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Windenergie : Die Eigentümer des Bürgerwindparks Raa-Besenbek protestieren

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Sie wollen die Energiewende retten. Windpark-Erneuerung zeitnah geplant.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 12:15 Uhr

Raa-Besenbek | Es ist fünf vor zwölf – für die Mitglieder der Bürgerwindparks in Raa-Besenbek nicht nur auf den Zifferblättern ihrer Uhren, sondern auch in der Diskussion um die Energiewende. Symbolisch stehen die Flügel der acht Windräder am Mittwochmittag für einige Minuten still, Windpark-Geschäftsführer Hans-Hermann Magens und seine Mitstreiter wollen ein Zeichen setzen.

„Wenn die Bundesregierung die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes so umsetzt wie geplant, wird sie die Erneuerbaren ausbremsen“, formuliert Magens seine Befürchtungen. Konkret geht es ihm um zwei Punkte in der Novelle: Die Begrenzung des Windenergie-Ausbaus an Land und die Ausschreibungspflicht: „Erfahrungen aus dem Ausland haben gezeigt, dass Ausschreibungen langfristig nicht zur Verbilligung führen.“

Kleinere Marktteilnehmer wie Bürgerwindparks blieben stattdessen auf der Strecke, weil große Firmen kurzfristig Dumpingpreise bieten könnten, um kleine aus dem Markt zu drängen und dann ihre Monopolstellung ausnützen zu können.

Magens hat auch kein Verständnis für eine Deckelung der erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung plant, den Zubau einzuschränken – offiziell, um die Stromkosten für die Verbraucher zu reduzieren. „Aber nach der langen Förderung durch die EEG-Umlage arbeiten wir mittlerweile kostengünstig und belasten die Umlage kaum noch.“ Die Solarenergie habe man genau auf diese Weise kaputt gemacht. „Wenn die Vorschläge aus dem Wirtschaftsministerium Wirklichkeit werden, passiert dasselbe mit der Windindustrie und den damit verbundenen 150.000 Arbeitsplätzen.“

„Die Regierung wird mit der EEG-Novelle die Erneuerbaren ausbremsen“, sagt Hans-Hermann Magens, Windpark-Geschäftsführer.

„Die Regierung wird mit der EEG-Novelle die Erneuerbaren ausbremsen“, sagt Hans-Hermann Magens, Windpark-Geschäftsführer.

Obwohl sich die 120 Windpark-Eigentümer aus Raa-Besenbek an der bundesweiten Protestaktion der Erneuerbare Energienverbände beteiligen, befürchten sie, dass sich die Novelle nicht mehr vollständig abwenden lässt. Deshalb arbeiten Hans-Hermann Magens und seine Mitstreiter jetzt mit Hochdruck daran, noch vor dem 31. Dezember die Baugenehmigung für eine Erneuerung ihres Windparks zu bekommen. „Dann dürften wir noch bauen, ohne uns an einer Ausschreibung beteiligen zu müssen“, erklärt Magens. Außerdem hätten diese neuen Windkraftanlagen Bestandsschutz – „wir würden für weitere zwanzig Jahre einen garantierten Preis für unseren Strom bekommen.“

Vier der acht Windkraftanlagen in den Raa-Besenbeker Bürgerwindparks stammen aus den Jahren 1999 und 2001, diese sollen zurückgebaut und durch leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Bei den neuen Windrädern besteht der Bestandsschutz ohnehin noch weitere fünfzehn Jahre lang.

Die Baugenehmigung bis zum Ende des Jahres zu bekommen, wird keine leichte Aufgabe. Schließlich vergibt das Land Schleswig-Holstein nur noch Sondergenehmigungen – und das nur, wenn nichts gegen den Neubau spricht. Magens sieht die Sache aber optimistisch. Die schwierigste Hürde ist schon genommen, die Untere Naturschutzbehörde hat ihr OK gegeben, nachdem der Bürgerwindpark ein 30.000 Euro teures Gutachten beigebracht hat. Mit den Landwirten, denen die Grundstücke gehören, ist alles geklärt. Und auch mit den Nachbarn gibt es keine Probleme. „Schwierigkeiten bereitet uns jetzt nur noch die Flugsicherheit, die hat den Schutzradius ihrer Radarstation erweitert, so dass wir jetzt mitten drin liegen.“ Dieses Thema werden die Eigentümer des Bürgerwindparks angehen, sobald der Bauantrag im Juni gestellt ist.

Falls die Erneuerung des Windparks nicht klappt, sieht Hans-Hermann Magens langfristig nicht nur für sein Unternehmen schwarz. „Schließlich sind wir hier in Raa-Besenbek die größten Gewerbesteuerzahler. Und viele Landwirte, die zurzeit wegen der ruinösen Preise mit dem Rücken zur Wand stehen, würden mit den Pachteinnahmen für die Windkraftanlagen ihr zweites Standbein verlieren.“

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