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Elmshorner Nachrichten

23. August 2017 | 20:15 Uhr

Die Stiftskirche wird 125 Jahre alt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Jubiläum Die „Pencil-Church“ kann auf Wurzeln fußen, die bis ins Jahr 1650 zurückreichen / Geburtstag wird am 3. Juli gefeiert

Genau genommen stimmt das Geburtstagsdatum ja gar nicht: Das „Präbenden-Stift“, das der Stiftskirche seinen Namen gab, existiert nämlich bereits seit dem Jahr 1650. Es wurde kurz nach dem 30-jährigen Krieg gebaut, also vor 366 Jahren. Damals gründete Christian Graf von Rantzau, der sich gerade zuvor das Amt Barmstedt gekauft hatte, in Elmshorn ein Armenhaus. Die Keimzelle des späteren Stifts, dem die Kirche ihren Namen verdankt. Auch wenn dieses Stift damals an einem völlig anderen Ort stand.

„Praebende“ – das Wort kommt aus dem mittellateinischen und bedeutet in diesem Zusammenhang Schenkung. Alte Damen durften ihren Lebensabend unentgeltlich im rantzauschen Stift verbringen – auch wenn es ein sehr karger Lebensabend war.

1663 – das ursprüngliche Stift war gerade abgebrannt – gab es den ersten Umzug in die heutige Königstraße. In einer „Zelle“ wurden fast 80 Jahre „Betstunden“ gehalten.

1740 wurde eine Kapelle angebaut – man könnte also sagen, die erste „Stiftskirche“ (oder „Pencil-Church“, wie manche Lästermäuler auf neudeutsch sagen).

In den Gründerjahren wurde der Platz, auf dem das Präbendenstift stand, wichtig und wertvoll. Da es mittlerweile sehr verwohnt war, riss man es ab und baute es 1891 an anderer Stelle wieder auf – an der Friedensallee, gleich neben dem Friedhof, damals noch vor den Toren der Stadt. Und statt einer Kapelle wurde eine „richtige“ Kirche an die Stift-Rückseite gesetzt. Die jetzige Stiftskirche war geboren – wobei noch etwas Wichtiges fehlte: Eine dazugehörige Gemeinde. Die gibt es erst seit 1956 mit der Teilung der Gemeinde Elmshorn in vier Einzelgemeinden.

Bereits zehn Jahre später gab es die nächste Teilung: Die Stiftskirche hatte eine große Schwester bekommen. Knapp 1,5 Kilometer nördlich war die Thomaskirche gebaut worden. Und damit entstand eine eigenständige Thomaskirchengemeinde.

Das Stift war mittlerweile in die Jahre gekommen. Der Wohnkomfort entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Es musste ein Neubau her – den allerdings das Stiftungsvermögen nicht hergab. So wurde das Eigentum am gesamten Gebäudekomplex, also Wohnheim und Kirche, dem Kirchengemeindeverband Elmshorn übertragen. Das Stift wurde in der Folge abgerissen und nebenan neu aufgebaut, die Kirche 1972 renoviert. Der Altarraum wurde um ein Joch erweitert. Es floss plötzlich Licht in den vorher düsteren Raum. Und ein Elmshorner Pastor bemerkte später: „Die garstigste Kirche der Stadt war auf einmal schön geworden – fast wie bei Hans Christian Andersens Märchen vom hässlichem Entlein.“

Noch mehrfach veränderte die Kirche an der Ost-West-Brücke ihren Charakter. So zum Beispiel 2003, als sich die Gemeinde entschloss, die Kirchenbänke zu entfernen und durch einzelne Stühle zu ersetzen. Dadurch wurde das Kirchenschiff variabel und bietet seither hervorragende Möglichkeiten für Ausstellungen und Musik.

Durch die Fusion mit der Thomaskirche 2013 zur Emmaus-Kirchengemeinde verstärkte sich die Ausrichtung der Stiftskirche zu Gottesdienstangeboten mit eher stiller, meditativer Prägung. Und spätestens seit das Gemeindehaus von einer Kindertagesstätte belegt ist, haben sich die Gemeindeaktivitäten außerhalb des Kirchenraumes weitestgehend auf die Thomaskirche verlagert.

Immer noch aber ist die Kirche Teil des „Gräflich Rantzaulichen Präbendenstifts“. Und immer noch prangt über der Eingangspforte das gräflich rantzau’sche Wappen. Es erinnert an die Geschichte einer bescheidenen aber feinen alten Dame, die in diesen Tagen 125 Jahre alt wird.

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