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Das weiße Gold in Klein Nordende : Die letzte Spargelbäuerin in Klein Nordende

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Spargelbäuerin und ausgebildete Köchin - bei Nadine Slowik gibt es alles aus einer Hand.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2017 | 12:15 Uhr

Klein Nordende | Es ist früh und ungemütlich. Doch Nadine Slowik trotzt Nieselregen und steifer Brise, denn jetzt beginnt ihre monatelange Arbeit Früchte zu tragen. Und diese Früchte wollen geerntet werden. 3000 Spargelpflanzen des berühmten Liether Spargels nennt die letzte Spargelbäuerin aus Klein Nordende ihr Eigen. Nach einem warmen März sprießen die Pflanzen dieses Jahr besonders früh. Noch sind es wenige Köpfchen, die von unten gegen die Planen stoßen, die die hügeligen Rillen des Feldes abdecken.

Im Sommer werden es dann immer mehr: Desto heißer und feuchter es wird unter der Plane, desto rascher sprießt der Spargel. In der Hochsaison wächst er bis zu zehn Zentimetern am Tag: Dann kommt Nadine Slowak mit ihrem kleinen drei Frauen-Team kaum noch hinterher: Sie, ihre Mutter und die einzige Mitarbeiterin Jessica Strelow stechen dann bis zu 2  800 Spargelstangen am Tag. Der wird sofort gewaschen, sortiert, geschält und abends ganz frisch den Gästen im hauseigenen Restaurant und Hotel, dem „Tannenbaum“ am Sandweg in Klein Nordende, serviert. Als gelernte Köchin weiß Nadine Slowik ihren eigenen Spargel auch zuzubereiten. Dieses urige Alles-aus-einer-Hand-Konzept hat Tradition. Der Familienbetrieb wurde 1931 von den Großeltern gegründet und besteht bis heute.

Langfristig ist auch die Planung und Aufzucht der Spargelpflanzen. Wenn der Spargel auf das Feld gesetzt wird, ist die Pflanze bereits ein Jahr alt. Ein weiteres Jahr braucht sie, bis sie den ersten Spargel produziert, bis dahin produziert sie nur eines: Arbeit für ihren Bauern. Sie wächst bis zu einer einen Meter hohen Grünpflanze heran. Nach ihrem ersten Sommer wird das Gewächs abgeschnitten. Die typischen Hügel werden locker darauf getürmt und dadurch schiebt sich im April ein Jahr nach der Pflanzung das erste Köpfchen. Aber die Jungpflanze muss noch geschont werden. „Im ersten Jahr wird nur zwei Wochen lang Spargel gestochen, dann ist Schluss“, sagt Slowik.

Der zarte Spross müsse sich davon erholen. Erst im dritten Jahr ist sie stark genug, bis zum 24. Juni, dem Ende der Spargelsaison, „durchgestochen“ zu werden. Dann brauchen auch die gestandenen Gewächse eine Schonzeit bis zum nächsten Jahr. Nadine Slowik lässt ihren Pflanzen nicht nur Ruhe, sondern auch Platz: Sie setzt pro Meter nur drei Spargelpflanzen. In der Massenproduktion sind es acht. Deswegen sind Slowiks Gewächse auch zehn bis zwölf Jahre fruchtbar, in der industriellen Produktion sind es nur sechs. „Am Ende wird der Spargel immer dünner, daran merkt man, wenn die Luft raus ist“, erläutert Slowik.

Alles reine Handarbeit: Jessica Strelow bei der Spargelwäsche.
Alles reine Handarbeit: Jessica Strelow bei der Spargelwäsche. Foto: Janina Schmidt
 

Wenn die Pflanzen einmal ausgedient haben, ist auch der Boden verbraucht. Bis dort wieder Spargel wachsen kann, vergehen 30 Jahre. Deswegen wandern die zwei Felder Slowiks auf ihrem großen Gelände mit jeder Pflanzengeneration. „In 100 Jahren kann ein Feld höchstens drei Mal bepflanzt werden“, berichtet sie. Die Handarbeit in der Spargelzucht ist hart. „Aber wenn ich morgens im Sonnenaufgang bei gutem Wetter meinen Spargel steche und die Enten kommen vorbei, dann ist es richtig idyllisch“, berichtet sie.

Nach Landidyll klingen auch die Erntedankfeste am Ende der Saison, bei denen alle Helfer zusammen feiern. Slowik schmunzelt: „Dann gibt’s immer ’n Lütt’n“, sagt sie. Und eine Spargelprinzessin werde gekürt, jemand der besonders hilfreich war. Das kann auch mal ein Mann sein: „Also mein Vater war schon Spargelprinzessin“, sagt Slowik grinsend. „Dafür gab es ein dann auch ein Krönchen und den goldenen Spargel.“

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