Discounter-Streit beschäftigt Uni

Der Kieler Professor Ulrich Jürgens  (2. von links) informierte sich in Hörnerkirchen über die geplante Ansiedlung eines Discounters gegenüber der Gaststätte 'Zur Tankstelle' (Areal rechts im Hintergrund). Foto:  caw
Der Kieler Professor Ulrich Jürgens (2. von links) informierte sich in Hörnerkirchen über die geplante Ansiedlung eines Discounters gegenüber der Gaststätte "Zur Tankstelle" (Areal rechts im Hintergrund). Foto: caw

Kieler Professor warnt Gemeinde vor überzogenen Gewerbesteuer-Erwartungen

Avatar_shz von
21. Mai 2011, 08:19 Uhr

Brande-Hörnerkirchen | Der geplante Bau eines Discounters in Brande-Hörnerkirchen zieht immer weitere Kreise. Sogar die Universität in Kiel hat sich inzwischen des Themas angenommen. Professor Ulrich Jürgens vom Geographischen Institut besuchte am Donnerstagnachmittag den Norden des Kreises Pinneberg, um sich von Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes über den aktuellen Planungsstand informieren zu lassen.

Gegenüber der Gaststätte "Zur Tankstelle" soll nach dem Willen der CDU Hörnerkirchen, die in der Gemeindevertretung die Mehrheit stellt, ein knapp 800 Quadratmeter großer Discounter gebaut werden. Die örtliche SPD ist dagegen. Als Marktbetreiber steht die dänische Netto-Kette bereit.

"Ich war auf der Suche nach Discounter-Ansiedlungen, die nicht glatt durchgehen", erklärte Prof. Jürgens. Bei der Internet-Recherche sei er auf Hörnerkirchen gestoßen, wodurch wiederum der Kontakt zur Bürgerinitiative entstanden sei. Einfließen sollen die Ergebnisse des Treffens in ein Projekt der Deutschen Forschungsgesellschaft. Auch die Mitglieder der Bürgerinitiative um Monika Rohweder erhoffen sich durch das Treffen mit dem Kieler Professor neue Ansatzpunkte in ihrem Kampf, den Discounter in Hörnerkirchen zu verhindern. "Für uns ist es wichtig zu wissen, wie es in anderen Standorten in vergleichbaren Situationen gelaufen ist", so Rohweder. Auf diese Weise hofft sie, Netzwerke mit weiteren Bürgerinitiativen knüpfen zu können. "Wir wollen wissen, ob wir schon alle Wege ausgeschöpft haben."

Jürgens bemängelte am Bauvorhaben unter anderen die geplante Lage auf der "grünen Wiese". "Das Dorfzentrum wird durch den Standort nicht vitalisiert", sagte der Professor. Generell gebe es landesweit eine regelrechte "Discounter-Schwemme", wobei die beiden Netto-Ketten als neueste Mitspieler auf den Markt der Arrivierten drängten. Eindringlich warnte Jürgens vor zu hohen Erwartungen in Bezug auf Gewerbesteuereinnahmen. Diese seien bei Discountern bestenfalls vergleichbar mit den Summen, die gut gehende Gaststätten in die Gemeindekassen spülen würden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass optisch wenig reizvolle Discounter-Bauten den individuellen Charakter eines Dorfes zerstören könnten. An Fallbeispielen wie dem in Hörnerkirchen interessiert den Kieler Professor, welche Möglichkeiten die Bürger haben, "sich gegen die Politik zu wehren".

An der Gesprächsrunde nahm auch Andreas Boost teil. Der Chef des örtlichen Edeka-Markes fürchtet einen Verdrängungswettstreit durch den neuen Discounter, ist aber wenig hoffnungsvoll, dass es noch eine friedliche Lösung geben wird: "Nach meinem Wissensstand ist der Bau nur noch durch ein Gericht zu verhindern." Um die Frage, ob Hörnerkirchen überhaupt einen zweiten Verbrauchermarkt verträgt, streiten sich seit Monaten nicht nur die Gemeindevertreter, sondern auch die Fachwelt. Ein Gutachten sagt ja, ein anderes nein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen