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Elmshorn : Dittchenbühne: Ein Lehrstück über Toleranz

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Nathan der Weise“ feiert vor 140 Besuchern auf der Dittchenbühne in Elmshorn Premiere. Das Lessing-Drama ist auch heute noch aktuell.

Elmshorn | Etwa 140 Zuschauer erlebten in der Dittchenbühne die Premiere von Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ unter der Regie von Klaus Falkhausen. Fertiggestellt wurde es 1779, also vor 238 Jahren, was die Frage nahelegt, ob es noch zeitgemäß ist oder nicht doch antiquitiert. Erste Antworten gab der „Hausherr“ Raimar Neufeldt in seiner Begrüßung. „Wir können das Stück, insbesondere die Ringparabel, als Nachhilfestunde ansehen, wie wir uns gegenüber anderen Religionen verhalten sollten“, stellte er fest. „Theater sollte auch ein wenig nachdenklich machen, und das geschieht sicherlich mit diesem sprachlich und thematisch schwierigen Stück.“

„Theater sollte auch ein wenig nachdenklich machen“

Angesiedelt ist das Drama in Jerusalem während des dritten Kreuzzuges (1189 bis 1192). Gleich die erste Szene mit dem reichen Juden Nathan (Martin Mertens) und Daja (Katrin Cibin), der christlichen Erzieherin seiner Tochter Recha (Jil Lana Zehse), gibt Aufschluss über das dramatische Geschehen, das sich während seiner Abwesenheit ereignet hat. In seinem Haus war ein Brand ausgebrochen, seine Tochter in höchster Gefahr. Gerettet wurde sie unter Einsatz seines Lebens von dem jungen Tempelherrn (Philipp Klug).

Nathan möchte sich bei ihm dafür bedanken und schickt Daja mit einer Einladung zu ihm. Doch der Christ lehnt ab, da er nicht mit einem Juden verkehren möchte. Der reiche Kaufmann gibt aber nicht auf und fängt den Ordensritter auf der Straße ab. Dieser verhält sich Nathan gegenüber zunächst abweisend, lässt sich dann aber von seiner toleranten Art einnehmen.

Unterdessen denkt Sultan Saladin (Ralf Skala) darüber nach, wie er Frieden zwischen den Christen und Muslimen schaffen kann. Er weiß, dass seine Kassen leer sind und er seinen Gegnern nicht viel zu bieten hat, damit diese in den Frieden einwilligen. Auf der Suche nach einem Kreditgeber lässt er schließlich Nathan rufen. Dieser ist erstaunt, als der Sultan ihm plötzlich die Frage stellt, welche Region er für die wahre halte – und antwortet mit der Ringparabel.

Darin geht es um einen Ring, den der Vater jeweils an seinen liebsten Sohn weitergibt. Ein Vater jedoch, der drei Söhne hat und alle gleichermaßen liebt, kann sich nicht entscheiden, wem er den Ring vermacht und lässt drei identische Kopien anfertigen. Nach seinem Tod entbrennt ein Streit zwischen den Brüdern, wer der richtige Ring sei. Der angerufene weise Richter rät dazu, dass jeder seinen Ring als den echten ansehen solle, denn alle spiegelten die Liebe des Vaters wider.

Die Botschaft sollte jeder verinnerlichen

Es ist ein großes Verdienst der Dittchenbühne, dass es diese Drama auf die Bühne gebracht hat. Es veranschaulicht deutlich den Konflikt, in dem Judentum, Christentum und Islam bis in die heutige Zeit zueinander stehen und ist somit hochaktuell.

Die Botschaft, die es vermittelt, sollte jeder verinnerlichen: Toleranz, Religionsfreiheit und Humanität. Für das Ensemble stellte „Nathan“! eine große Herausforderung dar, weil es nicht von der Aktion, sondern dem gesprochenen Wort lebte: Es hat diese Herausforderung durch ein sensibles, einfühlsames und gleichzeitig leidenschaftliches Spiel bestanden.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 12:00 Uhr

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