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Elmshorner Nachrichten

22. November 2017 | 17:50 Uhr

Die Nashörner von Bokel

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Heimatforscher Trede referierte über geologisch-bodenkundliche Forschungen in den Sanddünen

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 12:19 Uhr

Wenn es um geschichtliche Details aus dem Norden des Kreises Pinneberg geht, gehört Helmut Trede zu den profundesten Kennern der Materie. Der Bokeler hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht. Regelmäßig hält Trede Referate zur Heimatgeschichte. So auch jüngst, als er während der Hauptversammlung des Bokeler Landschaftspflegevereins über „Elefanten und Nashörner in den Bokeler Sandkuhlen“ sprach.

Elefanten und Nashörner im kalten Kreis Pinneberg? „Kann durchaus sein“, sagt Trede. Zumindest gebe die Pflanzenwelt der Vorzeit Hinweise darauf, dass es auch bei uns Tiere gegeben haben könnte, die heute in deutlich südlicheren Gefilden beheimatet sind. Schon seit 1998 wird auf Bokeler Gebiet Sand abgebaut, im benachbarten Lutzhorn sogar bereits seit 1977. „Das Areal ist eine geologische Kostbarkeit“, betont Trede. Historische Karten weisen auf ausgedehnte Heideflächen hin, die von Ochsenwegen durchzogen sind. „Erst seit den 1930er Jahren gibt es Ackerbau auf diesen Flächen in Bokel“, so Trede.

Spannend ist vor allem die geologische Geschichte. Die Oberflächenform sei geprägt durch Eismassen und Schmelzwässer, erklärt Trede. „Die letzten zwei Kaltzeiten prägten unser Gebiet, dazwischen gab es eine Warmzeit.“ Die Gletscher der jüngsten Eiszeit erreichten den Norden Pinnebergs nicht, dafür gab es aber eine „Glättung“ der vor dem Eisrand liegenden Oberfläche durch arktisches Klima und in der Folge durch Erdflüsse, Wind und Dünen. In Bokel sind die Sandschichten acht bis 15 Meter dick, darunter liegt die Grundmoräne mit einer Stärke von zehn bis 15 Metern. Eine spektakuläre Entdeckung kam bei der geologisch-bodenkundlichen Landesaufnahmen ans Licht. Man entdeckte zirka einen Meter mächtige Torfschichten aus der Eem-Warmzeit, die rund 120 000 Jahre zurückliegt, und in der ein warm-gemäßigtes Klima herrschte. Die Temperatur lag um mehrere Grad über dem heutigen Mittelwert. Heute ist dieses Gebiet ein geschütztes Geotop.

Kiefern- und Birkenwälder beherrschten einst das Gebiet. Dazu gesellten sich wärmeliebende Bäume. „In der Bokeler Senke ist auch ein Erlenbruchwald nachzuweisen“, sagt Trede. Irgendwann verschlechterte sich das Klima. Die wärmeliebenden Gehölze wie Eiche, Ulme, Linde und Haselnuss gingen zurück, die Kiefern hingegen vermehrten sich. „Geradezu exotisch mutet das Vorkommen von Buchsbaum an, der sonst nur im mediterranen Klima zu finden ist“, so Trede. Dies sei ein Indikator für wärmeres Klima und könnte durchaus auf Nashörner und Elefanten oder eine entsprechende Tierwelt hindeuten. Im Moor konservierter Blütenstaub und Sporen von niederen Pflanzen (Farne) lassen Rückschlüsse auf das einstige Leben zu. Die letzte Vereisung endete vor 11 700 Jahren. In der Nacheiszeit herrschte Tundrenvegetation mit Birken, Kiefern, Eichen und Buchen. „Es gab aber keine geschlossene Walddecke“, so Trede. „Ein Eichhörnchen konnte also nicht von der Nord- zur Ostsee springen, ohne den Boden zu berühren. Diese These sei nicht haltbar. „Es gab unterschiedliche Ausdehnungen von Heide- und Waldvegetation.“ Pollendiagramme würden für spätere Jahrtausende einen Rückgang der Wälder zeigen. Heide breitete sich aus, das heutige Erscheinungsbild nahm Gestalt an.

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