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Energieolympiade : Der Sieg geht nach Elmshorn und Kölln-Reisiek

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Drei Projekte aus dem Kreis Pinneberg werden ausgezeichnet. Das Preisgeld liegt bei insgesamt 100.000 Euro.

Elmshorn | Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Bei diesen beiden wichtigen Zukunftsthemen haben die Stadt Elmshorn und die Nachbargemeinde Kölln-Reisiek landesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Die beiden Kommunen wurden gestern auf dem Ascheberg in Ascheffel von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) für ihre vorbildlichen Energieprojekte ausgezeichnet. Die EKSH schüttete beim „Gipfeltreffen“ der Energiesparkommunen an neun Kommunen, drei kommunale Zusammenschlüsse und einen Ehrenamtler insgesamt ein Preisgeld in Höhe von 100  000 Euro aus.

Bei der „EnergieOlympiade 2017“ gingen gleich zwei Preise nach Elmshorn. Im Rathaus werden die Mitarbeiter seit 2016 mit provokanten Sprüchen auf den Fluren – sie wurden von den Auszubildenden selbst kreiert – erfolgreich zum Energiesparen aufgefordert. Der erste Preis in der Kategorie „Organisatorische oder Verhaltensmaßnahme“ ist mit 5000 Euro dotiert. Für ein bundesweit bisher einzigartiges Energieversorgungskonzept für das neue Quartier Krückau-Vormstegen – unter anderem wird mit Hefe geheizt – erhält die Stadt einen Sonderpreis. Er ist mit 2500 Euro dotiert.

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnungen. Die Stadt wurde als verlässlicher und kreativer Partner der Energieolympiade hervorgehoben“, betonte Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje. Zum ersten Mal habe die Stadt zwei Preise gewonnen.

Kölln-Reisiek ist der Sieger in der Kategorie „Große technische Maßnahme“ und erhält ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Das Konzept des Zukunftskindergartens überzeugte die Jury auf ganzer Linie. „Hier wurde in kürzester Zeit ein kohlendioxidneutrales EnergiePlus-
Haus gebaut, das schon heute über den Anforderungen der Energieeinsparverordnung von 2020 liegt“, zeigte sich EKSH-Projektleiter Klaus Wortmann besonders beeindruckt. Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) lobte die Aktion: „Wir brauchen viele kleine, lokale Energiewenden, um die große Energiewende zu bewältigen.“

Drei preisgekrönte  Vorzeige-Projekte

Mit positiven Provokationen im Rathaus Strom sparen

Da wird so manche Werbeagentur neidisch. Denn was da in den Köpfen der Auszubildenden im Elmshorner Rathaus an kreativen Ideen entstanden und anschließend umgesetzt wurde, ist richtig gut. Das fand auch die Jury der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz aus Kiel. Bei der „EnergieOlympiade“ belegten die Elmshorner in der Kategorie „Organisatorische oder Verhaltensmaßnahme“ den ersten Platz. Der Lohn der Arbeit: 5000 Euro Preisgeld.
Das Schild im Flur des Verwaltungstraktes fällt sofort ins Auge: „Wie würdest Du es finden, wenn Dich jemand anmacht und dann abhaut“? Es geht um die Lampen auf den Schreibtischen. Mit positiven Provokationen Energie sparen – dieses Projekt wird seit Januar 2016 im Rathaus umgesetzt. „Unser Rathaus ist alt und nicht besonders energieeffizient. Wir mussten uns überlegen, wo es noch Einsparpotenzial im Haus gibt und wie wir es aktivieren können“, beschreibt Elmshorns Klimaschutzmanager Markus Pietrucha die Problemstellung.
Die Lösung: das Verhalten der Mitarbeiter beeinflussen. Die sollten sensibilisiert und ein Stück weit wachgerüttelt werden – mit den provokanten Sprüchen, die provozieren und im Kopf bleiben. „Wenn hier im Haus 250 Monitore angeschaltet bleiben, dann merkt man das schon sehr deutlich“, betont Stefan Bennke, Energiebeauftragter des Gebäudemanagements. Die Azubis erhielten den Auftrag, die Energiespar-Botschaften zu entwickeln. „Denn die Auszubildenden werden mit ihrem Denken und Handeln künftig das Rathaus in Elmshorn prägen“, sagt Ausbildungsleiter Stefan Labusch. Der Erfolg ist messbar: 2016 konnte laut Benneke ein Prozent des Gesamtenergieverbrauchs durch Verhaltenstipps eingespart werden. „Das ist bei einem so großen Amt nicht wenig.“ Die Azubis werden auch belohnt. 50 Prozent des eingesparten Gelds bekommen sie.

