Deutsch-französische Vorurteile

Ob Monntag oder Sonntag – in Paris kann man jeden Tag einkaufen.
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Ob Monntag oder Sonntag – in Paris kann man jeden Tag einkaufen.

EN-Kolumnistin Laura-Maxine Kalbow schreibt an dieser Stelle von ihren Erlebnissen während ihres Auslandssemesters in Paris

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20. Juli 2018, 16:15 Uhr


Am 22. Januar 1963 begründeten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle die deutsch-französische Freundschaft. Die Zeiten des Krieges sollten für alle Zeiten vorbei sein, und tatsächlich ist Frankreich unser nächster Nachbar. Geografisch, politisch, kulturell. Und weil wir so gute Freunde sind, habe ich mit einem französischen Kompagnon, Maxime Cabannes, der ein waschechter Pariser ist, an dieser Stelle einmal die Vorurteile aufgearbeitet, die wir alle so haben.

1. Die Franzosen trinken ausschließlich Wein!
Maxime: D‘abord: Wein ist kein Alkohol, ein tägliches Glas zum Mittagessen ist daher äußerst gesundheitsfördernd.
Laura: Oder auch anders gesagt: Die Franzosen haben alle ein Alkoholproblem.

2. Die Deutschen tragen alle Birkenstocksandalen mit Socken!
Maxime: Alors, da muss man gar nicht mehr nach der Nationalität fragen. Weiße Beine in weißen Socken vor dem Louvre; das können nur Deutsche sein.
Laura: Naja, immerhin erkennen wir uns so untereinander.

3. Franzosen, und vor allem Pariser, können kein Auto fahren!
Maxime: Wir sind alle Weltmeister im Slalomfahren. Scooter, Fußgänger, Polizei – wir um( )fahren jedes Hindernis.
Laura: Mein persönlicher Favorit. Der Kreisel um den Arc de Triomphe, wenn das Navi sagt: „Nehmen sie 65. Ausfahrt auf der sechsten Spur.“

4. Die Deutschen schreien die ganze Zeit!
Maxime: Oh la la, ich verstehe es nicht, ich frage doch nur wie spät es ist und habe das Gefühl, einen dritten Weltkrieg ausgelöst zu haben. „FÜNF UHR!!!“
Laura: Die Sprache der Dichter und Denker eben.

5. Die Franzosen streiken die ganze Zeit!
Maxime: Ich bin jetzt schon seit 37 Jahren, seit der Zeit Mitterrands, zu spät. Immer. Wegen Streiks, egal wo. Zu jeder Zeit. Toujours en retard.
Laura: Oder auch simpel gesagt; eine nette Freizeitbeschäftigung der Franzosen – man darf ja auch nicht zu viel arbeiten.
6. Die Deutschen gewinnen immer im Fußball!
Maxime: Hahahahaha! Allez les Bleus!
Laura: Kein Kommentar.

7. Die Franzosen essen Froschschenkel!
Maxime: Ich persönlich bevorzuge Schnecken und Schweinezunge. Délicieux!
Laura: Ich bleibe dann doch lieber bei Bratkartoffeln und Hackbraten.

8. Die Deutschen essen um 18  Uhr Abendbrot!
Maxime: Wenn man um 18  Uhr zum Essen eingeladen wird, nimmt man einen Aperitif. Das hat mich eines Tages in Deutschland in eine unglückliche Situation gebracht – als ich dachte, es gebe nach den Schnittchen noch richtiges Essen. Endstation: McDonalds.
Laura: Daher auch die Idee früh morgens müde, nach einem Essen um 23 Uhr, einfach mal zu streiken.
Sie sehen, auch nach 55 Jahren bleiben einige kulturelle Differenzen bestehen, aber wie auch Angela Merkel sich peu à peu an die Sonderlichkeiten ihrer französischen Staatsnachbarn gewöhnte, kommen auch wir als junge deutsch-französische Generation ganz gut miteinander zurecht. Und wie es Charles de Gaulle 1963 sagte: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“

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