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26. April 1945 in Elmshorn : Die Opfer bleiben letztlich ungezählt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Selbst über die genaue Anzahl der Toten vom 26. April 1945 herrscht nach 70 Jahren noch keine genaue Klarheit.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 12:43 Uhr

Elmshorn | In einem undatierten Bericht des Elmshorner Polizeioberleutnant Willi Möller heißte es zu den Opfern vom 26. April 1945: An Toten waren 31 Männer, 28 Frauen, 20 Kinder, sechs Wehrmachtsangehörige und vier Ausländer zu verzeichnen. Schwer verletzt wurden 14 Männer, 16 Frauen, zehn Kinder, vier Wehrmachtsangehörige und zwei Ausländer. Leichte Verletzungen erlitten jeweils zwölf Männer und Frauen, sieben Kinder, vier Soldaten und drei Ausländer.

Die Zahl der Todesopfer stimmt nicht mit der Zahl überein, die von der Pinneberger Kreisverwaltung im Februar 1949 erstmals öffentlich bekanntgegeben und von der Tageszeitung „Hamburger Echo“ am 22. Februar 1949 veröffentlicht wird. Vermutlich sind in der Zwischenzeit noch einige Opfer ihren Verletzungen erlegen, denn von Seiten der Kreisverwaltung wird von 92 Toten beim Luftangriff am 26. April 1945 in Elmshorn gesprochen. Die 2012 erstmals vom ehemaligen Leiter des Elmshorner Stadtarchivs, Karl Heinz Kuhlemann, in den Materialen zur Elmshorner Geschichte veröffentlichte Auflistung der Bombenopfer laut Sterbebücher gibt für den 26. April sowie die folgenden Tage und Wochen (bis 5. Juni 1945) insgesamt 96 Namen an.

In dem Bericht der Kreisverwaltung von 1949 wird festgehalten, dass im Kreis Pinneberg während des Zweiten Weltkrieges 306 Zivilpersonen durch Luftangriffe, Tieffliegerangriffe, Flakbeschuss und Sprengungen ums Leben gekommen sind. Bei den insgesamt 25 Luftangriffen auf Ziele im Kreisgebiet gab es die mit Abstand größten Verluste in Elmshorn: Fast die Hälfte der Opfer, 144 Menschen, verlieren in Elmshorn ihr Leben.

Die Diktatur der Nazis forderte aber auch viele weitere Opfer aus und in Elmshorn. Da sind zum einen die Männer von der Krückau,  die neben Millionen von Soldaten  anderer Nationen im Krieg ihr Leben lassen mussten, aber auch Zwangsarbeiter (2146 Personen waren in 242 Elmshorner Betrieben tätig) und Kriegsgefangene, von denen eine ganze Reihe in Elmshorn gestorben ist. Es gingen zudem Kinder und Schwache, die an der Mangelernährung und schlechter medizinischer Versorgung leiden mussten, genauso zu Grunde wie nach ihrer Flucht völlig Erschöpfte. Sowohl für die im Krieg Gefallenen, als auch für die toten Zwangsarbeiter gibt es je einen Gedenkstein auf dem Elmshorner Friedhof.

Ein weiterer Gedenkstein steht in der Schulstraße. Er erinnert an die Menschen, die von den Nazis wegen ihrer  politischen Einstellung gefoltert und getötet worden sind. Ein Platz am Flamweg ist das größte Mahnmal: Wo einst die Elmshorner Synagoge von den Nazis niedergebrannt worden ist, kann sich jeder Besucher vor Augen führen, dass das Regime auch die komplette jüdische Gemeinde in der Stadt vernichtet hat. Es gab sie seit 1685 und sie hatte zeitweise mehr als 200 Mitglieder. Nach Enteignung und Vertreibung, oder auch durch Selbstmord, gab es am 22. November 1943 keinen Juden mehr in der Stadt. 21 Elmshorner mit jüdischem Glauben haben die Nazis in Konzentrationslager deportiert – keiner von ihnen überlebte.

Nicht zuletzt warteten  nach dem Krieg unter anderem in den USA, Großbritannien und Kanada  auch Mütter, Väter, Ehefrauen, Kinder und Freunde vergebens auf die Rückkehr von Piloten, die mit ihren Maschinen die Bomben unter anderem über Elmshorn abgeworfen hatten und dabei abgestürzt oder abgeschossen worden waren. Auch sie sind Opfer eines  irrsinnigen Krieges geworden und auch ihrer sollte jeder gedenken, der am neuen Gedenkstein am Kreisel auf Langelohe innehält.

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