  • Projektzeitraum: Januar 2016 bis  Dezember 2020
  • Kosten: 703 Euro
  • Energieeinsparung pro Jahr: 14265 Kilowattstunden
  • Relevante Energieträger: Elektrizität, Erdgas
  • Kohlendioxideinsparung: 4,1 Tonnen im Jahr

Kölln-Reisiek setzt auf seine Zukunfts-Kita

Sieger in der Kategorie „Große technische Maßnahme“. Die kleine Gemeinde Kölln-Reisiek hat wahrlich Großes geleistet. Die neue Kindertagesstätte für 15 Krippen- und 60 Elementarplätze ist ein Zukunftskindergarten, laut Jury einer „der spannendsten Kindergärten Deutschlands“. Die Belohnung: 10.000 Euro Preisgeld.
Bei diesem 2011 beschlossenen Bauvorhaben ließen sich die Verantwortlichen nicht von den gesetzlichen Mindestanforderungen leiten. Es wurde eine Kita gebaut, in dem die Bereiche Klimawandel, Klimaschutz und Nachhaltigkeit unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. „Es ist wichtig, dass Kinder wissen, wie man mit der Erde umgeht“, sagt Birger Paulsen, Gemeindevertreter und ehrenamtlicher Projektleiter.
Herausgekommen ist ein kohlendioxidneutrales EnergiePlus-Haus, das als Energieträger zum Heizen und Kühlen Geothermie nutzt. Ein Wandheizungssystem kombiniert mit einer Betonkernaktivierung in den Decken sorgt für gleichmäßige Raumtemperaturen. Den benötigten Strom erzeugt die hauseigene Photovoltaikanlage. Im ersten Betriebsjahr produzierte das Gebäude 50 Prozent mehr Energie als es verbraucht hat. „Wir erfüllen schon jetzt die Anforderungen der Energieeinsparverordnung von 2020“, betont Paulsen.
Auch das inhaltliche Konzept der Kita ist nachhaltig. „Es beinhaltet Umwelterziehung im Alltag, spielzeugfreie Zeiten, altershomogene Projektarbeiten wie den Bauerngarten sowie die intensive Zusammenarbeit mit Bauernhöfen sowie sozialen Projekten für die Dorfgemeinschaft“, sagt Thekla Meier, pädagogische Leiterin der Kita.
Kölln-Reisieks Bürgermeisterin Kerstin Frings-Kippenberg ist „stolz auf unseren Zukunftskindergarten, der wirklich etwas Besonderes ist.“ Sie lobt ihre Vorgängerin Karin Röder und die Politiker für die Umsetzung des Projektes.

  • Projektzeitraum: Februar 2011 bis  August 2014
  • Kosten: 2,7 Millionen Euro
  • Energieeinsparung pro Jahr: 134.000 Megawattstunden
  • Relevante Energieträger: Elektrizität, Erdgas
  • Kohlendioxideinsparung: 32 Tonnen im Jahr 

Heizen mit Hefe im neuen Elmshorner Vorzeige-Quartier

Mit Hefe Wohnungen heizen, genauer gesagt mit der Abwärme, die im Produktionsprozess des  Elmshorner Hefeherstellers entsteht: Mit diesem Projekt setzen die Stadt Elmshorn und die Elmshorner Stadtwerke bundesweit Maßstäbe. Das neuartige Energiekonzept kommt als Modellprojekt im Quartier Krückau-Vormstegen zum Einsatz. Die Stadt Elmshorn erhielt dafür bei der „EnergieOlympiade“  einen Sonderpreis. Er ist mit 2500 Euro dotiert.
„Vor allem beim Klimaschutz müssen Kommunen und öffentliche Einrichtungen als Vorbild vorangehen“, sagt Elmshorns Klimaschutzmanager Markus Pietrucha. Es gehe darum, neue Wege zu gehen und alle Möglichkeiten zur nachhaltigen Energiegewinnung auszuschöpfen.
Im Quartier Krückau-Vormstegen setzt das entwickelte Energiekonzept auf eine Kombination von dezentraler und zentraler Versorgung. Denn im Quartier werden nicht nur Neubauten  hochgezogen. Dort gibt es auch Bestandsgebäude, die um 1900 errichtet worden waren. Wärmepumpen sollen in den jeweiligen Gebäuden eine bedarfsorientierte Wärmeversorgung  garantieren. 
Um eine möglichst hohe Effizienz zu gewährleisten, werden sie durch ein Wärmenetz verbunden, das  mit besonders niedrigen Systemtemperaturen arbeitet. Ein sogenanntes LowEx-Netz. Durch diesen Ansatz ist es möglich, weitere  Erzeuger ohne Probleme in das Projekt aufzunehmen.
Technisch werden dabei Energiequellen mit niedrigem Energieniveau –  die industrielle Abwärme aus der Hefeproduktion – genutzt, um eine emissionsfreie, zuverlässige und kostengünstige Versorgung  zu ermöglichen. LowEx: Nach der Sanierung der Bestandsgebäude im Quartier ersetzt diese Energienutzung die bisher bestehenden Öl- und Gasheizungen. 

  • Projektzeitraum: Start im April 2017
  • Kosten: 3,4 Millionen Euro, davon 550.000 Euro für Planungsleistungen und Öffentlichkeitsarbeit.
  • Energieeinsparung pro Jahr: 134.000 Megawattstunden
  • Kohlendioxideinsparung: 50 Prozent gegenüber konventioneller Versorgung
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erstellt am 01.Jun.2017 | 12:00 Uhr

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