Die geballte Ladung Kunst

Kunstvereins-Chefin Christel Storm (r.)  mit einigen der Künstlerinnen und einem der Ausstellungsstücke im Torhaus (Betonguss von Uschi Koch).   Foto: Völ(4)
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Kunstvereins-Chefin Christel Storm (r.) mit einigen der Künstlerinnen und einem der Ausstellungsstücke im Torhaus (Betonguss von Uschi Koch). Foto: Völ(4)

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04. April 2011, 07:21 Uhr

Elmshorn | Selten war Kabarett aktueller als am Freitag im Elmshorner Stadttheater. Florian Schroeder - der junge wilde mit IQ - zeigte sich bissig, teilweise auch gemein und provozierend. Er legte den Finger nicht nur dahin, wo es wehtut, sondern er bohrte auch noch genüsslich nach.

150 Zuschauer freuten sich über Neues von Bundes-Angela - der Perle der Uckermark - über die nette Mutti Aigner, über das schizofrene Double Leutheusser und Schnarrenberger oder auch den Grünen - nie neue CDU 2.0. Typisch für ihn war dabei der herrlich hämische und rasante Wechsel von Rollen und Stimmen.

Schroeder stellte Fragen auf alle Antworten. Nachdenklich stimmte seine Beschreibung der Generation "IMM" - Irgendwas mit Medien. Schroeder erläuterte einen Menschentyp, der sich als jung, mobil, flexibel und selbstständig begreift. Akademisch gebildet in einer funktionalen Kurzschulung zum Bachelor - dem McDonalds des Bildungssystems.

Auch Unternehmensberater, Lehrer und Zeitgenossen aus seiner eigenen Generation 30+ wurden zum Opfer seiner Ausführungen.

Kurzum: Schroeders Wortgewitter war eine niveauvolle Parodie auf Politik und Generation IMM. Schroeders Schwenks schienen atemberaubend aber auch langatmig. So war das Publikum während der gesamten Vorstellung gefordert, sich zu konzentrieren und mitzudenken. Von der teils schweren Kost waren einige überfordert. Aber: "Der Bruch der Erwartung bleibt ein Teil ihrer Erfüllung", sagte Schroeder als Lebensweisheit zu seinem Programm. Leider waren nur 150 an dem jungen Wildem interessiert. Schade eigentlich. Der Mann war spitze.

Die Elmshorner haben eine Schwäche für zwei junge Spassmacherinnen: Lotta und Geli. Wenn das Comedy-Duo im Haus 13 Auftritt, ist die Bude voll. So auch am Sonnabend. Während der Kulturwoche präsentierten die Yvette Kaufner (Lotta) und Johanna Hanf (Geli) ihr "Best of" -Programm. Und die bewährten Nummern ziehen immer noch: "Beat it" von Michael Jackson auf der Blockflöte, freche, tempogeladene Parodien, Witziges aus der Schublade weiblicher Befindlichkeiten und viel, viel Musik. Einfach gut sind die Songparodien der beiden ulkigen Damen. Also: viel Applaus vom vollbesetzten Auditorium im Haus 13 für zwei Künstlerinnen, die sich mit ihrer Show so wunderbar selbst feiern können.

Die Rolle der Geschlechter - das ist ein uraltes Thema - auch in der Kunst. "Frauen und Berufung" heißt die Ausstellung, die gestern mit einer kundigen Einführung durch Inken Woldsen im Torhaus eröffnet wurde. Dort zeigt der Kunstverein Elmshorn als Beitrag zur Festival-Woche "Culturelles" rund 30 Kunstwerke, allesamt aus der Hand von norddeutschen Künstlerinnen. 16 sind es an der Zahl.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Bildender Künstler, Landesverband Schleswig-Holstein. Die Auswahl der Exponate traf eine Jury aus Mitgliedern des BBK und des Kunstvereins.

Diese Künstlerinnen (die gestern bis auf wenige Ausnahmen von überall her angereist waren), nehmen an der Elmshorner Ausstellung teil: Imme Feldmann (Grafik), Rosemarie Gaede, Lübeck (Malerei), Gagel, Pinneberg (Objekte), Regine Haack (Malerei), Susanne Hampe, Kiel (Materialbilder), Brigitta Höppner, Halstenbek (Malerei), Katharina Kleinfeld, Kiel (Glasobjekt), Heidi Klinner-Krautwald, Lütjenburg (Fotografie), Doris von Klopotek, Hamburg (Malerei), Birgit Knappe, Berlin (Objekt), Uschi Koch, Kiel (Skulptur), Anke Müffelmann, Kiel (Keramik), Beatrix Berin Sieh, Norderstedt (Malerei/Zeichnung), Evely Steinmetz, Lübeck (Zeichnung), Anna Lena Straube, Berlin (Malerei), Svenja Wetzenstein, Achim (Malerei).

Gibt es eine speziell weibliche Kunst? Diese Frage wurde gestern im Torhaus mehrfach thematisiert. Auf alle Fälle gibt es sie dann, wenn Frauen diese Kunst erstellt haben. Und anschauen dürfen sie dann alle, Weiblein wie Männlein (und zwar noch bis zum zum 24. April 2011, Dienstag bis Freitag 10-12 Uhr und 16-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11-13 Uhr.

Am kommenden Dienstag, 5. April, zwischen 19 und 21 Uhr, werden drei der ausstellenden Künstlerinnen, Brigitta Höppner, Doris von Klopotek und Beatrix Berin Sieh, Führungen durch die Ausstellung anbieten. Patrizia Held wird dabei Fotos machen - Gruppenbilder mit Damen (und sicher auch Herren).

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