Hochhaus-Brand : „Die Spendenbereitschaft ist enorm"

Klaus Salke (links), Ute Pohl und Silas Klimaschewski sortieren in ihrer Feizeit die Spenden in dem privaten Spendenbüro an der Straße Klostersande 43.
Klaus Salke (links), Ute Pohl und Silas Klimaschewski sortieren in ihrer Feizeit die Spenden in dem privaten Spendenbüro an der Straße Klostersande 43.

Elmshorner Bürger und Geschäftsleute ebnen Opfern des Feuers in der Beethovenstraße Weg für den Neuanfang

shz.de von
25. Juni 2014, 10:00 Uhr

Der Schreck steht den Opfern des Großfeuers vom Wochenende zwei Tage nach dem Inferno noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Mit versteinertem Blick schauen sie auf ihr Hochhaus in der Beethovenstraße. Fassen es immer noch nicht, dass ihr Hab und Gut verloren ist. Andere Brandopfer suchen noch gänzlich blass von der Tragödie Hilfe im Rathaus. Dort stehen seit gestern auch zwei Mitarbeiter des Vermieters Deutsche Annington Rede und Antwort. Überall in Elmshorn formieren sich Gruppen und sammeln Spenden für die Betroffenen des Brandes.

„Die Spendenbereitschaft ist enorm“, sagt zum Beispiel Nicole Jung. Die Elmshornerin ruft über das soziale Netzwerk Facebook zu Sachspenden auf. Von allen Seiten bringen Privatleute, Schulen oder Unternehmer Klamotten und Hygieneartikel ins Sammelzentrum auf Klostersande 43. Für Kleinkinder sind auch Windeln in begrenzter Menge vorrätig. „Wir haben Klamotten in jeder Größe, für Jungen und Mädchen genauso wie für Frauen und Männer“, sagt Jung weiter. Sie und ihre Helfer erhalten täglich Ware. Von 9 bis 18 Uhr können Brandopfer der Beethovenstraße dort täglich vorbeischauen. „Es kommen leider noch sehr wenig“, so Jung. Vielleicht trauten sich einige nicht, da die Scham wohl sehr groß sei, glaubt Jung. Doch das müsse nicht sein. In dem kleinen Laden schaue niemand den anderen unwürdigend an.

Auch Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje ist angesichts des großen Zusammenhalts in der Stadt von der Spendenbereitschaft erfreut. Große Mengen an Kleidung und Sachspenden seien angeboten worden. „Wir sammeln erst einmal alles und werden dann je nach Bedarf die Familien ausstatten“, so Hatje. Das werde eine logistische Meisterleistung mit dem Betriebshof werden, vermutet Hatje. Die Rathausmitarbeiter, die selbst bis zur Belastungsgrenze mit dem Großbrand zu tun haben, wissen selbst zurzeit nicht, wo sie die Spenden zwischenlagern sollen. „Wir werden eine Lösung finden“, so Hatje.

Soforthilfe für die Opfer des Hochhausbrandes bieten auch die Awo und der DRK-Orstverein Elmshorn. Nach Absprache mit der Stadt Elmshorn gilt folgendes Hilfsangebot: Alle Betroffenen können sich sowohl in den Sozialkaufhäusern als auch bei der Kleiderkammer des DRK unentgeltlich mit notwendiger Kleidung versorgen. Betroffene müssen nachweisen, dass sie im Brandhochhaus gelebt haben.

Großes Problem: Geld. Viele vom Brand betroffene Menschen stehen ohne einen Cent in der Tasche da. Zwar möchten etliche Elmshorner Geld spenden. Das jedoch stellt die Stadt vor ein Problem. „Wir als Verwaltung können diese Gelder nicht so ohne Weiteres verteilen“, erzählt der Bürgermeister. Wo welche Bedürftigkeit liege, da nur wenige Bewohner des Brandhauses versichert seien, können er und Kollegen nicht so einfach bewerten. Möglicherweise könne das Elmshorner Spendenparlament diesen gerechten Part übernehmen. Andere Service- und GesellschaftsKlubs der Stadt hätten zudem signalisiert, in Härtefällen unkompliziert monetäre Hilfen bereitzustellen. Ein Grundstock an Geld sei so sicher. Über ein offizielles Spendenkonto wird zurzeit noch im Rathaus diskutiert.

Wer Hilfe braucht, kann tagsüber im Rathaus nach Unterstützung fragen.

Großbrand: Hier gibt es Unterstützung

Stadt Elmshorn – Telefonkontakte: Hotline für betroffene Bewohner: (04121) 231-472.  Hotline Spendenangebote: (04121) 231-465.  Angebote von Wohnraum: (04121) 231-279.

Kleidung und Hygieneartikel: Private Spendenaktion über das soziale Netzwerk facebook. Anlaufstelle für Betroffene: Klostersande 43, Elmshorn, täglich 9 bis 18 Uhr. Name der Gruppe: Hilfe für Beethovenstraße.

Sozialkaufhaus: Elmshorn, Gärtnerstraße 10. Öffnungszeiten: Montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 11 Uhr.

DRK-Kleiderkammer: Feldstraße 15. Geöffnet jeden Tag bis einschließlich Freitag,  27. Juni, je von 14.30 bis 17 Uhr.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen