Elmshorner Gymnasium : Die große Reifeprüfung

Für 'goldene  Jubilare' gab es 50 Jahre nach dem Abitur Urkunden; der stellvertretende Schulleiter Peter Wendt (rechts) gratulierte seinem Vorgänger Hartwig Forck.
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Für "goldene Jubilare" gab es 50 Jahre nach dem Abitur Urkunden; der stellvertretende Schulleiter Peter Wendt (rechts) gratulierte seinem Vorgänger Hartwig Forck.

Elmshorner Gymnasium feiert mit vielen ehemaligen Schülern und Lehrern. Rückblick in die Historie der Schule.

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29. April 2013, 08:39 Uhr

Elmshorn | "Carpe diem" (nutze den Tag) und "ad multos annos" (auf viele Jahre): So viel Latein musste in den Reden schon sein, als Elmshorns Bismarckschule Jubiläum feierte. Vor 100 Jahren legten die ersten neun Bismarckschüler in Elmshorn ihr Abitur ab. 4 729 wurden es bis heute, in diesem Jahr werden voraussichtlich mehr als 120 dazukommen. Das feierte das 144 Jahre alte Gymnasium drei Tage lang, den offiziellen Höhepunkt bildete eine Festveranstaltung am Sonnabend.

Knapp 200 geladene Gäste saßen in der Aula und begingen ein dreifaches Jubiläum: Eingeladen waren außer Lehrern und Honoratioren all diejenigen, die vor 25 oder 50 Jahren ihr Abitur an der Bismarckschule abgelegt hatten.

Der Festakt mit seinen Reden und Urkunden für die goldenen Jubilare war nur ein Teil der großen Feierlichkeiten. Am Donnerstag präsentierte der aktuelle Abi-Jahrgang Sketche und Musik, am Freitag wurde "Eros und Psyche" aufgeführt, am Sonnabendabend lud der Abi-Jahrgang 1988 zu "Bismarck On The Dancefloor" in den Langeloher Hof mit Musik aus vielen Jahrzehnten.

Und auch am Sonnabend gab es in der Bismarckschule mehr als Reden von der Bühne. Ab zwölf war die Schule geöffnet, es wurden Führungen veranstaltet, die verschiedenen Abschlussjahrgänge fanden Klassenzimmer zum Treffen vor. Sechst- und Achtklässler hatten eigens Sütterlin gelernt, um aus den Beständen des Schularchivs eine üppige Ausstellung über 100 Jahre Abitur an der Schule zusammenstellen zu können; wobei sie die Protokolle der mündlichen Abiturprüfungen aus den 20er- Jahren nicht einmal mit Hilfe ihrer Lehrer entziffert bekamen. Musiklehrer Matthias Wichmann führte mitten im Gewühle des Eingangsbereichs mit Schülern seine Komposition "Treppenhäuser" für Streicher und Solist auf. In dem zeitgenössischen Werk griff er die besondere Akustik der gewölbten Decken im Backsteinbau auf.

Eine Festschrift der Schule zum 100-jährigen Jubiläum und eine Festschrift der Stadt wurden angeboten. Karl-Heinz Kuhlemann vom Stadtarchiv - Bismarck-Jahrgang 1963 - hatte in seiner Arbeit die Namen sämtlicher 4 729 Abiturienten der Bismarckschule gesammelt und stellte der Festgesellschaft ein paar Fundstücke seiner Recherchen vor.

Er erinnerte ans Notabitur während des Zweiten Weltkriegs, als junge Männer ihr Abitur ohne normale Abschlussprüfung erwarben, um schneller an die Front zu kommen. 1927 legte die erste Frau ihr Abitur an der Bismarckschule ab; Unterricht hatte sie vorher im Lyzeum, der heutigen Elsa-Brandström-Schule.

Kuhlemann entließ seine Zuhörer mit einem Rätsel: 1947 hatten drei Bismarckschüler per Sprachübertragung aus dem Lehrerzimmer die Abiturthemen ausspioniert und an ihre Mitschüler weitergegeben - ein handfester Skandal für die Schule. Einen mutmaßlichen Täter "kennen Sie alle", man treffe ihn häufiger in Elmshorn. Aber den Namen wollte Kuhlemann nicht nennen. Sein Hinweis: Er hat sein Abitur 1947 in Flensburg abgelegt. Auch diese Affäre "überstand" die Bismarckschule schadlos, genauso wie die reformierte Oberstufe, die Prügelstrafe, die Zulassung von Mädchen 1969, G8 und die offene Ganztagsschule.

Was bleibt bei den Hauptpersonen, den Schülern? "Blöde Lehrer, damit muss man leben. Die netten Lehrer prägen", fasste Sonja Kirchhoff ihre "nur guten" Erinnerungen zusammen. Sie legte 1988 ihr Abitur ab. Vertreter ihres Jahrgangs präsentierten beim Festakt ihre Rückblicke als Collage, in der vom schwachen Englisch-Unterricht, vom Knutschen mit Michael Stich und einem "gewissen Stolz, zu den Bismarckern zu gehören" die Rede war.

Sehr nüchtern blickte Hartwig Forck auf seine lange Zeit an der Bismarckschule zurück. Vor 50 Jahren machte er dort Abitur, später arbeitete er als Lehrer an der Schule: "Neun Jahre als Opfer, 35 Jahre als Täter". Forck skizzierte den Wandel von der beklemmenden "preußischen Lehranstalt" mit dem inoffiziellen Motto: "Wem der Druck zu groß wird, der geht nach Uetersen oder Glückstadt", zum Leitbild: "erst fördern, dann fordern" ab Mitte der 80er.

Schulleiter Peter Rosteck wies in seiner Rede darauf hin, dass die Bismarckschule heute mit mehr als 1 250 Schülern und mehr als 90 Lehrern zu den zehn größten Gymnasien Schleswig-Holsteins gehört. 2016 tritt ein doppelter Jahrgang zum Abi tur an, danach wird auch diese Schule die sinkenden Schülerzahlen spüren und schrumpfen.

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