Die Abriss-Alternative fehlt

Es liegt keine Alternative auf dem Tisch. Der Abriss der Gebäude Berliner Straße 18 und 20 scheint beschlossen.
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Es liegt keine Alternative auf dem Tisch. Der Abriss der Gebäude Berliner Straße 18 und 20 scheint beschlossen.

Berliner Straße: Die Gebäude 18 und 20 müssen für Ausbau weichen / Projekt der Genossenschaft damit gestorben

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13. Februar 2020, 11:17 Uhr

Elmshorn | Sven Herrmann kann die Ketten schon mal aus dem Keller holen. Denn der Grünen-Fraktionschef hatte angedroht, sich notfalls an die Häuser Berliner Straße 18 und 20 zu ketten, um deren Abriss zu verhindern.

Doch genau dieser Abriss scheint nicht mehr zu verhindern zu sein. Das steht seit Montagabend fest. Da präsentierte die Stadtverwaltung der Politik das Ergebnis der Überprüfung, ob es Alternativen zum Abriss des Gebäudeensembles gibt. Ergebnis nach EN-Informationen: Nein.

Die Berliner Straße soll im Zuge des Stadtumbaus in Zukunft in beiden Richtungen befahrbar sei. Um den Ausbau wie geplant zu realisieren, müssen die Häuser weichen. Das Problem: Bei der Berliner Straße handelt es sich um eine Bundesstraße und deshalb kann die Stadt ohne die Zustimmung des Landesbetriebs Verkehr (LBV) nichts entscheiden. Und für den LBV hat oberste Priorität, dass der Verkehr ohne große Staus – vor allem an der Badewannen-Kreuzung – abfließen kann.

Knackpunkt in den Planungen sind die Linksabbiegerspuren, die eine gewisse Straßenbreite voraussetzen. Richtung Norden soll der Verkehr auch nach links in die Schlossstraße fahren können. Ohne Linksabbieger könnte sich der Verkehr auf der Berliner Straße bis zur Badewannen-Kreuzung zurückstauen. In Richtung Süden, direkt an der Kreuzung, sind sogar zwei Linksabbiegerspuren nebeneinander vorgesehen, weil der Platz für eine lange Spur nicht da ist. Es fehlen 10 Meter. Ein externer Verkehrsplaner hat für die Stadt eine Verkehrsprognose erstellt – auch ohne Abriss der Häuser. Fazit: Die vom LBV verlangten Qualitätskriterien für die Bundesstraße werden nicht erfüllt.

Der Abriss der Häuser zerstört auch die Planungen der Genossenschaft Vormstegen für soziales Wohnen. Die Architekten Walter Sauermilch und Thomas Wehrmann hatten eine Vision für das ganze Quartier entwickelt, mit Wohnungen, einer Kita und einem Solar-Tower als Stadttor. Das Haus Nummer 20 war in die Planungen integriert worden, sollte unbedingt erhalten werden. „Die Stadt hat uns hängen lassen. Mit dem Abriss der Häuser ist unser Projekt tot“, kritisiert Sauermilch. Er hatte zwei Brandbriefe an Bürgermeister Volker Hatje verfasst, ihm Versagen vorgeworfen. „Das hat alles nichts geändert. Unser Projekt wurde missachtet.“

Der Abriss der Häuser Nummer 18 und 20 an der Berliner Straße: Ihn werden wohl weder Ketten noch das Genossenschaftsprojekt noch verhindern können.

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