Verkehr in Elmshorn : Die Stadt entschärft Gefahrenstelle

Die neue Wegführung für Fahrradfahrer im Kreuzungsbereich bei der Ansgarkirche (Hintergrund) soll auch die Gefahren für Schulkinder verringern.
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Die neue Wegführung für Fahrradfahrer im Kreuzungsbereich bei der Ansgarkirche (Hintergrund) soll auch die Gefahren für Schulkinder verringern.

Grundsanierung der Ansgarstraße wird mit Neugestaltung des Verkehrsknotens an der Kirche abgerundet. Mehr Sicherheit für Radler.

shz.de von
28. Januar 2015, 12:00 Uhr

Elmshorn | Zukünftig werden Radfahrer nicht nur auf dem Ellerndamm und Wedenkamp bei Rot an der Ampel vor den Autos auf „freie Fahrt“ warten. Auch an der Kreuzung der Ansgarstraße mit der Storm- und Wasserstraße wird es sogenannte Aufstellflächen geben. Und: Auf roten Streifen soll der Radverkehr im Verlauf der Ansgarstraße ohne die bisherigen Verschwenkungen direkt über die Kreuzung geführt werden. Der Grund: Autofahrer haben dann die Radfahrer beim Abbiegen besser im Blick, die Gefahr von Zusammenstößen wird deutlich verringert.

Einstimmig sprachen sich am Montag die Mitglieder aller Fraktionen im zuständigen Ausschuss für kommunale Dienstleister generell für die Umgestaltung der Kreuzung aus. Sie machten damit den Weg für eine weiter ins Detail gehende Planung frei. Die Mitarbeiter des Flächenmanagements in der Stadtverwaltung sowie das für die Sanierung der Ansgarstraße zuständige Planungsbüro sollen jetzt die genaue Umgestaltung entwerfen.

Die Kosten für das Projekt stehen noch nicht fest, sollen aber so gering wie möglich gehalten werden. Die Mittel sollen aus dem im Haushalt 2015 bereits festgesetzten Etat für die Radverkehrsförderung und die Radwegeunterhaltung bestritten werden.

Die Politiker haben die Generalsanierung der Ansgarstraße zum Anlass genommen, die Kreuzung umzugestalten. Wie berichtet, soll im Frühjahr während eines letzten Bauabschnitts die Ansgarstraße bis zur Kreuzung mit der Storm- und der Wasserstraße erneuert werden. Deshalb bietet es sich auch aus Kostengründen an, die Kreuzung gleich im Anschluss für Radfahrer und Fußgänger sicherer zu gestalten. Im Elmshorner Radwegekonzept gilt der Verkehrsknotenpunkt als ein Gefahrenschwerpunkt, der zudem von vielen Schülern passiert wird, die einerseits zum Beispiel zur Bismarckschule, andererseits zur Erich Kästner Gemeinschaftsschule wollen.

Umgestaltung der Kreuzung

Das Radverkehrsgutachten der Stadt (Veloroutenkonzept) aus dem Jahre 2011 sieht eine Umgestaltung der Kreuzung vor. Hauptforderung der Experten ist die jetzt vorgesehene gradlinige Führung des Radverkehrs zwischen City und dem Süden der Stadt über die Kreuzung.

Dies ist der Verlauf der Veloroute 1. Sie ist die große, acht Kilometer lange Nord-Süd-Verbindung westlich der Bahn vom Pfahlkrug über die Innenstadt bis zur Dorfstraße in Klein Nordende. Diese Route trifft an der Kreuzung bei der Ansgarkirche auf die Veloroute 5, die fast sieben Kilometer vom Hasenbusch über Hafenspange, Klostersande und Wasserstraße bis zur Plinkstraße führt.

Damit beide Routen besser verknüpft werden können, also das Abbiegen für Radfahrer sicherer wird, sind weitere Maßnahmen vorgesehen: In der Wasserstraße und der Stormstraße sollen vor den Ampeln Aufstellflächen für Radler entstehen. Zudem werden für abbiegende Fahrradfahrer, die in der Ansgarstraße unterwegs sind, auf beiden Seiten kleine Abbiegebuchten eingerichtet, damit die Radler warten und die Ansgarstraße bei Grün kreuzen können.

Der erste Entwurf zur Umgestaltung der Kreuzung Ansgarstraße/Wasserstraße/Stormstraße. Rot sind die Radwege, die Radstreifen über die Kreuzung im Verlauf der Ansgarstraße sind gestrichelt dargestellt.
Der erste Entwurf zur Umgestaltung der Kreuzung Ansgarstraße/Wasserstraße/Stormstraße. Rot sind die Radwege, die Radstreifen über die Kreuzung im Verlauf der Ansgarstraße sind gestrichelt dargestellt.
 

Radfahrer, die aus der Wasserstraße kommend entlang der Ansgarstraße in Richtung Innenstadt wollen, werden weiterhin den Radweg nutzen können, der erst einige Meter von der Kreuzung entfernt auf den Radweg der Ansgarstraße stößt. Wer aber von der Wasserstraße aus in Richtung Lieth abbiegen oder geradeaus in die Stormstraße radeln will, wird auf eine Aufstellfläche auf der Fahrbahn vor der Ampel geführt.

„Es gibt im Detail noch viel zu klären und zu prüfen“, sagte Petra Langefeld während der Ausschusssitzung. Die Leiterin des Flächenmanagements stellte den Politikern den ersten groben Entwurf der Planung vor. Sie konnte die Ausschussmitglieder aber generell von der Umgestaltung der Kreuzung überzeugen. Im Verlauf der nächsten Wochen sollen dann die exakten Pläne nebst Kosten den Politikern vorgelegt werden.

Das Abbiegen von Autos und Lastwagen ist nach Auffassung von Verkehrsexperten eine der größten Gefahren für Fahrradfahrer. Der Grund: Die Radler sind an Einmündungen und Kreuzungen oft auf Radwegen unterwegs, auf denen sie kaum im Blickfeld der Autofahrer sind. Der tödliche Unfall eines 58-jährigen Elmshorner Radfahrers an der Kreuzung Steindamm/Hamburger Straße  im Jahre 2012 ist dafür ein trauriges Beispiel. Und: Sechs der elf 2014 in Hamburg tödlich verunglückten Radfahrer sind von Autos angefahren oder überrollt worden, vier von ihnen beim Abbiegen der Fahrzeuge. In der Hansestadt wie in Elmshorn sollen deshalb weitere Kreuzungen und Einmündungen entschärft und die Radwege gradlinig geführt werden. In Elmshorn ist dies zum Beispiel zuletzt bei Einmündungen am Steindamm, dem Mühlendamm oder auch der Friedensallee geschehen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) empfiehlt sogar das Radfahren auf der Fahrbahn, also im Blickfeld der motorisierten Verkehrsteilnehmer.
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