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Nahversorgungskonzept Elmshorn : Die Zukunft von Lidl am Eiskeller steht auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Im Ausschuss für Stadtentwicklung ging es um die Frage, wie viele Geschäfte die Stadt verkraften kann.

Elmshorn | Wie viele Läden und damit Verkaufsfläche verträgt die Stadt? Unter dieser Leitfrage steht das Nahversorgungskonzept, das im vergangenen Jahr von der Stadt in Auftrag gegeben wurde. Jetzt wurden erste Ergebnisse in der Ausschusssitzung für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt. Ein Thema, das an dem Abend für Diskussionen sorgte: Wie geht es weiter mit dem Lidl am Eiskeller?

Andreas Gustafsson von dem Beratungsunternehmen Bulwiengesa präsentierte auf der Ausschusssitzung die Ergebnisse. „Es geht darum, Vertrauen zu schaffen“, begann Gustafsson seinen Vortrag. Nur wenn man ein schlüssiges und feststehendes Konzept habe, könne die Stadt Investoren anlocken.

Untersucht wurden unter anderem das Kaufkraftnivau, die Verkehrsanbindung und die demografische Entwicklung Elmshorns. Insgesamt zog Gustafsson daraus ein positives Resümee. „Man kann in Elmshorn etwa fünf Prozent mehr umsetzten. So groß sind die Spielräume also nicht. Das heißt, die Händler machen heute einen guten Job“, erklärte Gustafsson. Lediglich für mehr Modegeschäfte in der Innenstadt sehe er Potenzial. Auch eine Reaktivierung für den Lebensmittelhandel an der Berliner Straße halte er für sinnvoll. Vor Jahren war von dort ein Sky-Markt weggezogen.

Innenstadt soll gestärkt werden

Mehrere Zielsetzungen musste das neue Konzept erfüllen. „Die Stärkung der Königstraße ist oberstes Ziel. Alles andere muss sich unterordnen“, erklärte etwa Silke Faber, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung. Ein weiterer Vorsatz: Der Schutz von drei Nahversorgungszentren außerhalb der Innenstadt. So sollen die Geschäfte am Koppeldamm, in der Meteorstraße und in Hainholz unbedingt erhalten bleiben.

Aus diesem Grund tut sich die Stadt schwer mit dem Anliegen von Lidl. Entweder die Stadt genehmigt die Erweiterung der Filiale oder der Discounter zieht sich von dem Standort Am Eiskeller zurück – so lautete die Ankündigung des Handelsriesen, die die Stadt im vergangenen Jahr erreichte. Befürchtet wurde, dass ein größerer Markt Kunden von den Nahversorgungszentren abziehe. Kleine Läden, die ein Vollsortiment anbieten, müssten vielleicht geschlossen werden, während die Discounter weiter wachsen. Bislang sei das Sortiment von Lidl begrenzt und deutlich eingeschränkter als das der Vollsortimenter. Mit größeren Märkten müsse das aber nicht so bleiben, erklärte Gustafsson.

„Wir müssen auch an andere Discounter denken und uns fragen, was die Stadt verträgt“, sagte der Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) in der Sitzung. Er erklärte, dass sich auch der Aldikonzern größere Läden wünsche. „Wie sollen wir das rechtfertigen, wenn wir bei Lidl 1000 Quadratmeter zulassen und bei anderen nicht?“, argumentierte auch Andreas Hahn (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Gegen die Erweiterung spreche auch der Umstand, dass der Discounter laut Argumentation von Gustafsson kein Nahversorger sei. „Lidl zieht Kunden an, die mit dem Auto unterwegs sind“, erklärte Hatje. Eine gute Verkehrsanbindung sei darum wichtiger als die Nähe zum Wohngebiet. „Und wer sagt denn, dass es keinen anderen Wettbewerber gibt, der sich dort einfindet“, sagte der Bürgermeister.

Stadt soll sich nicht erpressen lassen

„Wenn die mehr Umsatz machen möchten, dann ist das deren Problem“, meldete sich Hajo Brockmann aus dem Publikum zu Wort. Seiner Meinung nach dürfe sich die Stadt nicht von Lidl erpressen lassen, „das betrifft uns nicht.“

„Natürlich betrifft uns das! Wo sollen die alten Leute denn einkaufen gehen?“, entgegnete Katrin Timm, die sich an einer Bürgerinitiative zur Erhaltung des Marktes beteiligt hatte.

Am heutigen Donnerstag befasst sich eine weitere Sitzung des Ausschusses mit dem Bebauungsplan am Eiskeller. In der Vorlage zur Sitzung ist zu lesen, dass die Verwaltung eine Erweiterung des Marktes nicht empfiehlt. Eine letztgültige Entscheidung kündigt Ausschussvorsitzender Hahn aber erst nach der Sommerpause an.

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erstellt am 30.Jun.2016 | 12:15 Uhr

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