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Der „Oma“-Mord von Elmshorn : Die Kripo gibt nicht auf

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Tote Seniorin: Ermittler setzen auf Zeugen.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Ein Foto der mutmaßlichen Täterin hängt am Fenster der Elmshorner Bundespolizei. Sieben Jahre ist die Tat jetzt her. Aber die Polizei gibt nicht auf. Es ist der 12. Februar 2010, als Ilse Baetcke (89) den falschen Menschen die Tür aufmacht. Zwei Frauen dringen in die Wohnung der Elmshornerin ein. Das Opfer wird bestohlen und misshandelt. Ein paar Tage später wird Ilse Baetcke sterben.

Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die Täterinnen konnten nie ermittelt werden. Aber die Polizei hakt den Fall nicht ab und arbeiten weiter an der Aufklärung. Mittels eines Fahndungsplakates erhoffen sich die Ermittler neue Spuren im Fall Baetcke. Das Bild zeigt eine der mutmaßlichen Täterinnen, während sie mit Baetckes EC-Karte Bargeld abhebt. Es wurde von der Überwachungskamera der Sparkasse an der Königstraße aufgenommen.

Foto: Polizei

Der Fall Baetckes wird bei den Ermittlungen als sogenannter „Cold Case“ behandelt. So nennt man Verfahren, bei denen die Ermittlungen zu keinem Ergebnis gekommen sind und bei denen auch Jahre nach dem Verbrechen nach den Tätern gesucht wird. Immer wieder nehmen sich die Ermittler das Material vor, gehen sämtliche Spuren noch einmal durch und prüfen, ob sie an irgendeiner Stelle etwas übersehen haben könnten. In diesem Zusammenhang wurde auch das Fahndungsbild zum Fall Baetcke neu veröffentlicht. Die Polizei richtet sich an die Bevölkerung und fragt, ob sich irgendjemand an etwas erinnern kann.

Die Polizei fragt: Wer kennt diese Frau oder kann sich an Details erinnern, die mit dem Fall zu tun haben könnten? Weiterhin veröffentlicht wurden die Bilder verschiedener Schmuckstücke, die die Täterinnen aus Baetckes Wohnung gestohlen haben. Die Stücke sind bislang nicht wieder aufgetaucht.

Zwei ungelöste Morde in Elmshorn

Elmshorn „Mord in Elmshorn“ steht in großen schwarzen Buchstaben auf dem Blatt Papier, das im Eingangsbereich des Elmshorner Polizeireviers neben zwei Fahndungsplakaten hängt. Und darunter: Polizei ermittelt weiterhin im Mordfall Baetcke. Die Polizei bittet die Bürger um Hinweise. Ein Bild vom Opfer, von Ilse Baetcke. Ein Bild der mutmaßlichen Täterin, aufgenommen als sie mit Baetckes EC-Karte Geld bei der Sparkasse in der Königstraße abhebt. Am Morgen des 12. Februar 2010.

„Manchmal gibt es auch nach Jahren eine neue Spur, der wir nachgehen können“, sagt Marco Klein, Chef der Itzehoer Mordkommission. Eine Erinnerung, eine Auffälligkeit, an die sich Menschen heute plötzlich erinnern, kann die Ermittler auf die Spur der Verbrecher bringen. Mord verjährt nicht. Die ungelösten Fälle verlieren die Ermittler deshalb auch nie ganz aus dem Blick. Der Mordfall Baetcke ist ein solcher „Cold Case“: Intern geht die Mordkommission die Akten immer wieder durch. „Vielleicht sind wir irgendwo falsch abgebogen und in die falsche Richtung marschiert“, sagt Klein. Die Ermittler suchen in den Aktenbergen nach Hinweisen, neuen Anhaltspunkten, die in die richtige Richtung weisen.

Ilse Baetcke wurde 2010 Opfer eines brutalen Verbrechens.

Ilse Baetcke wurde 2010 Opfer eines brutalen Verbrechens.

Foto: Polizei

Klein kennt alle Fakten, alle Details. Der Kriminalhauptkommisssar hat vor sieben Jahren selbst in Elmshorn ermittelt. Es kam auch zur Anklage. Doch die Beschuldigte – eine Frau aus Elmshorn – wurde 2011 vom Landgericht Itzehoe freigesprochen. Selbst die Staatsanwaltschaft hatte am Ende des Prozesses einen Freispruch gefordert. Die mutmaßlichen Mörder laufen weiter frei herum. „Wir wollen die Täterinnen fassen“, sagt Klein sieben Jahre später.

Die Paket-Boten-Mörderinnen: Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil die Täter über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY- ungelöst“ in ganz Deutschland gejagt wurden – aber wohl auch, weil es zwei Frauen waren, die so brutal und skrupellos zuschlugen. Es war ein Freitagmorgen, kurz nach 10 Uhr klingelte es an der Tür von Baetcke. Die 89 Jahre alte Rentnerin lebte in einer kleinen Wohnung im Hochhaus am Holstenplatz 6. Zwei junge Frauen in der Uniform des Paketdienstes GLS drangen in ihre Wohnung ein, würgten und fesselten die Rentnerin. Sie raubten Ringe, Ketten, Ohrringe, pressten der Elmshornerin die Geheimzahl ihrer EC- Karte ab.

Wenig später entstand die Videoaufnahme in der Sparkasse, die nur schemenhaft eine junge Frau mit schwarzer Mütze und großer Sonnenbrille zeigt. Mit 1000 Euro kehrte sie seelenruhig in Baetckes Wohnung zurück. Dort ging Baetckes Martyrium weiter . Die alte Frau wurde in ihre Badewanne bugsiert. Sie konnte sich zwar von den Fesseln befreien, schaffte es aber nicht, aus der Badewanne zu kommen. Erst drei Tage später wurde sie entdeckt. Lebend. Doch Oma Baetcke starb einige Wochen später an den körperlichen und seelischen Schäden, die der Raubüberfall bei ihr hinterlassen hatte. „Der Schmuck ist bis heute nicht wieder aufgetaucht“, sagt Klein. Auch diese Hoffnung der Mordkommission erfüllte sich nicht – trotz Fahndung bei „XY-ungelöst“.

Die Ermittler sind davon überzeugt, dass die beiden Täterinnen ihr Opfer kannten, dass sie Ortskenntnisse hatten und sich häufiger im Bereich Holstenplatz/Königstraße aufgehalten hatten. Die eine Täterin trug Jacke und Cargohose des Paketdienstzustellers GLS. Sie soll zwischen 1,70 und 1,85 Meter groß sein. Die GLS-Uniform: Führt sie nach nunmehr sieben Jahren doch noch zu den Täterinnen? Die Polizei fragt, wer sich vor Februar 2010 eine solche Uniform für private Zwecke besorgt hat. Rätselhaft bleibt bis heute, wie die beiden Frauen ausgerechnet auf Ilse Baetcke, auf diese im hohen Alter immer noch so unternehmungslustige Frau aufmerksam wurden, sie als Opfer auswählten.

Mord in Elmshorn: Die Polizei gibt nicht auf. Die Beamten hoffen auf eine neue, heiße Spur.

Hinweise zum Fall Ilse Baetcke nimmt dei Mordkommission in Itzehoe unter Telefon 04821-6020 entgegen.
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