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Elmshorner Nachrichten

21. August 2017 | 17:41 Uhr

Elmshorn : Die Angst-Orte werden sicherer

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Deutschlandweites Pilotprojekt geplant. Elmshorn stellt 26.000 Euro in den Haushalt ein. Außerdem werden Unterstützer für Selbstverteidigungskurs gesucht.

Elmshorn | Patricia Capurso ist begeistert davon, dass sie inzwischen kaum noch gebraucht wird. Ende Oktober hatte die 24-jährige Elmshornerin begonnen, sich dafür einzusetzen, dass sogenannte Angst-Orte in der Stadt sicherer werden. Sie traf sich mit einem Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung und erreichte, dass die Büsche hinter den Bahngleisen im Steindammpark zurückgeschnitten wurden. In den sozialen Netzwerken sammelte sie Hinweise von Bürgern zu defekten oder fehlenden Lampen und zugewucherten Wegen. Und bald wurde auch die Politik aufmerksam und hat mittlerweile 26.000 Euro in den Haushalt eingestellt, um Elmshorns Angst-Orte sicherer zu machen. Diese Maßnahmen müssen allerdings noch vom Stadtverordnetenkollegium sowie durch das Innenministerium des Landes bewilligt werden.

Mittlerweile hat sich Patricia Capursos Projekt verselbstständigt.  „Inzwischen melden sich die Leute von selber bei der Stadt. Das ist ja genau das, was ich erreichen wollte“, erzählt die junge Frau. Ihren Part sieht sie damit als fast abgeschlossen an. „Irgendwann, wenn alle Lampen brennen, ist es für mich auch getan“, sagt sie mit einem Lächeln. „Schließlich sollte das für mich nur ein Projekt sein – keine lebenslange Aufgabe.“

So  ganz ist es für Patricia Capurso dann aber doch noch nicht vorbei mit ihrem Engagement für eine sicherere Stadt. Zusammen mit dem Glückstädter Werbefachmann und ehemaligen Bürgermeisterkandidaten Marian Prill plant die junge Frau ein deutschlandweites Pilotprojekt, um das Melden von Angst-Orten  zu vereinfachen. „Wir haben uns über Facebook kennengelernt“, erzählt Prill. „Mir gefielen Patricias Aktionen sofort, das ist ein Thema, dass sich auch mit dem überschneidet, was ich als Bürgermeisterkandidat gefordert habe.“ Zunächst haben die beiden eine Facebookseite mit dem Titel „Problemzone“ aufgebaut. „Diese Seite versteht sich als digitaler Kummerkasten, der Angst-Orte registriert“, erzählt Capurso. Dort können die Nutzer Orte melden, an denen sie sich unwohl fühlen, etwa, weil sie unübersichtlich oder schlecht beleuchtet sind. Dadurch soll es erleichtert werden, Verantwortliche aus Politik und Verwaltung sowie Privatpersonen auf solche Angst-Orte aufmerksam zu machen. „Bei solchen Projekten muss man immer klein anfangen“, erklärt Marian Prill.

„Über die Facebook-Seite wollen wir herausfinden, an welchen Ecken und Enden Schwierigkeiten bestehen und wir wollen in den Dialog mit den Leuten treten.“ Später, wenn die Seite angenommen wird, wollen Capurso und Prill aus den Inhalten dieser Facebook-Gruppe eine Software oder App entwickeln, die hilft, bundesweit Angst-Orte zu identifizieren und sicherer zu gestalten. „Eine junge Frau aus Glückstadt hatte zum Beispiel die Idee eines Sicherheitsknopfes, mit dem man schnell Hilfe holen kann“, sagt Prill. „So etwas lässt sich natürlich ausbauen und weiterdenken.“ Er sieht auch die Möglichkeit, Stadtverwaltung und Politiker regelmäßig über die Meldungen aus der Software auf dem Laufenden zu halten.

Nicht alle Projekte funktionieren sofort

Nicht alle Projekte, die  Patricia Capurso anstößt, laufen jedoch so erfolgreich. Schon vor längerer Zeit hatte sie die Idee, einen Selbstverteidigungskurs für Frauen ins Leben zu rufen, damit diese sich an dunklen Orten sicherer fühlen können. Ein Kampfsporttrainer, der den Kurs ehrenamtlich leiten wollte, war schnell gefunden. „Aber jetzt meldet er sich leider nicht mehr zurück“, sagt Capurso. „Das ärgert mich sehr.“ Als Alternative hat sie die Selbstverteidigungsschule Wing-Tsun in Elmshorn gefunden, bei der sie allerdings für den Kurs, der am 16. und 17. Januar stattfinden soll, bezahlen muss. „Der Trainer würde eine Spende nehmen, 40 Euro pro Teilnehmer seien üblich“, erzählt Capurso.

Für die 20 Frauen, die sich bereits gemeldet haben, will sie den Betrag bislang aus eigener Tasche bezahlen, „weil ich ihnen ja schon versprochen habe, dass es nichts kosten wird.“ Vielleicht könnte das Projekt allerdings auch auf Spendenbasis finanziert werden. Wer Interesse hat, sich zu beteiligen, kann sich bei den Elmshorner Nachrichten unter cornelia.pfeifer@a-beig.de melden. Der Kontakt zu Patricia Capurso würde dann hergestellt werden. Direkt ist sie über das soziale Netzwerk Facebook unter ihrem Namen erreichbar.

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erstellt am 04.Dez.2015 | 15:13 Uhr

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