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Elmshorner Nachrichten

17. August 2017 | 08:22 Uhr

Elmshorn : Die eisige Fahrt der "Klostersande"

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Frost und Ostwind bescherten dem Elmshorner Haferfrachter 1996 seine längste Hamburg-Reise - inklusive 28 Tagen Zwangspause in Spiekerhörn.

Der frostige Ostwind weckt in diesen Tagen die Erinnerung: „Es war eiskalt und da war einfach kein Wasser mehr“, erzählt Günter Holtz, und kann es auch 18 Jahre später kaum fassen. Am 21. Januar 1996 war seine Reise von Hamburg nach Elmshorn mit dem beladenen Haferfrachter „Klostersande“ bereits in Spiekerhörn zu Ende. 28 Tage musste der Kaptiän mit dem 500-Tonnen-Schiff der Köllnflockenwerke im Eis ausharren. So etwas hatte selbst der erfahrene Schipper, der damals bereits seit 38 Jahren auf der Krückau unterwegs war, nie zuvor erlebt.

Bereits beim Einlaufen in die Krückau ahnte der heute 75-Jährige nichts Gutes. Der anhaltende Ostwind hatte das Wasser stetig aus den Flüssen in die Elbe gedrückt, und auch in der Krückau waren Wasserstände von 1,5 Metern unter dem mittleren Niedrigwasser die Folge. Die Eisdecken reduzierten zudem den Tidenhub, und aus den gefrorenen Gräben im Einzugsgebiet der Au floss so gut wie kein Wasser nach.

„Wir machten an den Pfählen beim Sperrwerk fest, konnten dort aber nicht von Bord, weil das Ufer zu weit entfernt ist“, erinnert sich Holtz. Mit der nächsten Flut sollte es weitergehen. Am 21. Januar – es war ein Sonntag – stachen Holtz und sein Bootsmann Rolf Surrow dann wieder in See, besser gesagt: ins Eis. Durch die gut 30 Zentimeter dicken Schollen schob sich das 55 Meter lange Schiff durch die gerade frisch ausgebaggerte Krückau in Richtung Elmshorn.

Die Heimreise endete dort, wo gut 170 Jahre zuvor auch für das Elmshorner Walfängerschiff „Flora“ (erste Reise 1817) immer die Flussfahrt vorbei war: in Spiekerhörn, also in der Marsch, wo der Speicher an der Krümmung (Hörn) der Au stand. Die „Klostersande“ hatte keine Handbreit Wasser mehr unterm Kiel.

Holtz und Surrow machten das Schiff an den Uferbäumen fest, nachdem sie sich mit einer Leiter als Steg den Weg an Land gebahnt hatten. Während der Bootsmann von Bord gehen konnte, harrte Kapitän Holtz auf dem Haferfrachter aus. 28 Tage lang. Allerdings: Es konnte verhindert werden, dass die „Klostersande“ einfror, und dem Schipper war es auch nicht kalt, denn der Hilfsdiesel lief und heizte Kajüte und Kombüse gut ein.

Am Wochenende des 2. und 3. Februar hätte Holtz bei Flut den Rest der Reise wagen können, doch der Elmshorner ging kein Risiko ein. Ein Schaden am Schiff hätte in keinem Verhältnis zur unfreiwilligen Liegezeitverlängerung gestanden. Gegenüber dem EN-Reporter sagte er damals: „Mit Gewalt geht alles, mit Verstand nicht.“ Dem Laien mit Stift und Block gab er zu wissen: „Was glauben Sie, wie das kracht, wenn sich das Schiff mit 320 Tonnen Ladung durch das Eis schiebt.“

Holtz brachte die „Klostersande“, die er als letzter Berufsschiffer Elmshorns noch vier Jahre lang führen sollte, dann erst am 17. Februar in den Heimathafen zurück – ohne Schaden. Am 17. Januar hatte er Elmshorn in Richtung Hamburg verlassen.

Am Löschplatz, dem Südufer des Hafens bei den Köllnwerken, herrschte derweil mehr Betrieb als sonst. Lastzüge voller Hafer sorgten dafür, dass trotz Eis, Ostwind und ganz außergewöhnlichem Niedrigwasser die Haferflocken und das Müsli in ausreichender Menge produziert werden konnten.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 09:10 Uhr

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