Elmshorn sehr gut aufgestellt, vom Umfang, von der Qualität der Veranstaltungen und von der Vielfalt.

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erstellt am 19.Sep.2015 | 10:00 Uhr

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