Hohenfelde : Doppelte Strafe für Umweltsünder

Hamburger entsorgte in Hohenfelde gefährlichen Müll. Nun muss er zahlen.

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14. Juni 2013, 09:18 Uhr

Hohenfelde | Oberamtsanwältin Angelika Adam war bereits bei ihrem Schlussplädoyer, als der 42-jährige Hamburger am dritten Prozesstag um eine gute halbe Stunde verspätet den Saal im Itzehoer Amtsgericht betrat. 2009 verschrottete der Unternehmer auf einem Grundstück in Hohenfelde im Auftrag zwei große Öltanks. Die dabei anfallende krebserregende Mineralwolle packte er in Big Bags ab. Insgesamt 40 Kubikmeter fielen an. Dazu kamen 20 Feuerlöscher und zwei Gasflaschen, die explosionsgefährlich auf dem Areal herumlagen.

Trotz seiner einschlägigen Vorstrafen wollte die Staatsanwaltschaft die Sache zunächst ohne Prozess beenden. Sie sandte dem Hamburger einen Strafbefehl über 1000 Euro (40 Tagessätze à 25 Euro) zu. Gegen den legte der Hamburger Einspruch ein. Genützt hat es ihm nichts.

Hintergrund: Eine am 17. April 2012 zufällig vorbeifahrende Polizeistreife entdeckte den gefährlichen Müll auf dem Grundstück. Die Beamten ermittelten, dass nicht der 67-jährige Eigner des Grundstücks, sondern eben der Hamburger Eigner des Mülls ist. Zwölf Vorstrafen weist der Registerauszug des Hamburgers aus. Sie reichen von Arbeitsentgeltbetrug über Steuerhinterziehung bis unbefugter Ablagerung von krebserregenden Stoffen. Offenbar hoffte er schlicht, dass sein giftiger Müll auf dem Grundstück in Hohenfelde unentdeckt bleiben würde.

"Das ist nicht mein Müll, ich habe damals alles fachgerecht entsorgt, das Gelände ist frei zugänglich, was dort gefunden wurde, kann jeder dort abgekippt haben." Als Beleg für diese Einlassung schob er Richterin Krause zwei Rechnungen einer Hamburger Entsorgungsfirma aus 2009 über den Tisch. Dort stand aber nicht drauf, was denn wo entsorgt wurde. Krause hakte nach, forderte Zeugen. So tauchte der Hamburger am zweiten Prozesstag mit einem Zeugen auf, der erzählte, was der Angeklagte erzählt hatte. Hier gab es allerdings gravierende Abweichungen. Die Staatsanwältin glaubte dem Zeugen kein Wort. Zum dritten Tag lud Richterin Krause einen Mitarbeiter der Entsorgungsfirma, die der Angeklagte seinerzeit beauftragt haben will. Tatsächlich hatte er dort Container bestellt, allerdings für eine Hamburger Adresse und von krebserregender Mineralwolle in Big Bags war nicht die Rede. Der Zeuge berichtete aber, dass die 700 Euro betragende Rechnung bis heute offen ist. Der Angeklagte bestätigte, die beiden Container bestellt zu haben, versicherte aber zugleich: ,,Das Isoliermaterial ist hundertprozentig von der Firma abgefahren worden. Das weiß ich ganz genau. Es gibt keinerlei Nachweis, dass das Material, was da gefunden worden ist, von uns gekommen ist."

Richterin Krause kaufte dem Hamburger auch diese letzte Mär, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, nicht ab. Sie verurteilte ihn, wie von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragt, wegen fahrlässiger unbefugter Lagerung von gefährlichen Abfällen zu nunmehr 2000 Euro (80 Tagessätze à 25 Euro) Geldstrafe. Dem Hamburger bleiben die Rechtsmittel der Berufung wahlweise Revision.

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