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Elmshorn/Barmstedt : Die ewige Baustelle im Kirchenkreis

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wegen der Umstellung auf die Doppik hängt die Verwaltung schwer hinterher. Problematisch ist die Verrentung vieler Pastoren.

Elmshorn | „Andere Kirchenkreise und die Landeskirche profitieren von unseren Fehlern“, konstatierte Thomas Bergemann. Der Propst des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf beschrieb am Sonnabend die Einführung der kaufmännischen Buchführung im Kirchenkreis als „Baustelle, die bis heute nicht abgeräumt“ sei. Sein Fazit: „Eine Erfolgsgeschichte ist die Umstellung auf die Doppik nicht“. Rantzau-Münsterdorf habe als erster Kirchenkreis umgestellt, andere könnten die gewonnenen Erfahrungen nutzen – und die Fehler selbst vermeiden.

Seit fast sechs Jahren rechnet die Verwaltung des Kirchenkreises nach kaufmännischen Grundsätzen, so hat es die Synode – quasi das „Parlament“ des Kirchenkreises – beschlossen. Propst Thomas Bergemann ist Vorsitzender des Kirchenkreisrates, sozusagen der „Regierung“ des Kirchenkreises und damit zuständig dafür, die Beschlüsse der Synode umzusetzen. Was ihm bei der Umstellung der Haushaltsführung offenbar schwer fiel: „Was hat uns das an Geld und Kraft gekostet“. Die Verwaltung hinkt offenbar immer noch schwer hinterher: Die Synode in Elmshorn bekam am Sonnabend erst die Jahresrechnung für 2015 präsentiert, neuere Bilanzen lagen noch nicht vor. Ralf Greßmann, Pastor in Münsterdorf, attestierte seinem Kirchenkreis eine handfeste „Finanzverwaltungskrise“.

Bergemann nutzte seinen Bericht vor der Synode für einen großen Rückblick: Nach acht Jahren Amtszeit trafen sich die Synodalen bei ihrer 23. Sitzung in Elmshorn zum letzten Mal. Im kommenden Jahr wird eine neu gewählte Synode ihre Arbeit aufnehmen, dann wieder mit einer regulären Amtszeit von sechs Jahren. 2006 kam Bergemann als Propst in den frisch fusionierten Kirchenkreis, 2009 trat die bis jetzt amtierende Synode zum ersten Mal zusammen, 2015 ließen die Synodalen Bergemann bei seiner Wiederwahl im ersten Durchgang scheitern. Im Kirchenkreis wurde in den vergangenen Jahren „viel diskutiert und gestritten“, bilanzierte Bergemann. „Wir haben viele Millionen investiert“, verwies der Propst auf die vielen Baumaßnahmen im Kirchenkreis. Die größte ist das Kirchliche Zentrum in Elmshorn, in dem seit seiner Fertigstellung die Synoden stattfinden. In Sparrieshoop wurde die Osterkirche neu gebaut, in Itzehoe das Propstenhaus und in Wilster das Pastorat saniert. „Gut angelegtes Geld“, fand Bergemann.

Dass Rantzau-Münsterdorf bei der kaufmännischen Buchführung landesweit Vorreiter war, sah Bergemann kritisch; dass der Kirchenkreis der erste weit und breit war, der eine Pastorenstelle für die Flüchtlingsarbeit einrichtete, machte ihn dagegen stolz.

Der Propst zählte diverse Neuerungen der vergangenen Jahre auf: die Gründung der gemeinnützigen GmbH fürs Diakonische Werk, das neue Kita-Werk für die Verwaltung von 21 Kindergärten, das demnächst sein Mittagessen selbst herstellen will. Als „ganz dramatische Entwicklung“ sah er die absehbare Verrentung vieler Pastoren. Auf der Ebene der Landeskirche werde damit gerechnet, dass bis 2030 rund 600 von 1700 Pfarrstellen wegfallen, das entspricht mehr als einem Drittel. Die Personalkosten werden trotzdem weiter steigen, denn die Pensionen für die Ruheständler muss der Kirchenkreis weiterhin bezahlen.

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