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Elmshorner Nachrichten

18. August 2017 | 11:28 Uhr

Elmshorn : Die große Not mit den Noten

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

So stehen Elmshorner Rektoren zur Diskussion um die Zeugnisse in den dritten und vierten Klassen der Grundschulen.

Elmshorn | Die Halbjahreszeugnisse liegen seit einer Woche auf dem Tisch: gut, schlecht, geht so. Nicht immer zeigen Noten den Leistungsstand der Kinder an. Grundschulen in Schleswig-Holstein können sich seit August 2014 aussuchen, wie sie ihre Schüler in den dritten und vierten Klassen beurteilen. Möglich sind die traditionellen Ziffern von eins bis sechs aber auch ausführliche Berichtszeugnisse ohne Noten. An den sechs staatlichen Grundschulen in Elmshorn gibt es große Unterschiede.

Für Dieter Ackmann, Leiter der Friedrich-Ebert-Schule an der Jahnstraße, (350 Schüler) sieht die Sache so aus: „Es gibt einen klaren Beschluss der Schulkonferenz für Noten in den Klassenstufen drei und vier. Ich persönlich bin auch für Noten“. Noten seien für viele Eltern einfacher zu verstehen als Berichtszeugnisse. Ackmann: „Ob Noten oder Berichtszeugnis – beides muss entsprechend erläutert werden. Daher vergeben wir nicht nur Noten, sondern erstellen auch ein Kompetenzraster unter anderem zu Sozialverhalten und Arbeitsverhalten. Darüber hinaus gibt es in unseren Zeugnissen auch ein Berichtsfeld, in dem die Noten näher erläutert werden“.

Das Kollegium der Grundschule Hafenstraße (259 Schüler) kommt schon seit vielen Jahren bei der Beurteilung der Kinder ohne Noten aus, die Lehrer schreiben Berichte. „Noten helfen nicht weiter“, sagt Schulleiterin Gaby Köhling. Darin ist sie sich mit Elternvertretern und Lehrern einig. „Wir setzen auf eine individuelle Leistungsbewertung“, so Köhling. Man wolle die Kinder nicht in Schubladen stecken.

Für die pädagogische Arbeit an der Grundschule Hafenstraße spielt Inklusion – also das Einbeziehen starker und schwacher Kinder in ein allgemein förderndes Lernkonzept – eine große Rolle. „Wir wollen eine Schule für alle Kinder sein und da passen Noten nicht ins Prinzip.“ Für Gaby Köhling und ihr Kollegium ist auch der Dialog mit den Eltern wichtig. „Das einzelne Kind steht im Mittelpunkt einer differenzierten Beurteilung. Wir wollen fördern, nicht entmutigen“, sagt die Schulleiterin. Regelmäßig treffen sich Schulleiter und Schulleiterinnen der Grundschulen in Elmshorn, um aktuelle Themen zu erörtern – auch das Thema Notenvergabe. Dabei sorgt die Verordnung der Landesregierung vom August 2014, mit der verbindliche Noten in Zeugnissen an den Grundschulen abgeschafft wurden, für viel Diskussionsstoff.

Bärbel Blieske, Leiterin der Astrid-Lindgren-Schule an der Kölner Chaussee, (260 Schüler) setzt derzeit noch auf Noten am Ende der dritten Klasse und in der vierten Klasse. „Wir nehmen uns Zeit, um uns mit dem Thema grundsätzlich auseinanderzusetzen“, sagt sie. Eltern und Lehrer sollen in die Diskussion einbezogen werden.

Schulkonferenzen entscheiden ob es Noten gibt

Die Schulkonferenzen der Grundschulen können sich für Noten oder Berichtszeugnisse entscheiden. Aber: Die Mehrheit der Lehrer gibt bei der Entscheidung immer den Ausschlag.

„Deshalb werden wir uns in Ruhe und gründlich mit dem Thema befassen“, sagt Cornelia Fürst, Rektorin der Grundschule Kaltenweide an der Amandastraße (353 Schüler). Derzeit arbeitet ihre Schule mit Notenzeugnissen am Ende der dritten Klasse und in der vierten Klassenstufe. Im Frühjahr wird es Informationen für die Eltern geben. Sie sollen in die Diskussion um die Art der Leistungsbeurteilung ihrer Kinder mit einbezogen werden.

Ähnlich will auch Sabine Knier, Leiterin der Grundschule (270 Schüler) Hainholz, an der Hainholzer Schulstraße verfahren. An ihrer Schule gibt es Notenzeugnisse. „Wir werden uns zusammensetzen und gemeinsam entscheiden“, so Knier.

Ihre Kollegin Sigrid Bockelmann, Rektorin der Timm-Kröger-Schule an der Mommsenstraße, (230 Schüler) hält die aktuelle Diskussion für wenig nützlich. „Noten und Berichtszeugnisse, daran lässt sich die Qualität der Schule nicht festmachen. Die Diskussion geht an der Sache vorbei“, sagt sie. Es komme immer darauf an, was die Schule daraus mache.

An der Timm-Kröger Schule gibt es derzeit Noten in den Zeugnissen. Das kann sich aber ändern. „Wir sind nicht festgelegt und werden das von Jahr zu Jahr entscheiden“, so Rektorin Sigrid Bockelmann. Lehrer und Eltern sind in diesen Prozess eingebunden. Für die Leiterin der Timm-Kröger-Schule ist jetzt eine ruhige und sachliche Diskussion gefragt. Bockelmann: „Die Grundschulen in Elmshorn arbeiten sehr gut zusammen – auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind.“

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erstellt am 06.Feb.2015 | 10:13 Uhr

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