Wassersport : Dieser Schiffbruch ist kein Beinbruch

Sein Boot steht auf dem Gelände des Wassersportvereins. Jörn Schäfer will es wieder flott machen und dann aufbrechen.
Sein Boot steht auf dem Gelände des Wassersportvereins. Jörn Schäfer will es wieder flott machen und dann aufbrechen.

Der Elmshorner Wassersportverein hilft Paddler Jörn Schäfer, der Anfang Januar nach einer Havarie in der Krückaustadt gestrandet war. Im Sommer will er weiter: nach Skandinavien.

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21. Februar 2018, 14:30 Uhr

Elmshorn | Es reicht ein einziger Blick in seine Augen. Die erzählen, dass es ihm gut geht. Dass er angekommen ist. Sie erzählen von der Dankbarkeit, die er empfindet – und ein bisschen auch von dem Wunsch, wieder aufzubrechen, Elmshorn hinter sich zu lassen. „Ich habe diese Stadt liebgewonnen und besonders diesen Verein“, sagt Jörn Schäfer. Der Verein, das ist der Wassersportverein Elmshorn. Hier hat der „Schiffbrüchige“ ein neues Zuhause, neuen Halt und neuen Lebensmut gefunden. „Wir haben ihn als Menschen bei uns aufgenommen“, sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Löding.

Rückblick: Im Januar 2018 strandete der 45-Jährige in Elmshorn, nachdem er mit seinem selbst gebauten Paddelboot auf der Elbe gesunken war. Schäfer hatte nach dem Tod der Mutter sein altes Leben hinter sich gelassen. Als Aussteiger hatte sich der Leverkusener auf dem Wasser auf den Weg in ein anderes Leben gemacht. Als „Schiffbrüchiger“, Obdachloser und Mensch, der Hilfe braucht, landete er in Elmshorn.

Hilfe hat er bekommen – vor allem von den Mitgliedern des Wassersportvereins: Sie haben ihm auf dem Vereinsgelände Unterschlupf gewehrt. Sie haben einen Lastwagen organisiert, mit dem sie sein Boot, seinen Jollenkreuzer, den er im Internet ersteigert hatte, aus Seester abholen konnten. Er kann die Sanitäranlagen im Vereinshaus nutzen, auf seinem Boot schlafen und es wieder flott machen. „Ich kann hier so sein, wie ich bin“, sagt Schäfer. „Der Verein ist eine große Familie.“ Es ist zurzeit auch seine Familie.

Natürlich waren einige Vereinsmitglieder am Anfang skeptisch, als Jörn Schäfer im Januar auf dem Gelände auftauchte. Wochenlang hatte er zuvor abseits der Zivilisation gelebt. Mit seinem Rauschebart, seinem riesigen Rucksack auf den Schultern und dem Einkaufswagen, den er vor sich herschob, wirkte er auch auf Löding zunächst wie „ein komischer Vogel“. Doch der Vorstand war sich ganz schnell einig. Schäfer darf bleiben, zunächst für zwei Wochen auf Probe. Ein Vereinsmitglied hatte die Geschichte des „Schiffbrüchigen“ und den Hilfeaufruf in den EN gelesen, wusste, wer da kommt. „Seine Probezeit hat Jörn Schäfer mit Bravour bestanden“, sagt der Vereinsboss und nippt an seinem Kaffee. Zunächst schlief Schäfer noch in seiner Hängematte unter einem Schleppdach. Inzwischen ist er in sein Boot umgezogen. Und er packt mit an. „Jörn ist fleißig und hilft, wo er kann“, sagt Robert Gabriel, einer der „Holzwürmer“ unter den aktiven Wassersportlern. „Über Holz weiß er alles“, sagt Schäfer. Zu Eiko Behrens, dem Hafenmeister, ist eine besondere Beziehung entstanden. „Ich bin für ihn wie eine Mutter ohne Brust“, sagt Behrens und grinst.

Schäfer kann bleiben, so lange er will – kostenlos. Das hat ihm der Vereinschef versprochen. Doch der in Elmshorn Gestrandete will noch in diesem Sommer aufbrechen, zurück aufs Wasser und weiter nach Skandinavien. Der Abschied wird ihm schwer fallen, dass weiß er schon heute. „Durch meine positiven Erfahrungen habe ich das Vertrauen in die Menschen wiedergefunden.“ Nicht nur die Elmshorner Wassersportler helfen, wo sie können. Viele Bürger haben auf den EN-Artikel reagiert, Geld und Sachspenden angeboten. Eine Elmshorner Lehrerin stellte ein Zimmer zur Verfügung und fuhr Schäfer zweimal nach Hamburg, damit er sich um seine Sachen kümmern konnte. Das Zimmer hatte er dankend abgelehnt. „Das war mir dann doch zu kuschelig.“ Seinen Outdoor-Modus wird er wohl nie mehr so ganz ablegen.

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