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Elmshorner Nachrichten

11. Dezember 2017 | 03:23 Uhr

Wahrzeichen : Die Rückkehr der "Klostersande"

vom

Nach fast 13 Jahren kehrte am Dienstag mit der "Klostersande" der letzte Haferfrachter der Köllnflockenwerke in den Hafen zurück. Die EN begleiteten die Fahrt von Hamburg nach Elmshorn.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 09:32 Uhr

Elmshorn | Die blaue Farbe blättert ab, die Rostflecken sind nicht zu übersehen, einige Lettern der Beschriftung auf der Seite des Schiffes sind herabgefallen: Keine Frage, die "Klostersande" hat schon bessere Tage gesehen. Und doch, da ist er, dieser spezielle Charme des alten Haferfrachters der Köllnflockenwerke: Beinahe majestätisch streckt sich ihr blau-weißer Bug dem Himmel entgegen. Die alte Dame liegt seit zwei Jahren hier an einer ehemaligen Zollstation in der Norderelbe. Holtz zögert nicht. Zielstrebig steuert er das Schiff an, wenige Momente später steht er hinter dem Steuerrad auf der Brücke. Seiner Brücke. Nach 13 Jahren ist er, der ehemalige Kölln-Kapitän, wieder am Ruder.
Was folgt, wirkt noch immer wie Routine: Holtz überprüft die Maschine, wenige Momente später, es ist genau 10.15 Uhr, wirft er sie an. Der Deutz springt mit einem gewaltigen Dröhnen an, noch immer läuft der Zwölfzylinder tadellos. Einige Überprüfungen später taucht der Kapitän wieder an Deck auf. Ein Handzeichen - "Ballast tanken!" - und sein ehemaliger Bootsmann flitzt los. Denn leer ist die "Klostersande" schwieriger zu manövrieren, das Ruder schaut zu weit aus dem Wasser. Doch die Pumpe läuft nicht. Auch das Rettungsboot, bemerkt Holtz, fehlt. "Ohne fahre ich nicht los", betont er. Als Ersatz muss ein Schlauchboot an Bord genommen werden. Auf Ballast muss Holtz allerdings verzichten.

"Sogar meine alte Bettdecke ist noch da"


10.35 Uhr: "Das sieht alles gut aus", zeigt sich Holtz zufrieden. Er steht auf der engen Brücke mit der damals revolutionären sechseckigen Form "das hatte kein Binnenschiff. Da sind die damals nach Elmshorn gekommen, haben fotografiert. Spionage!", erinnert sich Holtz. Mittlerweile ist die Pracht etwas mitgenommen. Doch die Technik läuft. Hier dreht Holtz an einem Rädchen, dort drückt er einen Knopf, dann setzt das ihm so vertraute Knarzen und Knattern des Funkgeräts ein. Holtz überprüft die Maschinentemperatur, gibt dann das Signal: "Abfahrt". Um exakt 11.15 Uhr legt die "Klostersande" in Hamburg ab. Und Holtz ist wieder Kapitän. Die "Klostersande" nimmt Kurs auf die Krückau, Kurs auf Elmshorn. Nach dem Passieren der ersten Brücke richtet Surrow die Fahnenmäste auf, noch vor der Einfahrt in den Hamburger Hafen flattert der Kölln-Wimpel mit der Elmshorner und der schleswig-holsteinischen Flagge im Wind. "AIDAsol", Elbphilharmonie, Landungsbrücken - die "Klostersande" tuckert gemächlich entlang der Attraktionen durch den Hamburger Hafen. Der Eigner des Schiffes, Andreas Bätjer, übernimmt das Steuer.
Surrow nutzt die Gelegenheit, um das Schiff genauer zu inspizieren. Unter Deck ist alles noch so, wie sie es vor 13 Jahren verlassen hatten: das Dekor der 60er-Jahre - dunkle Holzvertäfelung und Netzgardinen - mag Geschmackssache sein, gut in Schuss ist es allemal. Nur etwas verstaubt. An der Wand hängen verblichene Fotos des Elmshorner Hafens. Surrow setzt sich in seine Kajüte, "sogar meine alte Bettdecke ist noch da", sagt er erstaunt.

Die Nationalhymne erklingt


12.35 Uhr: Das Willkomm Höft in Wedel kommt in Sicht, die Nationalhymne erklingt. "Wir sind das einzige Binnenschiff, das hier begrüßt wird", sagt Holtz und winkt den Seh-Leuten stolz zurück. "Das ist doch was" - den Anflug von Nostalgie gönnt er sich.
13.20 Uhr: Pagensand kommt in Sicht. Holtz übernimmt das Steuer, jetzt wird es hektisch, doch problemlos manövriert der Elmshorner das Schiff durch das Sperrwerk. Kurz danach wird es festgemacht. Erst um 17.40 Uhr will Kapitän Holtz die Weiterfahrt antreten, dann ist die Flut in der Au am höchsten.

"Das war meine letzte Fahrt"


Das Schiff wird über die Toppen geflaggt, das Wasser steigt reichlich, die letzten Sorgenfalten verschwinden aus Holtz’ Gesicht: "Da werden wir keine Probleme haben", sagt der erfahrene Schipper. Ein Schlauchboot der DLRG fährt der "Klostersande" voraus. Tatsächlich manövriert Holtz den Frachter durch den engen Fluss, als habe er nie etwas anderes getan. Immer enger windet sich die Krück au gen Elmshorn, immer mehr Schaulustige versammeln sich am Deich, fotografieren, filmen und winken dem Schiff zu. "Wir heißen die Klostersande in ihrem Heimathafen willkommen", so die lautstarke Ansage vom Wasser-Sportverein Elmshorn - begleitet wird der Willkommensgruß von Feuerwerk und begeisterten Rufen. Kapitän Holtz beantwortet mit dem Schiffshorn. Surrow steht am Bug, kann es kaum fassen: "So eine Begrüßung hatten wir noch nie."
Hunderte Menschen haben sich am Hafen versammelt. Seelenruhig - und flott - manövriert Holtz die "Klostersande" erstmals durch die aufgeklappte Käpten-Jürs-Brücke und macht am Nordufer fest. Er wendet das Schiff nicht - der Ballast fehlt. Und obwohl alles gut lief, obwohl der Empfang überwältigend war: "Das war meine letzte Fahrt", meldet Holtz sich ab. Der Schipper ist 74, längst im Ruhestand - und "sein" Schiff ist wieder in der alten Heimat. "Das war eine tolle Fahrt", sagt Holtz, und wenn es nach ihm geht, dann braucht die "Klostersande" Elmshorn auch nicht mehr verlassen.
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