Stadtteilbücherei Hainholz : Dieser Umzug ist ein Mammutjob

Die alte Linotype soll dem Industriemuseum gespendet werden.
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Die alte Linotype soll dem Industriemuseum gespendet werden.

Mit 12 000 Büchern zieht die Bücherei um. Büchereileiterin Annette Kahl ist von den neuen Räumen begeistert.

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26. Februar 2013, 08:36 Uhr

Elmshorn | Immer den Überblick zu behalten, ist Annette Kahl eigentlich gewöhnt. Als Leiterin der Stadtteilbücherei Hainholz ist es Teil ihres Jobs, selbst völlig falsch abgestellte Bücher wiederzufinden und an ihren Platz zurückzubringen. Doch was die Bibliotheksleiterin in den kommenden Wochen leisten muss, ist schon ein wenig komplizierter: Ihr gesamter Bestand zieht um. 12 000 Bücher und etliche DVDs machen sich auf die Reise aus dem Altbau der Erich Kästner Gemeinschaftsschule, der abgerissen werden soll, in den benachbarten Neubau.

Zwar sind es nur wenige Meter, die zwischen der alten und der neuen Stadtteilbücherei liegen, doch der Umzug ist eine logistische Meisterleistung. "Die Vorbereitung hat Monate gedauert", berichtet Kahl. Neue Möbel mussten bestellt, ein Regalplan erarbeitet und die für die jeweiligen Themengebiete notwendigen Regalböden berechnet werden. "Den Bestand haben wir schon in der alten Bücherei umsortiert", berichtet Kahl. Den Rest macht eine Spedition, die auf Büchereiumzüge spezialisiert ist und eigens angefertigte Rollwagen mitbringt. So können ganze Themengebiete in kürzester Zeit den Standort wechseln.

Und der Unterschied zwischen alter und neuer Bücherei ist gewaltig. " Ich bin von den neuen Räumen total begeistert", sagt Annette Kahl, "sie sind richtig hell und lichtdurchflutet." Die Decke ist höher, die Fenster sind größer - und die Stillarbeitsräume für Schüler sind ebenfalls erhalten geblieben. Und noch etwas freut Kahl: Endlich verfügt die Stadtteil bücherei über einen eigenen Eingang, der den Nutzern aus dem Stadtteil gewidmet ist. "Ich hoffe auf viele neue Kunden", sagt Kahl, die das Angebot der Bücherei weiterhin auch auf die Bedürfnisse des Stadtteils ausrichten will. So gibt es schon jetzt eine große Auswahl an mehrsprachigen Büchern. Darunter sind beispielsweise auch türkisch-deutsche und russisch-deutsche Bilderbücher, aber auch Sprachkurse. Zudem ist die neue Bücherei so angeordnet, dass sich beliebte Literatur und Sachbücher zu Trendthemen wie Gartenpflege oder Kochbücher in der Nähe des Eingangs befinden. Das solle auch zum Stöbern einladen, sagt Kahl. "Ich möchte, dass wir als Stadtteilbücherei fest in Hainholz verankert sind", wünscht sich die Bibliothekarin, auch Veranstaltungen sollen dazu beitragen.

Annette Kahl sieht den Umzug auch als Chance, Putz zu machen. So wird die alte Setzmaschine, eine Linotype, die von den Elmshorner Nachrichten stammt, rausgeschmissen. "Als ich hier anfing, haben mich die Kinder noch gefragt, ob ich die Bücher, die man bei uns ausleihen kann, selbst gedruckt habe", erinnert sich Annette Kahl - mittlerweile ist das 20 Jahre her. Die Setzmaschine soll dem Industriemuseum gespendet werden. "Einige Regale aus dem Urbestand der Schule nehmen wir auch nicht mit", sagt die Bibliothekarin. Ihr Zustand sei mittlerweile zu schlecht. Und: Die 20 Meter lange Strickschlange, die unter der Decke hängt, wird auch zurückgelassen. "Falls sie ein KGSE-Fan haben will, kann er sie gerne abholen", verspricht Kahl.

Trotz des Umzugsstresses ist die Bibliotheksleiterin angetan von der Aktion. "Ich bin froh, dass ich das in meiner Karriere erleben darf. Dass Büchereien noch neu gebaut werden, gibt es so oft nicht mehr." Doch bis der Betrieb wieder losgeht, wird Kahl noch einiges erledigen müssen. Schließlich muss das Computersystem angeschlossen, einige Bücher sortiert und die Regalreiter an Ort und Stelle gesetzt werden. Der Ausleihbetrieb beginnt wieder am 4. März. Dann im Neubau der KGSE.

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