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Elmshorner Nachrichten

26. September 2017 | 00:34 Uhr

Diese Familie ist tierisch erfolgreich

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Futterhaus Elmshorner Unternehmen will auf 500 Märkte wachsen / 293 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr erzielt

Eigentlich wollte Herwig Eggerstedt in seiner Heimatstadt Pinneberg einen Bio-Laden aufmachen. Aber dann kam die Atomkatastrophe von Tschernobyl dazwischen, es gab Probleme mit der Beschaffung der Waren. Eggerstedt eröffnete stattdessen 1987 in der Kreisstadt einen Laden für Tierfutter. Und langweilte sich erstmal, das Konzept funktionierte nicht. Das Schlüsselerlebnis für den Erfolg lieferte ihm dann eine Kundin, die im August Meisenknödel kaufen wollte. Die hatte Eggerstedt nicht im Angebot, im Sommer brauchen Singvögel kein zusätzliches Futter. Aber der Unternehmer begriff, dass er anbieten musste, was die Kunden wollten, und nicht das, was er selbst für sinnvoll erachtete. „Bis dahin wollte ich die Welt verbessern“, resümiert Herwig Eggerstedt heute.

Dass Bio und Nachhaltigkeit auch im Tierbedarf zum Thema werden, freut ihn trotzdem. Den Trend greift Eggerstedt allerdings nicht mehr nur in seinem Geschäft auf, sondern in einer Kette aus 321 Tierbedarfs-Läden unter dem Namen „Futterhaus“. 293 Millionen Euro Umsatz erzielten die Märkte im vergangenen Jahr, 2100 Mitarbeiter verkauften rund 30  000 verschiedene Artikel, darunter mehrere Eigenmarken.

Elmshorn war – nach Uetersen – Eggerstedts dritter Standort, heute sitzen dort die Zentrale und gleich zwei Läden. Ursache dafür ist die Waldorfschule im Ort: Die besuchten alle drei Eggerstedt-Kinder, aber die Anfahrt vom Wohnort Quickborn war aufwendig. Also verlegte Eggerstedt zuerst sein Büro und später auch seinen Wohnsitz nach Elmshorn, inzwischen ist die „Das Futterhaus Franchise GmbH &Co. KG“, so der offizielle Name, auch Mitglied in der Initiative Elmshorn. 2011 bezog das Futterhaus die neue Zentrale am Ramskamp, 104 Mitarbeiter haben dort ihre Büros.

1999 holte Eggerstedt mit dem Großhändler Bartels-Langness (Famila, Citty) einen kapitalstarken Kompagnon mit 49 Prozent in seine Firma, um die Expansion zu beschleunigen. Zwischen zehn und 30 neue Märkte hat er seitdem pro Jahr eröffnet: „Wir haben alles genommen, was nicht bei Drei auf den Bäumen war“, charakterisiert Eggerstedt diese Phase im Rückblick. Das Futterhaus ist ein Franchise-System, das bedeutet: Die Marktbetreiber sind eigenständige Kaufleute, die für die Übernahme des Konzepts eine Gebühr an die Elmshorner Mutter zahlen. Wenn ein guter Standort lockt, übernimmt das Futterhaus ihn; notfalls in Eigenregie, um dann einen Franchisenehmer zu finden. 78 Märkte betreibt das Futterhaus selbst, 243 Märkte werden von 113 Franchisepartnern betrieben. Das System scheint beliebt: 200 bis 300 Bewerbungen laufen pro Markt in Elmshorn ein.

70 Prozent des Umsatzes machen Hunde- und Katzenfutter aus. Die bilden auch das Rückgrat jedes Ladens; ob der Franchisenehmer dann Pferdefutter, Angelbedarf, Kleinsäuger, Terraristik oder Aquaristik dazu nimmt, hängt vom Standort und den Vorlieben des Franchisenehmers ab.

Der Verkauf von Tieren geht zurück, berichtet Eggerstedt, bei Kleinsäugern wie Meerschweinchen oder Chinchillas sogar dramatisch. Ursache laut Eggerstedt: 2012 gab es eine Million unter 18-jährige weniger als 2002, das sind viel weniger Kinder, die ein Streicheltier wollen.

Im Gegenzug differenziert sich der Markt für Hunde- und Katzenfutter immer weiter aus, es gibt Spezialmischungen für Indoor- und für Outdoorkatzen, für Welpen und für Senioren, für aktive Hunde oder solche mit Gelenkproblemen oder Unverträglichkeiten, für Tiere mit besonders langem Fell oder vegane Snacks aus Maismehl. Hundekörbe, -kissen oder -betten werden passend zum individuellen Wohnstil gekauft, erklärt Nadine Giese-Schulz, Schwiegertochter von Gründer Eggerstedt und gemeinsam mit dessen Sohn Andreas Schulz zweite Generation im Familienunternehmen.

Das Futterhaus soll in einem gesättigten Markt noch auf 500 Standorte wachsen. Größter Konkurrent ist Fressnapf mit mehr als 800 Märkten, der dritte große Wettbewerber ist in rund 160 Städten präsent. Die klassische, kleine Zoohandlung gibt es kaum noch, jetzt müssen die Ketten untereinander um Marktanteile kämpfen. Davor ist Eggerstedt nicht bange: „Wir können noch locker 200 bis 300 Läden in Deutschland aufmachen.“ Ins Ausland will er aus eigenem Antrieb nicht expandieren. In Österreich ist das Futterhaus vertreten, weil finanzkräftige Partner aus dem Nachbarland sein Konzept über die Alpen holen wollten.

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