Diskussion über Religion und Vielfalt

Bernd Biegemann, Silvia von Meißner-Fröhlich, Bent Schubert, Angela Mumssen, Sven Hermann (von hinten links), Christian Turkat, Dörte Lippold (von vorne links) diskutierten mit Eva von Kalben und Pastor Hans-Peter Mumssen.
Bernd Biegemann, Silvia von Meißner-Fröhlich, Bent Schubert, Angela Mumssen, Sven Hermann (von hinten links), Christian Turkat, Dörte Lippold (von vorne links) diskutierten mit Eva von Kalben und Pastor Hans-Peter Mumssen.

Eka von Kalben besucht Christuszentrum

shz.de von
22. Oktober 2018, 17:50 Uhr

„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?“ – diese bekannte Liedzeile steht wohl wie keine andere Volksmelodie für den Wunsch nach Gleichheit, Toleranz, Akzeptanz. Unter diesem Motto der Gedankenfreiheit veranstaltete die Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/ Die Grünen, Eka von Kalben, eine Herbsttour zum Thema Religion. In ganz Schleswig-Holstein besuchte sie religiöse Einrichtungen.

Von Altkatholiken über muslimische und jüdische Gemeinden bis hin zu freikirchlichen Glaubensgemeinschaften. Der Gedanke einer solche Tour entstand aus der Feststellung, dass die Gesellschaft heute immer mehr auseinander driften würde. Den Islam verbinde man mit Terrorismus, das Christentum mit Missbrauchsskandalen und das Judentum mit der Israelpolitik – tatsächlich entsteht der Eindruck, dass es fast alle monotheistischen Weltreligionen im Moment nicht leicht haben. Auch in Elmshorn traf sich von Kalben vergangene Woche mit Vertretern aus Politik und der evangelischen freikirchlichen Gemeinde des Christus Zentrum Arche, das unter anderem die Tafel Elmshorn beherbergt, um über Religion, Jugendarbeit, die Tafel und einen Ort der Begegnung zu reden, zu diskutieren und sich auszutauschen.

Das Christus Zentrum und seine Gemeinde stand insbesondere im Fokus der interkulturellen und interreligiösen Verständigung, da durch die Tafelarbeit auch viele Geflüchtete die Räumlichkeiten und Hilfsangebote der Gemeinde aufsuchten und weiterhin nutzen. Inzwischen werden die Gottesdienste sogar auf Farsi übersetzt, zirka 20 bis 30 vor allem interessierte Iraner besuchen regelmäßig die Gemeinde.

Dass interkulturelle Begegnung nicht immer einfach sein kann, weiß auch Pastor Hans-Peter Mumssen. Doch er betont auch, dass eventuelle Schwierigkeiten nicht immer auf religiöse Unterschiede zurückzuführen seien. Vieles liege auch in einem kulturellen Unterschied begründet, der sich nun einmal mit der Herkunft aus dem orientalischen Raum ergebe und Integration nicht innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten zu erreichen sei. Auch von Kalben betont: „Integration ist keine Einbahnstraße.“ Trotzdem gibt sie zu, dass auch sie manchmal zum Nachdenken komme, wenn ihr zum Beispiel der Handschlag verweigert wird auf Grund der Tatsache, dass sie eine Frau ist. Gutheißen tut sie dies nicht, akzeptieren kann sie es aber. Dass Intoleranz und Missbrauch von Religion aber auch in christlich-geprägten Ländern auftreten kann. So verurteilt sie vor allem die Politik des US-amerikanischen Präsidenten Trump und sagt, dass die Positionen der AfD, die sich auf die Rettung der christlichen Werte beziehen, scheinheilig seien.

Natürlich tritt bei einer Debatte über Toleranz und Akzeptanz unterschiedlicher Religionen auch immer das Stichwort Laizität auf: die scharfe Trennung zwischen Religion und Staat, wie sie beispielsweise in Frankreich vollzogen wird.

Für von Kalben lässt sich dies aber nicht so einfach mit Deutschland vergleichen. Denn gerade in Deutschland, so betont sie, ginge viel gesellschaftliches Engagement von Menschen aus, die sich im kirchlichen Kontext engagieren. Und besonders stolz sind von Kalben und Mumssen auf die Religionsfreiheit, die in Deutschland herrscht.

Für Mumssen sei dies sogar eine Errungenschaft der christlichen Religion. Von Kalben sieht den Menschen als grundsätzliches religiöses Wesen, das den Wunsch nach entsprechenden Angeboten in sich trägt.

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