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Elmshorn : Die Liedertafel feiert 150. Geburtstag

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Verband aus fünf Chören blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im Jubiläumsjahr gibt es viele musikalische Höhepunkte.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 18:24 Uhr

Elmshorn | Eine Tradition erhalten – das funktioniert selten, indem man einfach mit dem Alten immer weiter macht. Das haben die Verantwortlichen der Liedertafel gerade noch rechtzeitig gemerkt. 2002 trat der Frauenchor aus dem Gesangsverein aus, und die verbliebenen Männer hatten ein existenzielles Problem: Sie fanden keinen Nachwuchs. Die Rettung kam von außen, und sie kam in Gestalt einer Frau: Die Diplom-Musiklehrerin Susanne Drdack, Trägerin des Elmshorner Kulturpreises 2014, übernahm die Leitung des Chores. Aber damit begnügte sie sich nicht: In den folgenden Jahren krempelte sie die gesamte Liedertafel um.

Das Ergebnis: Zum 150. Jahrestag der Gründung präsentiert sich die Liedertafel „Schleswig-Holstein“ von 1866 Elmshorn e. V. – so der vollständige Name – als Dachverein mehrerer vitaler Chöre. Mit mehr als 200 Sängern bildet sie den größten Verein im schleswig-holsteinische Sängerbund.

Heute vor genau 150 Jahren gründeten Elmshorner Sänger in der Schweizer Halle – den späteren Kammer-Lichtspielen – die Liedertafel. „Von der Ansicht ausgehend, dass es als sehr wünschenswert zu betrachten sei, wenn im Flecken Elmshorn mit einer Einwohnerzahl von nahezu 7000 Menschen eine Liedertafel existiere“, heißt es im Gründungsprotokoll. Die Sangesbrüder – Frauen waren damals nicht dabei – taten sich fünf Jahre vor der Gründung des Deutschen Reichs zusammen. Die dänische Herrschaft war im Norden gerade einmal zwei Jahre zuvor durch preußische abgelöst worden. Im Sommer des Gründungsjahres 1866 wurde das erste Telegrafenkabel durch den Atlantik in Betrieb genommen.

Heute besteht die Liedertafel aus fünf verschiedenen Chören. Ein Männerchor ist nicht mehr darunter – der wurde 2011 in einen gemischten Chor umgewandelt. Aushängeschild des Vereins ist das Ensemble Elmshorn: Das sind rund 50 Amateure, die auf professionellem Niveau in bis zu acht Stimmen singen. Schon zwei Monate nach seiner Gründung gewann das Ensemble im Herbst 2004 den Wettbewerb „Elmshorn sucht den Superchor“ der Elmshorner Nachrichten. Drei Mal in Folge gewannen die Sänger 2005, 2009 und 2013 den Landeswettbewerb der Chöre und nahmen „mit gutem Erfolg“, so die offizielle Formulierung, am Bundeswettbewerb teil.

Das Altersspektrum der Chöre reicht von sieben bis 90 Jahren

Das Ensemble Elmshorn war die erste Neugründung von Susanne Drdack unter dem Dach der Liedertafel. 2008 holte sie Kinder zwischen sieben und zwölf zum Kinderchor der Liedertafel. 2011 rief sie den Jugendchor für Zwölf- bis 17-Jährige ins Leben. Aktuell leitet sie vier Chöre der Liedertafel: die Leistungsträger des Ensembles, den gemischten Chor und die beiden Nachwuchsformationen. Fünfter Chor der Liedertafel ist der Volkslieder-Singkreis. 2005 trafen sich die, die neben dem Singen auch gern klönen, erstmals unter der Leitung von Theodor Ziskoven. 2015 gab er die Leitung an Hella Beate Blöcker ab. Das Altersspektrum der Chöre reicht somit von sieben bis 90 Jahren.

Der Singkreis tritt meist mit Akkordeon oder Gitarre auf; die anderen Chöre arbeiten hauptsächlich a capella. Bei Ensemble, Kinder- und Jugendchor arbeitet Frank Franzke als Stimmbildner an der Ausbildung der Sänger mit. Sein Credo: „Jeder kann singen lernen.“

In der Historie der Liedertafel spiegelt sich die Zeitgeschichte wider. 1943, im Zweiten Weltkrieg, wurde das Vereinslokal „Holsteinischer Hof“ am Holstenplatz bei einem Bombenangriff zerstört, die Sänger zogen in den „Südpol“ und später in die Hafenschule um. 1945 durften sie mit Genehmigung der britischen Militärregierung wieder gemeinsam singen. Das taten sie bis 1993 im Langeloher Hof, dann zogen sie in die Aula der Volkshochschule um. Währende des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 tat sich die Liedertafel mit vier anderen Chören zum „Kriegschor“ zusammen.

Ihr Jubiläum begeht die Liedertafel mit einem ganz großen Chorwerk: Carl Orffs „Carmina Burana“. Ensemble, Kinder-, Jugend und gemischter Chor werden das Werk aufführen. Unterstützt werden sie von Elbtonal Percussion sowie den Pianisten Manfred Richter und Jakob Deiml. Als Solisten werden Hanna Zumsande, Mirko Ludwig und Joachim Gebhardt auftreten. Die „Carmina Burana“ wird an zwei aufeinander folgenden Tagen aufgeführt, mit wechselndem Vorprogramm. Beim offiziellen Festkonzert am Sonnabend, 20. Februar, werden sich alle fünf Liedertafel-Chöre mit Stücken aus ihrem Repertoire vorstellen. Am Sonntag, 21. Februar, spielt Elbtonal Percussion. Beide Konzert beginnen um 17 Uhr im Saalbau. Karten kosten 18 Euro (Schüler und Studenten: sechs  Euro), im Vorverkauf gibt es sie bei Musik Hofer, Flamweg 5.

112 Jahre dauerte es nach der Gründung der Liedertafel, bis 1978 Frauen mitsingen durften. Die Sängerinnen hielten es nur 24 Jahre dort aus. Heute stehen alle fünf Chöre beiden Geschlechtern offen. 1963 übertrug der Norddeutsche Rundfunk ein Konzert der Liedertafel: Der Chor sang in Hamburg das „Te Deum“ von Hans Melchior Brugk. Anlass war das fünfte Heimkehrer-Deutschlandtreffen. Drei Jahre später kamen zum 100-jährigen Jubiläum der Liedertafel die Hamburger Symphoniker, und der Landes-Sängerbund traf sich mit 17 Chören in Elmshorn. 1995 fand der Sängertag des Landes wieder in Elmshorn statt, zum 125-jährigen Stadtjubiläum.

Umgekehrt reisten auch die Elmshorner gern, sie traten in Norwegen, Dänemark, Ungarn und Tschechien auf und pflegten Freundschaften zu den dortigen Chören. 1974 bestritt die Liedertafel das erste „Flora Konzert“ im Rahmen der „Flora Woche“ und 1998 waren die Sänger dabei, als auf dem Buttermarkt der Schleswig-Holstein-Tag gefeiert wurde.

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