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„Pauschalurlaub geht nicht mehr“ : Die Wiedekamms aus Elmshorn haben die Welt umrundet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Peter und Heidi Wiedekamm sind vier Jahre lang mit ihrem Boot „Stormvogel“ um die Welt gesegelt. Ein Reisebericht.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 16:15 Uhr

Elmshorn | Irgendwann stellte Heidi Wiedekamm ihren Mann vor die Wahl: Entweder belegen sie einen Tanzkurs oder einen Segelkurs. „Ich bin eigentlich ein Mensch, der vor Entscheidungen erst einmal eine Nacht drüber schlafen muss. Aber damals war die Sache sofort klar: Wir gehen segeln“, erzählt Heidis Mann Peter. 2003 gingen die Elmshorner das erste Mal an Bord und lernten das Segeln auf Elbe und Krückau. Damals wussten sie noch nicht, dass sie damit den Grundstein zu einem großen Abenteuer legten.

„Wir haben viel zusammen aufgebaut. Irgendwann kommt man an einen Punkt, wo man sich fragt: War´s das schon?“, erzählt Peter Wiedekamm, der damals bei einer Softwarefirma arbeitete. Seine Frau leitete den Hauswirtschaftsbereich einer Berufsschule. Das Ehepaar fasst einen Plan: Eine Weltreise mit einem Segelboot. Sie kündigen ihre Jobs, kaufen im Februar 2012 das 14-Meter-Boot „Stormvogel“ und brechen am 14. Juli des selben Jahres auf. „Wir wollten einen Wendepunkt. Wenn man einfach kündigt, hängt man am Ende nur vor dem Fernseher“, findet Peter Wiedekamm.

So schnell nach dem Bootskauf loszufahren, sei naiv gewesen und auch ein bisschen verrückt, findet das Paar rückblickend. „Aber wenn man weiß, was alles auf einen zukommt, fährt man gar nicht erst los“, sagt Peter Wiedekamm. Zum Beispiel diese Nacht im Pazifik, irgendwo zwischen Australien und Vanuatu. Peter Wiedekamm wollte zu Bett gehen, als er ein komisches Geräusch hörte, nachsah und feststellte, dass Wasser ins Boot gelaufen war.

 

„Es war nachts, stockdunkel, und ich hatte überhaupt keine Lust auf Drama“, sagt Heike Wiedekamm heute. Aber das Wasser war da „und wir drohten wirklich abzusaufen“, ergänzt Peter Wiedekamm. Die beiden kämpfen, schütten das Wasser raus. Währenddessen positionieren sich Seglerfreunde um ihr Boot herum und rufen Hilfe. „Sie konnten uns in dem Moment nicht helfen, zur Not hätten sie uns herausgefischt“, sagt Peter Wiedekamm. Am Ende hat die australische Küstenwache ein Containerschiff umgeleitet, um den Elmshornern zu helfen. „Es stellte sich heraus, dass es nur eine gebrochene Schraube war. Aber da kamen pro Minute 20 Liter Wasser rein.“

Peter und Heidi Wiedekamm erkundeten traumhafte Inseln.
Peter und Heidi Wiedekamm erkundeten traumhafte Inseln. Foto: Wiedekamm
 

Das ist nur eine Episode ihrer Weltreise. Vieles ging schief. „Man repariert sich um die Welt“, sagt Peter Wiedekamm. Die beiden haben aber auch viel Schönes zu erzählen. Wie sie bei glühender Hitze überlegen, auf einem thailändischen Markt ein Huhn zu kaufen. „Meine Frau ist Hauswirtschaftlerin. Rohes Fleisch, ungekühlt – das geht doch nicht“, sagt Peter Wiedekamm. Am Ende ließen sich die Elmshorner darauf ein. „Alle anderen Segler haben uns für verrückt gehalten. Wir waren das einzige Boot. Aber es war so lecker“, erzählt Peter Wiedekamm.

Oder wie sich in Indonesien regelmäßig ein Pulk neugieriger Kinder um das Paar bildete. „Die wollten unbedingt, dass wir ein Foto von ihnen machen. Und wenn man nicht fotografierte, war das unhöflich und die Kinder wurden maulig“, sagt Peter Wiedekamm. Freundlich seien sie dort empfangen worden und hätten als Deutsche viel Anerkennung erlebt. „Die Kinder dort kennen die deutschen Fußballspieler. Und deutsche Automarken auch“, sagt Peter Wiedekamm, „Da kommt in Indonesien ein kleiner Stöpkes im Özil-Shirt vorbei.“

Die „Stormvogel“ vor Anker.

Die „Stormvogel“ vor Anker.

Foto: Wiedekamm
 

Peter und Heidi Wiedekamm erzählen viel von den Menschen, die sie auf ihrer Reise getroffen haben. Wie Freundschaften unter Segler entstehen – fast automatisch. „Jedem ist dort schon etwas Schlimmes passiert“, erklärt Heidi Wiedekamm. Sturmschäden, Verletzungen, Wasser im Boot – weil Segler wüssten, dass ihnen das auch passieren könne, ist die Hilfsbereitschaft untereinander groß. Sie trafen auf Fremde, die sie einfach zu sich einluden, Einsiedler, die mitten im Nirgendwo ankern um ein Buch fertig zu schreiben, Seglerfamilien, die kleine Kinder dabei hatten. Nach vier Jahren auf Reisen lief das Boot von Heike und Peter Wiedekamm 2016 wieder in Hamburg ein. Viel haben sie erlebt. „Pauschalurlaub, das geht jetzt nicht mehr. Und auch keine Kreuzfahrt“, sagt Peter Wiedekamm.

Der neue Elmshorner Parimare Verlag wird auch mit einem Stand auf der Hamburger Messe Hanseboot zu finden sein. Dort können Interessierte Heidi und Peter Wiedekamm besuchen. Peter Wiedekamm wird zwei Vorträge halten. Am Sonnabend, 28. Oktober, 11 Uhr, spricht er zu dem Thema „17000 Inseln: Indonesien mit dem Boot erkunden“ auf der Bühne in Halle B1.OG C.119. Ebenfalls am Sonnabend spricht er unter dem Titel „Die Abkürzung der Barfußroute: Yachttransport per Seeschiff“ um 16 Uhr auf der selben Bühne.
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