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Giftpflanzen in Elmshorn : Der schwere Weg zur grünen Königstraße

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Dass Elmshorns Innenstadt begrünt wird, steht fest. Unklar ist aber, ob die giftige Lorbeerkirsche angeschafft wird.

Ist die Portugiesische Lorbeerkirsche das Richtige, um die Königstraße zu begrünen? Die Debatte um die Vor- und Nachteile der Pflanze hat das Projekt zur Verschönerung der Fußgängerzone auf jeden Fall bereits jetzt zeitlich verzögert. Der geplante Termin für die Eröffnung der neuen, grünen Königstraße im Sommer ist abgesagt worden.

Zuvor hatte es vor allem während der jüngsten Hauptausschusssitzung eine lebhafte Diskussion gegeben. Wie giftig ist Lorbeerkirsche wirklich? Sollte eine andere Pflanze für die Verschönerung angeschafft werden? Die Politiker stimmten letztlich am Donnerstag während der Kollegiumssitzung einstimmig für das Projekt und den damit verbundenen dritten Pact in Elmshorn. In einem Zusatz zum Beschluss bitten sie aber die Projektmacher, sich noch einmal mit der Frage der Pflanzenart kritisch zu beschäftigen.

„Wir sind davon ausgegangen, dass Passanten nicht mehrere Kilo von den Blättern oder Samen essen und haben das Risiko als nicht so hoch eingeschätzt“, erläuterte die Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins, Manuela Kase, den Politikern die Situation bereits während der Hauptausschusssitzung am Dienstag. Man habe sich lange und intensiv bei Experten und Anbietern schlau gemacht, welche Pflanze den vielen Rahmenbedingungen entsprechen könne. Nach dem von den Grundeigentümern in Zusammenarbeit mit der Stadt und einem Landschaftsarchitekten entwickelten Kriterienkatalog soll die Begrünung in 34 großen Töpfen mit Pflanzen erfolgen, die immergrün, frosthart, krankheitsresistent, robust gegen Vandalismus und pflegeleicht sind. Letztlich habe nur die Lorbeerkirsche all dies erfüllen können. Sie sollte in Kegelform angeschafft werden.

„Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Zigarettenkippen sind gefährlicher, und die Beeren schmecken extrem bitter. Wer isst denn davon 15 Stück?“, sagte Dirk Kehrhahn, Sprecher der Lenkungsgruppe der 37 Grundeigentümer im Pact-Bereich Königstraße 6 bis 63. Außerdem, so fügte Kehrhahn hinzu, enthalte die Pflanze eben gerade deshalb giftige Stoffe, weil sie immergrün und frosthart sei. Blätter von Rhododendren sollten auch nicht gegessen werden und trotzdem stünden diese Pflanzen überall in der Innenstadt. Der Sprecher der Eigentümer von 49 Grundstücken in der Königstraße stellte klar: „Wir sind uns der Verantwortung bewusst. Wir wollen etwas Gutes tun und dies nicht durch eine Negativdiskussion überlagern lassen.“ Alternativen sollten geprüft werden.

Die Politiker können einen Pact genehmigen oder ablehnen. Stimmen sie wie in diesem Fall der Begrünung in der Königstraße zu, dürfen sie aber nicht auch noch über die Details wie zum Beispiel die Pflanzenart, entscheiden. Dies ist allein Sache der zahlenden Grundeigentümer. An die Lenkungsgruppe des Projektes gerichtet stellte aber die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Silke Pahl, fest: „Die Diskussion müssen sie aushalten und sich fragen, will ich diese öffentliche Debatte, die ein negatives Image erzeugt.“ Außer Frage ist auch für die Grünen im Rathaus wie für alle anderen Fraktionen, dass die Initiative der Hausbesitzer eine gute Sache ist.

Vor der Abstimmung der Stadtverordneten hatte Bürgermeister Volker Hatje über sein Telefonat mit Professor Hans-Dieter Warda informiert. Der international angesehene Pflanzenexperte vom Arboretum in Ellerhoop hatte vergangene Woche auf Anfrage der Elmshorner Nachrichten gesagt: „Diese Pflanze ist nicht ganz unproblematisch. Ich würde die Portugiesische Lorbeerkirsche nicht in einer Fußgängerzone pflanzen.“ Es gäbe, so Warda, genügend andere Gehölze, die den Standortverhältnissen gerecht werden.

Bei seiner Stellungnahme, so berichtete Hatje nach seinem Telefonat mit Warda im Kollegium, sei es dem ehemaligen Leiter des botanischen Gartens in Hamburg vor allem um die mangelnde Frostresistenz der Pflanze gegangen, wenn sie in Kübeln wächst. Warda bot, so Hatje weiter, den Projektorganisatoren und der Stadt seine Hilfe bei der Auswahl einer geeigneten Pflanzenart an. „Ich habe mich bei ihm bedankt und ihm zugesichert, dass wir sein Angebot gern annehmen werden“, sagte Hatje und traf damit bei den Politikern auf uneingeschränkte Zustimmung. Danach votierten die Stadtverordneten einstimmig und ohne weitere Aussprache für den dritten Pact in Elmshorn.

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erstellt am 10.Mai.2014 | 16:00 Uhr

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